Vinyl-Fakten 2015Studie beweist: Oldies sind die Goldies

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Ein guter Teil der stetig steigenden Vinyl-Verkäufe ist auf Wiederveröffentlichungen alter Titel zurückzuführen. 2015 jedoch verkaufte sich der Backcatalogue von Pink Floyd, Miles Davis und Co. erstmals besser als neue Releases.

Der Verkauf von Musik-Tonträgern und -Downloads geht in den USA weiter zurück. Das belegen die aktuellen Zahlen für 2015, ermittelt vom Branchen-Analysten „Nielsen Media Research“. Der Report zeigt aber auch, dass sich im vergangenen Jahr ältere Titel erstmals besser verkauften als aktuelle Album. Schuld daran ist maßgeblich die Schallplatte. Und hätte Adele nicht „25“ veröffentlicht, wäre die Diskrepanz zwischen alt und neu noch deutlich größer.

2014 wurden in den USA insgesamt 257 Millionen Alben verkauft. Aktuelle Veröffentlichungen machten 130,5 Millionen Einheiten aus, dicht gefolgt von 126,5 Millionen so genannter „Catalogue Albums“, Titel, die bereits anderthalb Jahre oder länger im Handel sind. Die Zahlen beziehen sich explizit auf Alben, nicht auf Einzeltitel. Auch die Streaming-Zahlen fließen nicht in diese Aufstellung ein. 2015 gingen nur noch 241,3 Millionen Alben über die Ladentheke. Die Labels verkauften 9,2 % weniger neue Musik und 2,9 % weniger „alte“. Dabei kehrte sich erstmals auch das Verhältnis zwischen neuen und alten Titeln um: 118,5 Millionen vs. 122,8 Millionen. Ein Phänomen, das es so noch nie zuvor in der Musikindustrie gab, seit die Daten erfasst und analysiert werden.

Adele ... und dann lange nichts

Unumstrittene Nummer Eins im Musikjahr 2015 war die Britin Adele. Über fünf Millionen CDs hat sie von ihrem Album „25“ in den USA verkauft, dazu kommen 2,3 Millionen Downloads der kompletten Platte und 116.000 LPs auf Vinyl. Wäre dieses Album also erst jetzt – im Januar 2016 – in den Handel gekommen, hätte die neue Musik noch schlechter ausgesehen.

Ein Blick auf die bestverkauften Titel belegt die neue Lust auf alte Musik.

71,2 Millionen alte Alben und 65,8 Millionen neue wurden 2015 in den USA auf Tonträger verkauft, also auf CD und Vinyl. Während in beiden Kategorien der erste Platz Adele und der zweite Taylor Swift gehört, weisen die weiteren Chart-Positionen je nach Medium deutliche Unterschiede auf. Bei der Schallplatte folgt auf Platz 3 Pink Floyds „Dark Side Of The Moon“ (1973) mit 50.000 Einheiten, Platz 4 gehört den Beatles und 49.800 verkauften Platten von „Abbey Road“ (1969), gefolgt von Miles Davis. Von seinem Album „Kind Of Blue“ aus dem Jahr 1959 konnten auch 2015 wieder 49.000 Kopien verkauft werden. discogs.com listet allein für 2015 zwei Wiederveröffentlichungen dieses Album. Es folgen die Arctic Monkeys mit einem Album von 2013. Erst Sufjan Stevens' Album „Carrie & Lowell“ auf Platz 7 der Liste hat auf dem Cover wieder 2015 vermerkt. Die CD-Rangfolge verbucht deutlich mehr aktuelle Titel. Vinyl glänzt also mit genau der musikalischen Patina, die dem Medium sowieso anhängt. Einem Medium, mit dem es trotz sinkender Album-Verkäufe auch 2015 weiter bergauf ging: knapp 12 Millionen Einheiten (2,8 Millionen Platten mehr als noch 2014), immerhin zu knapp 50 % in Indie-Läden verkauft (wie immer Nielsen diese definieren mag).

Die Frage, wie nachhaltig das wiederholte Ausschlachten des Backcatalogues eines Labels ist – ein Phänomen, das selbst von Mitarbeitern großer Firmen kritisch gesehen wird, dürfte damit beantwortet sein, zumindest für die Geschäftsberichte 2015. Ob und, wenn ja, welche Auswirkungen das auf das Medium Schallplatte haben wird, bleibt abzuwarten. Alte Musik ist beliebter denn je. Allein das ist ja schon ein Statement.

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