Leseliste 11. Oktober 2015 - andere Medien, andere ThemenNach dem Vinyl-Hype, Sperrstunde, Afghanistan und Chinas Rich Kids

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Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Relics-LL

Foto: Jim Golden

Nach dem Vinyl-Hype

Es sind eigentlich gute Nachrichten. Vinyl ist out. Wer wirklich analogen Klang ohne Kompromisse will, hat den Plattenspieler längst gegen ein Tonbandgerät getauscht, eines dieser riesigen Reel-2-Reel-Geräte. Die Preise für die oft Jahrzehnte alten „Senkelschleudern“ schießen in die Höhe, der Modifikations- und Restaurationsmarkt boomt und erste Labels veröffentlichen Musik wieder auf Tonband. Eine Goldgrube, denn unter 200 Dollar ist so ein Tape nicht zu bekommen. Dafür bekommt der audiophile Wahnsinnige dann aber auch vermeintlich überlegenen und brillanten Klang. Rene Chun beleuchtet für The Verge die sich schnell entwickelnde Szene und findet sich zwischen Gear-Porno und detailversessenen Ohren wieder. Warum sind das nun gute Nachrichten? Wenn sich dieser Trend durchsetzt, kann man hoffentlich bald wieder schneller Vinyl pressen.

„I could hear the pedal squeak every time John Bonnam hit the bass drum.“

Reel-to-reel tape is the new vinyl

Berlin verschwommen

Foto: Berlin verschwommen via Shutterstock

Warum es in Berlin keine Sperrstunde gibt

Warum gibt es in Großbritannien eine so frühe Sperrstunde? Hat mit den Deutschen zu tun: Verkatert oder angetrunken sinkt die Konzentration, das hat in den britischen Munitionsfabriken des Ersten Weltkriegs zu bösen Unfällen geführt. Deswegen eine so frühe „closing time, one last sip of alcohol“. Seit 1915. Ein Schluck Whisky soll wiederum auch der Grund sein, warum es in Berlin bis heute keine Sperrstunde gibt. Im Osten machte man später dicht, da fürchtete der Westen um seine Kneipen-Umsätze. Bei einem Drink wurde entschieden: Schaffen wir die Sperrstunde testweise ab. Und das ist bis heute so. Eine verblüffende Geschichte. Cheers to you, Heinz Zellermeyer.

“Unrest doesn’t result from people being allowed to drink but when the innkeeper is forced to kick boozers out of their bar because of the curfew,” suggested Zellermeyer convincingly.

How one glass of whisky changed the way Berliners partied forever

Afghanistan heute

Afghanistan ist zuletzt ein wenig von der medialen Bildfläche verschwunden - jetzt, wo es anderswo vermeintlich größere Krisenherde gibt. Wie sieht es aus in dem Land, aus dem die internationalen Truppen sich Stück für Stück zurückziehen? Jan Ronahi zieht ein negatives Fazit: Bürgerrechte mögen theoretisch eingeführt sein, aber die Taliban sind wieder erstarkt, trotz Terror stehen sie als nationale Widerstandskämpfer gegen die neokolonialen Besatzer der NATO da. Eine Bestandsaufnahme mit einer ausführlichen historischen Herleitung, die in eine ungewisse Zukunft blickt.

Nötig wäre eine demokratische Bewegung aus der afghanischen Bevölkerung heraus. Diese ist aber im derzeitigen Ausnahmeszenario, in dem fortschrittliche Kräfte von der Besatzung, den Warlords und dem Taliban-Widerstand zerdrückt werden, nicht möglich.

Die afghanische Tragödie verstehen

LL 11102015 Generation Yuan

Screenshot: Bloomberg

Die Generation Yuan

Fuerdai nennt man Chinas zweite Generation der Rich Kids. Schnöselige Maserati-Fahrer Anfang 20, Golfspieler, Partyschweine. Rauschsüchtig und dekadent – das sind die Attribute, die die chinesische Gesellschaft für diese neue Geldelite übrig hat. Populär sind die Fuerdai nämlich nicht. Viel schlimmer noch, offensichtlich schiebt das ganze Land einen riesigen Hals auf sie. Bloomberg hat in einem interessanten Artikel diese jungen Erwachsenen portratiert. Denn so übel man diesen Menschen ihre Dekadenz ankreiden möchte, so sehr sind sie auch die wirtschaftliche Zukunft des Landes.

The fuerdai (pronounced foo-arr-dye) aren’t just an embarrassment. The Communist Party seems to consider them an economic or even political threat. President Xi Jinping himself spoke out this year, advising the second generation to “think about the source of their wealth and how to behave after becoming affluent.”

Children of the Yuan Percent: Everyone Hates China’s Rich Kids

Wochenend-WalkmanDiesmal mit Seb Wildblood, Jori Hulkkonen und Tom Thaler & Basil

Low - LiesNeues Musikvideo zum Album „Ones And Sixes“