Leseliste 7. Dezember 2014: andere Medien, andere ThemenŽižek, Laubsauger, Datenverkauf und das Zentrum für Politische Schönheit

Leseliste Dezember 2014

Die ganze Woche über filtert unsere Redaktion Themen, Trends und Phänomene. Immer sonntags stellen wir hier in der Leseliste Artikel zusammen, die uns positiv aufgefallen sind. Twitter aus, Leselampe an!

Zizek Leseliste 7.12.14

Slavoj Žižek

Der slowenische Philosoph Slavoj Žižek ist einer der zeitgenössischen Denker und Kritiker, die scheinbar kaum eine Möglichkeit auslassen, medial präsent zu sein. Oder anders, die Medien reißen sich um den Kritiker, weil er wie kaum ein anderer gegenwärtige Diskurse zusammenbringen kann. In diesem Sommer erschien sein Buch „Event: A Philosophical Journey Through a Concept“ und in einem Videointerview mit dem Online-Magazin „The Big Think“ erläutert er seine Theorie.

„What’s an event? It’s a difficult question not because we lack definitions but because there are too many definitions.“

Slavoj Žižek: Events and Encounters Explain Our Fear of Falling in Love

Laubbläser

photo credit: printzessin via photopin cc

Die Kunst des Laubens

Žižek (s. links) hätte sicher auch eine gute Theoriebildung zu Laubsaugern parat, arbeitet er doch gerne mal mit Cartoons oder Alltagstrash, um sein Gedankengerüst aufzulockern. Für diesen etwas sprunghaften Beitrag zu einem der obskursten Geräte der Gegenwart werden Post-Wachstums-Ökonomen wie Nico Paech und Harald Welzer aufgefahren, ferner Pasolini und, wow, Erich Fromm. Crazy. These: Der Laubbläser ist der Spiegel unserer kaputten Gesellschaft. Und vertreibt Igel.

„...dass ein gesunder Mensch eine Maschine anschafft, um das Laub in seinem Vorgarten zu beseitigen – eine Arbeit, die er mit dem Rechen in wenigen Minuten erledigen und sich dabei noch ausgleichende Bewegung an frischer Luft verschaffen könnte.“

Die Laubbläser - Psychogramm einer kranken Gesellschaft

newspaper

photo credit: Thomas Hawk via photopin cc

Datenminen

Womit verdienen Medien ihr Geld? Mit Abos? Hmja. Mit Werbung? Joah. Mit Reisen, Wein, Konferenzen? Jep. Mit dem Verkauf der Nutzerdaten? Aber bitte: Der Zeit-Verlag, Gruner + Jahr, und es werden nicht die Ausnahmen sein, verdienen sich mit der Weitergabe von Profilen ihrer Leser etwas dazu. 16 Cent pro Kopf sind es etwa bei der „Zeit“, die dem Thema Datenschutz einen Haufen Themen widmet. Wie das möglich ist? Durch das so genannte „Listenprivileg“. Was das ist, erklärten zwei Krautreporter, sie sind in die Datenmine eingefahren.

“Sie sind anspruchsvoll, pflegen einen individuellen Lebensstil und sind bereit, dafür auch die entsprechenden Investitionen zu tätigen.”

Ein Ausflug in die Datenminen

ZPS Menschenrechte

Bild: Zentrum für Politische Schönheit

Utopie Menschenrecht

An fast niemandem ist der „Erste Europäische Mauerfall“ vorbeigegangen: Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS), ein Bündnis von Künstlern und Kreativen - allen voran Theatermacher Philip Ruch - demontierte Gedenkkreuze in Berlin und brachte sie anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls an die europäischen Außengrenzen. Denn dort sterben immer noch Menschen an der von EU-Staaten finanzierten High-Tech Mauer. Im Medium-Artikel liefert das ZPS den theoretischen Unterbau der eigenen Aktionskunst - die Grundidee. Ein langes Stück Text, aber unglaublich interessant: Die Einhaltung der Menschenrechte als das einzig und alleinige Ziel.

„Wie ist das möglich, dass eine der größten Ideen der Menschheit in Deutschland derart blutleer, leidenschaftslos, langweilig und uninteressant geworden ist?“

Aggressiver Humanismus - Von der Unfähigkeit der Demokratie, große Menschenrechtler hervorzubringen

Radio: Medium der Clubkultur?Der große Roundtable (Audio-Mitschnitt)

Interstellar BodensatzScience Fiction aus dem Whisky-Glas