Wochenend-WalkmanDiesmal mit Richard von der Schulenburg, Alex Wiley und Vermont

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Drei Alben, drei Tipps, drei Meinungen. In unserer samstäglichen Filter-Kolumne wirft die Redaktion Musik in die Runde, die erwähnenswert ist. Weil sie neu ist, plötzlich wieder relevant, gerade entdeckt oder nie vergessen. Und im Zweifelsfall einfach ein kurzweiliger Zeitvertreib ist.

Richard von der Schulenburg - Artwork

Richard von der Schulenburg – Wanderung durch Wald und Flur

Christian: Wer auch nur ein ganz leises Verhältnis zum popkulturellen Großraum Hamburg unterhält, wird Richard von der Schulenburg begegnet sein. Wenn er als RDVS den Pudel bespielt zum Beispiel. Nicht ganz so regelmäßig veröffentlicht er auch House-Tracks. Sehr elegant können die sein, gelegentlich aber vielleicht auch etwas bieder. Um so begrüßenswerter, dass von der Schulenburg sich nun vermehrt auch anderen Feldern zuwendet. Seit letztem Jahr ist er Teil von Sky Walking, einem elektroakustischen Projekt mit Peter Kersten (aka Lawrence) und dem sowieso immer besser werdenden Christian Naujoks. Und nun gibt es eine EP unter (un-)bürgerlichem Namen, die beim noch jungen Hamburger Label V I S erscheint (dessen Veröffentlichungen sich insbesondere jene anhören sollten, die immer noch meinen, Musik aus Hamburg müssen albern oder zumindest ironisch sein). Von der Schulenburgs Exkursionen sind gänzlich analoge, sehr ambiente Arbeiten für Synthesizer. Ein Tatbestand, der in Zeiten des Modular-Hypes erstmal keine Sensation darstellt, musikalisch aber als eine solche gehandelt werden darf. Schulenburg lässt zwar die Maschinen ordentlich rauschen, seine düsteren, zugleich leichten Stücke können aber viel mehr als nur Atmosphäre. Anstatt gewollter Deepness hinterherzulaufen, schleicht sich immerzu angenehme Melodiösität in die Stücke, und eine Art krautige Grundstimmung. Beides verliert sich erst mit dem vorletzten Track „Distant Breathing“ – von hier an scheinen die Maschinen dann endgültig in einer eigenen Sprache miteinander zu kommunizieren. Da mag man kaum glauben, dass von der Schulenburg einst mit alberner, oder zumindest ironischer Heimorgelmusik reüssierte.

Vermont II Cover WW11022017

Vermont – II

Ji-Hun: Ich sag es ja immer wieder. Alleine ein Album zu machen kann wirklich schwer werden. Wie viele DJs und Künstler an dem Projekt zugrunde gegangen sind. Dafür muss man auch nicht Berlin Calling gucken, um zu zu wissen, was das mit einem anstellen kann. Wie sonst soll man sich erklären, dass Danilo Plessow aka Motor City Drum Ensemble noch immer auf sein Debüt trotz aller weltweiten Hypes warten lässt, derweil es aber schon geschafft hat, zwei Alben gemeinsam mit Marcus Worgull als Vermont aufzunehmen? Nun also Album Nummer 2 des Projekts, das trocken betitelt einfach nur „II“ heißt. Eine Hardware-basierte Exploration im Ambient, Krautrock und Wave. Let the machines talk. Moog Prodigy, Arp Odissey, Juno, Prophet, Rhodes – ein illustrer Gerätepark, den die beiden Geeks, da angesammelt haben und auch wieder wird von beiden konsequent der Dancefloor umschifft. Stattdessen Balearisches, Cosmic, Gitarren, Soundtracks, analoge Bleeps. Unprätentiös, ein Album in dem es nach Studio mieft, ein Tagtraum mit Synthesizern.

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Alex Wiley Village Party III Walkman

Alex Wiley – Village Party III: Stoner Symphony

Benedikt: Seine Mixtapes wurden gefeiert, an Seite von Chance The Rapper und Vic Mensa kennt man ihn, aber zum hell leuchtenden Punkt auf dem Rap-Radar ist Alex Wiley bis heute nicht geworden. Zu Unrecht, wie „Village Party III“ einmal mehr zeigt. Vielleicht liegt es daran, dass der 23-Jährige aus Chicago sich nicht recht einfügen mag in US-Rap-Gepflogenheiten. Die Hooks sind cheesy und minimal, leben von und streben nach endloser Wiederholung, aus den Versen sprechen Ruhe und Gelassenheit. Alex Wiley klingt immer distanziert – von seinen eigenen Lyrics, von seinen eigenen Songs – als ob er die eigenen Bars schon (oder erst?) beim Einrappen ins Mic auf der Metaebene betrachtet. Erstklassig wird die Platte schließlich durch die UK-inspirierten Beats, die nicht selten im brachialen Gegensatz zum Rap stehen. Bis hierhin das beste Rap-Album 2017.

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Das Leben in BrooklynBerlinale 2017: „Golden Exits“ von Alex Ross Perry

Leseliste 12. Februar 2017 – andere Medien, andere ThemenMode in der Langeweile, Ökonomie der Aufmerksamkeit, unfreiwillig Abgehängte im Portrait und Fast-Food-Fail in Israel