Fall Guys, Fox News, Michael Reinoehl & AutechreLeseliste – 17. Oktober 2020

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Photo by Hayden Walker on Unsplash

Jede Woche liest die Redaktion das Internet leer, um – fortan bereits samstäglich – Lesestücke empfehlen zu können. Artikel, die interessant, relevant oder gar beides sind. Und zum Glück abgespeichert wurden.

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Fall Guys Soundtrack

Wer sich ein bisschen in der Gaming-Welt auskennt, dürfte bereits von Fall Guys mitbekommen haben: Dutzende Spieler treten im Massenstart zu einem Hindernisparcour an. Die letzten zehn Ankömmlinge im Ziel scheiden aus. Es darf sich auch mal gehauen werden, in manchen Level müssen gigantische Bälle in den Bereich der gegnerischen Teams befördert werden. Das Spiel ist bunt, schrill, ein Gewimmel mit Frustrationspotenzial. Und es erinnert unweigerlich an Takeshi's Castle. Den Electro-Pop-Soundtrack zum Spiel gibt's bei Bandcamp, dazu ein Feature, das die dahinter steckenden Ideen noch ein wenig genauer ausleuchtet.

“Fall Guys takes place in a totally manufactured universe,” he says. “And we wanted the music to reflect that—this mishmash of genres has you grabbing cues from all sorts of places and it really keeps things feeling otherworldly.

“Fall Guys” Soundtrack Exults in High-Energy, Wonderfully Weird Electro Pop

Fox News

Der Nachrichtensender Fox News existiert seit fast 25 Jahren und ist nicht zuletzt wegen der Tatsache Donald Trumps Lieblingssender zu sein zu einer der mächtigsten Medien der USA, wenn nicht der Welt geworden. Dabei agiert Fox News oft agitatorisch, aktivistisch und mit einem ultrakonservativen Weltbild und spaltet das Land eher als nach journalistischen Lösungen zu suchen. Bernhard Pörksen berichtet in seinem ausführlichen Stück „Wut schlägt Wahrheit“ für die Zeit.

Das bedeutet nicht, dass bei Fox News nicht auch Journalisten arbeiten, die sich gegen Exzesse der Agitation und später auch gegen den Schwadroneur im Weißen Haus positionieren. Bret Baier, Chris Wallace und Shepard Smith (inzwischen nicht mehr beim Sender) gehören dazu. Aber ihre Stimmen fallen in der Summe nicht ins Gewicht. Sie haben eher Feigenblatt-Funktion. Prägend für den Sender ist die schrittweise Demontage des klassischen Journalismus mit seinem Bemühen um Faktizität und Fairness, Proportionalität und Relevanz. Man zieht Spektakelthemen hoch und berichtet in steter Routine von verkommenen Liberalen und brandgefährlichen Linken. Man lässt vermeintlich neutrale Experten auftreten, die tatsächlich von ultrakonservativen Lobbyorganisationen bezahlt werden. Und man verwischt die Grenze zwischen Nachricht und Meinung durch einen Stil bombastischer Ankündigungen, der als brisante Enthüllung verkauft, was bei näherer Betrachtung bloße Behauptung ist ("schlimmer als Watergate" – "der größte Skandal der amerikanischen Geschichte").

Wut schlägt Wahrheit

Michael Reinoehl

Am 29. August erschoss Michael Forest Reinoehl Aaron J. Danielson, einen Unterstützer, der extrem rechten Gruppe Patriot Player, in Portland. Nach Reinoehl, einem bekennenden Antifa-Aktivisten wurde daraufhin gefahndet. Am 03 September wurde er von US Marshalls und Agenten der FBI erschossen, mehr als 30 Kugeln wurden auf ihn abgefeuert. Präsident Trump sagte dazu: „We got him. They knew who he was. They didn't want to arrest him. Fifteen minutes, that ended.“ Nun hat die New York Times 22 Zeugen befragt. Bis auf eine Person hat niemand die vorgeschriebene Aufforderung sich zu ergeben gehört. Alles deutet auf eine gezielte Tötung hin, die mit einer Verhaftung nicht das geringste zu tun hatte.

“I respect cops to the utmost, but things were definitely in no way, shape or form done properly,” Mr. Louis said.

‘Straight to Gunshots’: How a U.S. Task Force Killed an Antifa Activist

Autechre-Portrait

Foto: Balfic

Autechre vs. New York Times

Es gibt Platten, bei denen fehlen einem die Worte. Die Musik von Autechre fiel in den vergangenen Jahren immer wieder in diese Kategorie. Und die beiden Musiker Rob Brown und Sean Booth haben auch immer seltener Lust, sich zu erklären. Gestern erschien ihr neues Album „Sign“. Im Vorfeld haben die beiden Briten der New York Times ein Interview gegeben. Klingt angemessen, und ist doch herrlich loose. Und – leider – auch kurz und knapp. Aber man lernt zumindest, wie eine LP, die seit langer Zeit in Arbeit war, in die heutige Zeit passt – oder eben auch nicht. Genial sind die beiden Musiker noch immer. Ob man den Sound nun noch mag oder nicht.

„We found a weird, natural common ground.“

Autechre Worked in Isolation for Decades. Now It’s Unintentionally Timely

Acid Pauli, Machinedrum & Hiroshi YoshimuraWochenend-Walkman – 16. Oktober 2020