Der Independent Label Market kommt nach BerlinHofladen der Musik-Indies öffnet am 13. August

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Der Independent Label Market im September 2015 in Berlin.

Da wird auf den Flohmärkten der Hauptstadt wohl nicht viel los sein: Beim „Independent Label Market“, kurz ILM, können Fans am kommenden Samstag Musik direkt vom Erzeuger kaufen, den Labels. Wir haben drei Berliner Plattenfirmen gefragt, warum Veranstaltungen wie diese wichtig sind, und zusammengetragen, was im Kreuzberger Club Prince Charles auf dem Tages- und Nachtprogramm steht.

Die Zahlen des Bundesverband Musikindustrie sind ein deutliches Zeichen: Es wird wieder mehr Musik gekauft in Deutschland, bzw. mehr Geld dafür ausgegeben. Doch der mit Abstand wichtigste Faktor für diese Entwicklung – das Streaming legte um 88 Prozent zu – stellt die Labels vor Probleme: Im digitalen Geschäft spielen ihre Marken (man denke an „von Ariola“ bis Zyx), früher Garant für einen bestimmten Sound, für Trends und untrennbar mit bestimmten Künstlern verbunden, so gut wie keine Rolle mehr. Skurril. Denn auch wenn viele Musikerinnen und Musiker ihre Vermarktung mittlerweile selbst in die Hand genommen haben, sind Plattenfirmen immer noch der unverzichtbare Mittler zwischen Künstler und Fan. Damit das nicht in Vergessenheit gerät, gibt es Veranstaltungen wie den Independent Label Market. Am kommenden Samstag findet der ILM bereits zum dritten Mal in Berlin statt.

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„Haben Sie auch was von Throbbing Gristle?“ Hund am Stand von Mute Records beim ILM in London. Foto: Mute Records via Twitter

Die Veranstaltungsreihe, 2011 in Großbritannien ins Leben gerufen, wird in immer mehr Städten und Ländern ausgerichtet, neben dem Schwerpunkt UK mittlerweile auch regelmäßig in Spanien, Kanada und den USA. Das Konzept scheint aufzugehen. Natürlich haben alle Labels großes Interesse daran, immer so viele Tonträger wie möglich zu verkaufen: Der Kontakt zwischen Hersteller und Fan wird aber gerade in Zeiten von Spotify, Soundcloud und YouTube immer wichtiger. Wer sind die Menschen, die Schallplatten für viel Geld und mit viel Liebe herstellen? Und wer kauft die dann? Auf dem ILM treffen sich beide Seiten von Angesicht zu Angesicht. Die Label-Macher selbst stehen hinter den Ständen bei diesem Plattenladen auf Zeit. Immerhin haben wir es hier mit dem Independent Label Market zu tun.

Und weil es um Musik geht, wird die Veranstaltung natürlich von DJs bespielt. Die können selbst Platten mitbringen, sich aber auch an den Ständen der Labels bedienen und die Tracks dann in ihre Sets einbauen. Und wer tagsüber schon ordentlich Raritäten abgestaubt, den Label-Menschen 12” große Löcher in den Bauch gefragt und gen Abend eine deutlich schwerere Plattentasche hat, kann gleich da bleiben. Nach der Börse von 12 bis 20 Uhr folgt die Party mit Phon.o, Christopher Rau, Illum Sphere, Aroma Pitch, Mor Elian und Jonathan Rau.

Die Liste der teilnehmenden Labels ist lang. Erfreulich lang.

!K7, Arboretum, Aufnahme und Wiedergabe, Banlieue, BBE, Bordello A Parigi, Bright Sounds, Care of Editions, Carousel, City Slang, Clasicos Del Ruido, Comeme, Creaked, Crossing, Cyclic Law, Domino, Dystopian, Erased Tapes, Flexiwave, Grafiti Tapes, Innervisions, Instruments of Discipline, Isaiah Tapes, Klasse Recordings, LAN, Lex, Mannequin, Mansions and Millions, Mecanica Records, Mechatronica, Moniker Eggplant, Monkeytown, Monotype, Morr Music, Mute, Ninja Tune, Nord, Obstacle Recordings, PETS Recordings, Polybius Trax, Portals Editions, Project Mooncircle, Ready Made Distribution, Retrograde, Royal Athlete Records, Rudimentary, Small But Hard, Sound & Object, STEP Recordings, Strut, Tru-Thoughts, Unknot, We Make It, Zodiac 44

Wir haben drei teilnehmende Berliner Label gefragt, wieso, weshalb und vor allem warum sie ihre Lager räumen und am 13. August ins Prince Charles in Berlin-Kreuzberg verfrachten. Dort findet der ILM dieses Jahr statt, genau wie die After-Party.

Independent Label Market. Samstag, 13. August, Prince Charles. 12-20 Uhr. Facebook Event

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Mansions & Millions

Wer, wie und warum überhaupt?
Mansions and Millions gibt es seit Ende 2014 und ist ein Versuch, eine ganze bestimmte Szene, die irgendwo zwischen den Städten Berlin, Montreal und Warschau oszilliert, abzubilden.

Bei uns erscheint Musik, die …
… die ich mag und mit deren ProtagonistInnen ich befreundet bin.

Warum seid ihr beim Independent Label Market dabei?
Zum einen, weil ich hoffe, einem neuen Publikum die Musik näher zu bringen. Zum anderen, weil ich mir den Stand mit Morr Music teile.

Welchen Effekt erhofft ihr euch davon?
Gespräche über Brian Eno (Was ist mit ihm los?)

Ist der direkte Kontakt zu Fans und Interessierten wichtig oder wollt ihr eigentlich nur Platten verkaufen und mit Kollegen Bier trinken?
Bier ist immer wichtig, aber wie erwähnt würde ich mich auch freuen, neue Leute oder vielleicht auch neue Fans kennenzulernen.

Braucht die Musikszene noch mehr Events?
Mehr relevante Events. Mehr irrelevante Events? Weiß nicht.

Warum ist der ILM besser als eine traditionelle Plattenbörse?
Wenn ich auch noch mal über die Frage von eben nachdenke: Weil man Bier mit befreundeten Labelmenschen trinken kann. Ich bin eigentlich nicht bei anderen Plattenbörsen aktiv.

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Anton Teichmann macht Mansions & Millions

So klingt Mansions & Millions

Sharing is caring: eure kommenden Veröffentlichungen.
Mansions and Millions Mixtape Vol. 2
Magic Island - Like Water

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Project Mooncircle

Wer, wie und warum überhaupt?
Project Mooncircle ist ein Berliner Label und kreatives Kollektiv, das im „left field“-Bereich der elektronischen Musik beheimatet ist. Ursprünglich im Jahr 2002 gegründet, kennt der vielfältige Back-Katalog keine musikalischen Einschränkungen. Heutzutage konzentrieren sich die Veröffentlichungen des Labels überwiegend auf die Fusion von organischer und elektronischer Musik. Mit einem besonderen Augenmerk auf Artworks und Design, befasst sich das Label damit, originelle Ideen und Visionen umzusetzen.

Bei uns erscheint Musik, die …
... auf anderen Plattformen oftmals keine Chance bekommt. Außerdem freuen wir uns immer, junge oder unbekannte Künstler zu entdecken und ihnen eine Chance zu geben.

Warum seid ihr beim Independent Label Market dabei?
Es ist eine gute Plattform, um seine Zuhörer zu treffen und vielleicht auch neue zu gewinnen.

Welchen Effekt erhofft ihr euch davon?
Eine engere Bindung zu Fans und Zuhörern. Etwas transparenter außerhalb der sozialen Medien zu sein.

Ist der direkte Kontakt zu Fans und Interessierten wichtig oder wollt ihr eigentlich nur Platten verkaufen und mit Kollegen Bier trinken?
Uns geht es überwiegend darum, mit unseren Fans in Kontakt zu kommen und vielleicht auch ein paar neue Fans dazu zu gewinnen. Aber natürlich trinken wir zwischendurch auch mal eine Apfelschorle mit unseren Freunden.

Braucht die Musikszene noch mehr Events?
Spezifisch gern, allgemein auf die Musikszene bezogen nicht.

Warum ist der ILM besser als eine traditionelle Plattenbörse?
Weil die Fans und Zuhörer die Möglichkeit haben, direkt mit ihren Lieblingslabels und Künstlern in Kontakt treten und sich mit ihnen austauschen zu können. Vor allem für die Labels ist es wichtig, sich präsentieren zu dürfen, denn oft geht das Label in der Promotion einer Veröffentlichung oder eines Künstlers unter. Es ist wichtig zu zeigen, wer letztendlich alles macht. Es ist nach wie vor eine Frechheit und respektlos, dass Plattformen wie Spotify immer noch nicht das Label in der Beschreibung listen.

ILM-Gordin Gieseking

Gordon Gieseking ...

ILM-Malte Tarnow

... und Malte Tarnow, die beiden Gründer von Project Mooncircle

So klingt Project Mooncircle

Sharing is caring: eure kommenden Veröffentlichungen.

PMC154: Rain Dog – There Be Monsters (30. September)
(NATURAL MARBLED 2LP, digital)
Die Vinyl haben wir exklusiv einen Monat vor Release bereits beim ILM 2016 dabei.
Vorhören | Mehr Info

PMC155: Barnaby Carter - While It Still Blooms (28. Oktober) (RED/BLUE SPLATTERED 2LP, digital)
Vorhören | Mehr Info

PMC156: Pavel Dovgal - The Aura (25. November)
(GREY MARBLED 2LP, digital)
Vorhören | Mehr Info

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Morr Music

Wer, wie und warum überhaupt?
Morr Music gibt es jetzt seit 1999, kümmerte sich um das damals neu entstehenden Genre zwischen Indie und Electronic und war eng verzahnt mit der zugehörigen Szene. Neben der Musik war immer auch entscheidend, keine lieblos anmutenden Produkte auf den Markt zu werfen: Gestaltung hat bei uns schon immer hohe Priorität.

Bei uns erscheint Musik, die …
... naja, die inzwischen nur noch schwer über bloß einen Kamm zu scheren ist. Geschmäcker verändern sich, Musik verändert sich – und nach ca. 200 Veröffentlichungen ist der Labelkatalog inzwischen wirklich zu divers, um den Satz prägnant ergänzen zu können. Insofern ist der kleinste gemeinsame Nenner inzwischen schon das „Es muss uns eben gefallen“-Ding.

Warum seid ihr beim Independent Label Market dabei?
Wegen der selten gewordenen Möglichkeit, sich auch mal als Label präsentieren zu können – noch dazu einem Publikum, das vielleicht noch keine unserer Platten gehört hat.

Welchen Effekt erhofft ihr euch davon?
Naja, die ehrliche Antwort wäre wohl: ein bisschen Aufmerksamkeit, die man sonst nicht bekäme, oder?

Braucht die Musikszene noch mehr Events?
Nein, denn das Wort Event stimmt doch etwas skeptisch. Wenn wir uns hingegen auf Veranstaltungen einigen können, bei der irgendeine Form eines echten Austauschs zustande kommt, dann ja.

Warum ist der ILM besser als eine traditionelle Plattenbörse?
Er ist vor allem anders. Bei Plattenbörsen geht es ums Diggen und um das Geschäft zwischen Privatleuten, oder? Der ILM ist ja eher eine Art Publikumsmesse, nur ohne die Promo- und Leistungsschau, die bei Messen eben stattfindet. Und Party ist auch.

So klingt Morr Music

ILM2016-Thomas Morr

Thomas Morr, Gründer von Morr Music

Sharing is caring: eure kommenden Veröffentlichungen
Pascal Pinon - Sundur
Sin Fang - Spaceland
ISAN - Glass Bird Movement
Rayon - A Beat Of Silence

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