Leseliste 10. Januar 2016 – andere Medien, andere ThemenMcRefugees, das Frauenbild im Islam, Cantinas und kein Glück durch Geld

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Girl reading book via Shutterstock

Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Obdachlos bei McDonalds

Hierzulande würde wohl kaum jemand auf die Idee kommen, mehr Zeit als nötig in einer McDonalds-Filiale zu verbringen. Wenn schon, dann bitte quick and dirty: Burger rein, Mensch wieder raus. Da hilft auch kein McCafé. In Asien jedoch, vor allem in China, wo die Fastfood-Kette wie nicht anders zu erwarten mächtig auf Expansions-Kurs ist, gelten die Horte der Plastiktablets als besonders reinlich und kulturell wertvoll. Man trifft sich bei McDonalds, nicht nur zum Essen. Immer mehr Filialen in China haben rund um die Uhr geöffnet. Und werden so zum Anziehungspunkt für Obdachlose. Wenn das Tagesgeschäft vorbei ist, nehmen sie Platz und verbringen die Nacht dort. Und werden geduldet. Notunterkünfte für Menschen, die auf der Straße leben, sind in China rar und zudem stark reglementiert: Maximal zehn Nächte darf man dort verbringen, dann geht es zurück in die kalte Nacht und zur Schlafstadt unter freiem Himmel. Platte machen, wie Obdachlose das Schlafen auf der Straße bei uns nennen, ist in China stigmatisiert. Also ab zu McDonalds. Vielerorts nennt man die nächtlichen Gäste „McRefugees“. Die New York Times berichtet.

„Meine Familie bettelt seit der Ming-Dynastie, ich bin die 19. Generation.“

China’s Homeless Find Shelter Under McDonald’s Golden Arches

Dolce und Gabbana Hijab

Das Edellabel Dolce & Gabbana hat letzte Woche seine erste Kollektion bestehend aus Hijabs and Abayas vorgestellt. Foto: Dolce&Gabbana

Das Frauenbild im Islam

Nach den Geschehnissen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht steht das Thema wieder ganz oben auf der Anti-Asyl-Agenda: Das Bild der Frauen im Islam. Muslimische Männer würden sich respektlos, sexistisch, ja frauenverachtend verhalten und der Frau ihre Rechte absprechen – das sehe man ja schon am Kopftuch. Diese Aussage ist nicht nur viel zu vereinfachend, sie ist auch im Kern falsch. Khola Maryam Hübsch hat sich dieses Vorurteils mal angenommen und es in seinen Kontexten betrachtet: in unserem historischen Kontext, im Kontext der islamischen Lehre, im Kontext unserer gesellschaftlichen Gegenwart, im Kontext des Feminismus. Sehr lesenswert.

„Stutzig machen sollte auch die Tatsache, dass sich im aktuellen Diskurs über Flüchtlinge nun ausgerechnet diejenigen den Kampf gegen das Patriarchat auf die Fahnen schreiben, die bisher eher mit antifeministischen Positionen aufgefallen sind. Darunter rechtspopulistische Aktivisten, die die Frau sonst an den Herd wünschen.“

Muslime unterdrücken ihre Frauen. Ein Vorurteil, das weniger über den Islam aussagt – und mehr über unser geschöntes Selbstbild

Cantina

Der mexikanische Pub

Bier, Bier, Bier, Tequila, Chili-Limettensaft (Tischnachbar: „It´s Mexican Viagra“). Tacos, die in Plastikeimer mit irgendwas brüllend Scharfem getaucht und ungefragt serviert werden, damit das nächste Bier alsbald bestellt wird. Blaskapellen, die ein kurzes Ständchen geben und weiterziehen zur nächsten Kneipe. Der Mexikobesucher wird schnell feststellen: Die Cantina ist das, was der Pub es für die Briten ist, der „soziale“ Ort der (vorwiegend männlichen) Mexikaner. „Strobo“-Autor Airen lebt seit Längerem in Mexiko und hat für Mixology die Genesis und den aktuellen Niedergang dieser Nationalinstitution aufgeschrieben. Zusätzlicher Lesetipp: Seine Story über eine mexikanische Real-Life-Seifenoper mit deutscher Beteiligung.

„Von draußen vernahm man nur das Gröhlen und Fetzen der Musik und das Quietschen der Türen, wenn die Trinkhalle wieder einen Betrunkenen auf das Pflaster der Hauptstadt spuckte.“

Die Cantina Méxicana

Wenn man plötzlich Millionär wird

Der Däne David Heinemeier Hansson gründete vor vielen Jahren Basecamp. 2006 stieg Amazon-Boss Jeff Bezos in das Unternehmen ein und auf einen Schlag wurde aus einem Kopenhagener Mittelklassejungen ein Millionär. Keine Frage, dass Geld einem vieles ermöglicht und auch Hansson kaufte sich einen gelben Lamborghini. Aber macht so viel Geld wirklich glücklich? Oder geht es am Ende doch um andere Dinge?

„For the first few months, I barely touched any of the money. Sure, I bought a big screen TV and more DVD boxsets than I could hope to consume, but it wasn’t like I couldn’t have done that anyway. It wasn’t until near the end of that year I finally drew down on the account of cliched purchases: A yellow Lamborghini! While all very nice, very wonderful, it didn’t, as we say, really move the needle of deep satisfaction.“

The day I became a millionaire

Wochenend-WalkmanDiesmal mit Dominique A, The Gentleman Losers und Jeremih

Mix der Woche: SutscheExklusiver 33 RPM-Mix zum Klub Katarakt 2016