Leseliste: 3. April 2016 – andere Medien, andere ThemenDas Prinzip Netflix, nicht so smarte Uhren, Googles Boss und der Plattenladen in der UdSSR

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Foto: 3D-Illustration via Shutterstock

Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

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Foto: Netflix

Netflix, erklärt

Irgendetwas muss der Streaming-Anbieter richtig machen. Sonst wäre Netflix mittlerweile nicht das Synonym für die Dienstleistung – Filme und Serien auf den heimischen Fernseher oder Telefon und Tablet beamen –, mit der andere Anbieter in bestimmten Ländern viel mehr Marktanteil verbuchen können. Zum Start der neuen Staffel von „Daredevil“ hat sich Wired das Prinzip Netflix erklären lassen. Warum ist Netflix so erfolgreich? Zum einen aufgrund des enormen infrastrukturellen Aufwands, um die Ladezeiten zu minimieren. Die beliebtesten Filme werden lokal vorgehalten und müssen sich nicht durch das sprichwörtlich weltweite Netz quälen. Um jedoch zu wissen, welche Filme beliebt sind, wird eine umfangreiche Datenanalyse betrieben. Das war bereits bekannt, auch der Erfolg der eigenen Produktionen liegt in dieser Analyse begründet. Doch wie Netflix die Konsumgewohnheiten seiner Kunden aufdröselt, funktioniert anders als angenommen: Herkunft, Alter und Geschlecht spielen überhaupt keine Rolle mehr.

„It’s survival of the clickest, all around the world.“

Netflix’s Grand, Daring, Maybe Crazy Plan to Conquer the World

Weniger ist mehr

War Dick Tracy eigentlich der erste, der eine Smartwatch trug? Der Mini-Computer am Handgelenk ist immer noch Hype-Thema und Zukunftsversprechen. Im Alltag jedoch sieht das oft anders aus. Eine zu komplizierte Bedienung für ein so kleines Display, schlechte Akkulaufzeit und vor allem ein oftmals endloses Warten, bis sich Apps öffnen. „Wird alles besser“, heißt es dann oft, „mit der nächsten Version und schnellerem Prozessor“. Das mag so sein, ist jedoch nicht das Grundproblem der Smartwatch, sagt Dieter Bohn in seinem Text für The Verge. Das Problem ist vielmehr der fehlende Fokus der Entwickler, die, eben weil Prozessoren heute so viel Rechenleistung haben, zu viele Funktionalitäten planen und den Nutzern so zumuten. Seine These: Weniger ist mehr, zumindest am Handgelenk. Ob sich der langfristige Erfolg der Computeruhren daran wird messen lassen, irgendwann? Sein Ansatz ist interessant, seine Argumentation überzeugend. Jetzt müssen nur die richtigen Entscheider den Text lesen. C'mon!

„Ich will nicht mehr Features, ich will weniger.“

Smartwatches and the three-second rule

Sundar Pichai LL03042016

Foto: Google

Wer ist Sundar Pichai?

Für Buzzfeed hat Mat Honan den CEO von Google, Sundar Pichai, über längere Zeit begleitet und immer wieder interviewt. War mit ihm auf der CES in Las Vegas, wo der Chef des wertvollsten Unternehmens der Welt praktisch unerkannt bleibt. In Indien, Pichais Heimat, deren technologische Zukunft dem 43-Jährigen besonders am Herzen liegt, nicht nur, weil Google hier auch viel Geld verdienen kann. Und auch bei ihm zu Hause, einem für sein Gehalt bescheidenes Haus, vollkommen unter Kontrolle seiner Kinder. Seine mediale Präsenz, vor allem aber seine persönlichen Werte und Überzeugungen könnten Google mittelfristig eine neue Ausrichtung geben. Datenkrake vs. Such-Algorithmus vs Android vs. soziales Engagement: In Welche Richtung Pichai das Unternehmen drehen wird, bleibt abzuwarten. Er ist und bleibt jedoch einer der ungewöhnlichsten CEOs im Valley.

„He is considerate. Nice. Kind, even. He loves cricket. And gadgets. And, very obviously, his children, whom he talks about constantly. He is a vegetarian. I know all these things about him. This is information. But is it giving us answers?“

Searching for Sundar Pichai

Vinyl in Aserbaidschan

In den 1980er-Jahren entspannte sich in der UdSSR die Haltung des Politbüro gegenüber westlicher Musik. Zirkulierten zuvor viele Bootlegs in den unfassbarsten Formaten, konnte man in der Ära Gorbatschow auch Rock und Pop auf Vinyl kaufen. Entweder in Lizenz hergestellte Pressungen oder Importe. Natürlich waren die Stückzahlen nie ausreichend, aber ein erster Schritt war getan. Auf dem Schwarzmarkt kosteten die Platten einfach zu viel Geld. Auch in Aserbaidschan. In der Hauptstadt Baku leitete Alex Alekperov den einzigen und offiziell genehmigten Plattenladen. Das FactMag hat ihn interviewt. Alekperov liebte westliche Musik und profitierte davon, dass die sowjetische Plattenfirma Melodiya keine Ahnung hatte, was sie importierte und kaufte alles ohne nachzufragen. Seine Kunden dankten es ihm. Ob der günstigen geographischen von Baku wurde der Laden auch Anlaufstelle für viele Touristen aus sozialistischen Bruderstaaten: Vinyl war preiswert in den UdSSR. Ein Portrait über einen Mikrokosmos der kulturellen Freiheit.

„Some of the store managers had never heard of the Rolling Stones, so I’d go to the warehouse and grab all the copies.“

I ran the official record store of Soviet Azerbaijan

Wochenend-WalkmanDiesmal mit Slam, Kenny Larkin und Sun Electric

The Walk of Life ProjectDire Straits‘ Gassenhauer als universelles Ende aller Filme