Auf Kante gepresstWarum der Vinyl-Hype die Schallplatte kaputtmacht

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Wir haben ein Problem. Musikindustrie, Medien und Fans feiern seit einiger Zeit einen neuen, aber eigentlich uralten Hype: die Schallplatte. Vor allem Major-Labels setzen wieder verstärkt auf das alte Stammgeschäft und überhäufen internationale Record Store Days, Hipster-Modeketten, Onlinekaufhäuser und Elektromärkte mit Reissues alter Klassiker. „Kann in Zeiten von Streaming und schlechten MP3s doch nicht schlecht sein“, mag der traditionsbewusste Popliebhaber denken. Allerdings birgt dieser Boom zahlreiche Tücken und könnte schwerwiegende Folgen für die Popkultur haben. Denn: Die Vinylproduktion arbeitet weltweit über den eigentlichen Kapazitäten. Vor allem die aufwendige Produktion, wegbrechendes Expertenwissen und antiquierte Technik sorgen immer wieder für Engpässe und Qualitätsprobleme. Für Indie-Labels, vor allem auch im Bereich House und Techno und anderer elektronischen Spielarten, die in den letzten 20 Jahren die Schallplatte nie aufgegeben und somit ihr Überleben in Zeiten von CDs überhaupt ermöglicht haben, bringt der Hype jedoch mehr Nach- als Vorteile. Vielmehr steht ihre Existenz auf dem Spiel. Wieso dem so ist, was die eigentlichen Probleme sind und weshalb der Fortbestand der Schallplatte an sich auf dem Spiel steht, erklärt unser Redakteur, aber auch langjährige Labelbetreiber Thaddeus Herrmann.

Im Sommer 2013 traf sich die Musikindustrie in Röbel an der Müritz. Eingeladen hatte die „Optimal Media GmbH“, eines der größten Presswerke in Europa für CD, DVD und Vinyl. Am Rande der Mecklenburger Seenplatte gelegen, werden hier seit 1990 Tonträger hergestellt. Das Unternehmen ist einer der größten Arbeitgeber in der strukturschwachen Region, mit zahlreichen modernen Produktionsstraßen für digitale Datenträger, einer eigenen Großdruckerei und einem Logistik- und Fulfillment-Zentrum. Ein Unternehmen, das die Medienbranche weltweit bedient, gerade auch in Sachen Vinyl.

2013 also war Sommerfest. Nicht nur, um die guten Geschäftsbeziehungen zu pflegen, sondern vor allem, um neue Pressmaschinen für die Art des Tonträgers einzuweihen, die seit Jahren wieder im Aufschwung ist: die Schallplatte. „Wir dachten wirklich, dass sich die Situation mit den neuen Maschinen entspannen würde," erinnert sich Jens Alder vom Berliner Label Morr Music. „Doch ehrlich gesagt, wurde nach dem Fest alles noch schlimmer.“ Denn auch wenn die Maschinen aufwendig restauriert worden waren, hatte man bei der Planung eines nicht bedacht: Die Gasleitung hatte nicht genug Druck, um die Pressen mit ausreichend Leistung zu versorgen. Es sollte Monate dauern, bis dieses Problem behoben war. Und in der Zwischenzeit verlängerten sich die Wartezeiten für die Produktion von Schallplatten erneut.

Absurde Situation

Der stetig wachsende Vinyl-Bedarf führt zu einer fast schon absurden Situation. Die Wahrnehmung der Schallplatte ändert sich, mal wieder. In den vergangenen Jahren hat sich ihr Image vom belächelten, allseits als unpraktisch und archaisch betrachteten Medium zu einem schützenswerten Kulturgut gedreht. Vinyl ist wieder hip. Und das hat Folgen. Denn die Labels, die immer an die Schallplatte geglaubt und nie aufgehört haben, sie als Medium zu nutzen – das betrifft nicht nur klassische Vinyl-Genres wie Techno und House, deren Protagonisten die Herstellungs-Infrastruktur über Jahrzehnte vor dem endgültigen Aus bewahrt haben – sehen sich plötzlich einer Ellenbogen-Mentalität einer Branche ausgesetzt, die auf Biegen und Brechen versucht, sich Produktionskapazitäten in einer kleinen, hoffnungslos veralteten Industrie zu sichern, die nicht in der Lage ist, den steigenden Bedarf zu bedienen. Die Sollbruchstellen sind praktisch endlos.

Anders als bei der CD, die zum Großteil vollkommen automatisiert mit moderner Technik hergestellt wird, die sich am freien Markt kaufen lässt, ist die Wertschöpfungskette Vinyl kleinteilig, kompliziert und kommt nicht ohne menschliches Handwerk aus. Sowohl im Presswerk als auch bei allen anderen Produktionsschritten.

Dieser Branche ging es in den vergangenen Jahrzehnten wirtschaftlich gut bis hervorragend. Man hatte sich eingerichtet und bediente die Kunden gerne. Wichtige Investitionen wurden jedoch vernachlässigt. Und genau diese Situation ist heute dafür verantwortlich, dass Labels und Musiker bis zu vier Monate einplanen müssen, um eine Schallplatte herzustellen. Was ist da los?

Eine Umfrage bei kleineren Labels, die konsequent Vinyl veröffentlichen und dies auch in den vergangenen Jahren immer getan haben, bestätigt zunächst genau das, was man seit einiger Zeit immer wieder hört. Die Herstellungszeiträume für Schallplatten haben sich dramatisch verlängert. Je nach Presswerk müssen von der Anlieferung der Master-Folien bis zum fertigen Produkt aktuell zwischen drei und vier Monate eingeplant werden. Trotz Drei-Schicht-System und Wochenendarbeit können die Werke die Aufträge nicht zeitnah abarbeiten. Wie kann das sein, wo doch selbst in Genres, in denen Vinyl traditionell beliebt und wichtig ist, die Auflagen von Tonträgern seit Jahren kontinuierlich zurückgehen?

Der Flaschenhals ist die Galvanik

„Das ist genau das Problem,“ erklärt Silke Maurer von „Handle With Care“, einer der größten Herstellungsagenturen für Tonträger. Zusammen mit ihrem Team koordiniert sie aus Berlin für zahlreiche Labels die Tonträgerproduktion, egal ob Vinyl oder CD, schlichtes White Label oder aufwendiges Box-Set. „In den letzten vier Jahren hat sich der Vinyl-Ausstoß bei uns fast verdoppelt. Das klingt zunächst super, man muss sich jedoch genau anschauen, wie diese Zahlen zustande kommen. Im gleichen Zeitraum hat sich nämlich die durchschnittliche Start-Auflage eines Titel praktisch halbiert. Das bedeutet für die Presswerke: mehr Arbeit. Die Maschinen müssen öfter umgerüstet werden. Das ist sehr zeitaufwendig. Das eigentliche Problem ist aber nicht das Pressen: Der Flaschenhals ist die Galvanik.“

Galvanik

Galvanik: Der Herstellungsprozess einer Schallplatte umfasst zahlreiche Schritte. Zunächst wird die Musik auf eine Master-Folie überspielt, die so genannte Lathe. Dabei handelt es sich in der Regel um eine mit Lack beschichtete Aluminiumscheibe. Die Folien werden ins Presswerk geschickt, wo sie mit Silber beschichtet und dann galvanisch verkupfert oder vernickelt werden. Diese Metallschicht bildet ein etwa 0,5 mm dickes Negativ, den „Vater“. Von diesem werden in einem weiteren galvanischen Verfahren mehrere Positive, „Mütter“, abgezogen. Die eigentlichen Pressmatrizen („Söhne“) werden wiederum durch einen galvanischen Prozess aus den Mutterplatten gefertigt. Da sich an diesem Prozess seit der Erfindung von Vinyl praktisch nichts geändert hat, ist dieser historische Film immer noch gültig. (Quelle: Wikipedia).

Die Galvanik ist zeitintensiv und erfordert geschultes Personal. Wer Galvanik gelernt hat, kann noch lange keine Master-Folien für die Vinyl-Pressung vorbereiten. Der lange Weg der Rille durch die chemischen Bäder setzt Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung voraus. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Musik am Ende auch so klingt, wie sie klingen soll. All dies geschieht zudem unter Zeitdruck. Denn ist die Master-Folie fertig, kann sie nicht unbegrenzt gelagert werden. Ein Zeitraum von über zwei Wochen gilt bereits als problematisch. „Die Herstellung von Vinyl ist eigentlich ein sehr lukratives Geschäft, zumindest war das so in den vergangenen Jahren,“ fährt Silke Maurer fort. „Bislang galt: Die Marge ist hoch, die Maschinen sind alt und komplett abbezahlt. Immer vorausgesetzt, dass das Produktions-Volumen ungefähr gleich bleibt. Und das war es. Es hätte eigentlich viel früher investiert werden müssen, auch und gerade in die Galvanik.“

In der Tat bietet sich bei einem Besuch eines Presswerks ein skurriles Bild. Die Maschinen sehen aus, als hätte man sie direkt aus dem Museum geholt und in der Werkhalle installiert, es ist laut, beengt und heiß. Alle 30 Sekunden spucken die Pressmaschinen Schallplatten aus, die entweder automatisch in Hüllen gesteckt oder zunächst auf Spindeln gestapelt und später dann von Hand eingetütet werden.

Drei große Presswerke gibt es zur Zeit noch in Deutschland: Optimal, Pallas und R.A.N.D. Dazu kommen GZ in der Tschechischen Republik, MPO in Frankreich und Record Industries in Holland. Dann wird es in Europa schon deutlich kleinteiliger und unübersichtlich.

Viele unabhängige Werke schlossen in den späten 80ern und frühen 90ern ob schlechter Auftragslage. Und die Majors, die praktisch alle ihre eigenen Presswerke besaßen, drehten den Schlüssel um und verschrotteten mutwillig die Maschinen, um so der CD zum finalen Siegeszug zu verhelfen. So ist Record Industries in Holland das ehemalige Presswerk von CBS, über das Sony einen Großteil seiner europäischen Produktion abwickelte.

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Dritter Archiv-Verkauf

Die Einführung der CD Anfang der 1980er-Jahre war ein selbstgemachtes Wirtschaftswunder. Die Entwicklung des neuen Tonträger-Formats sollte sich schnellstmöglich amortisieren. Ergo wurden die Silberlinge in den Anfangsjahren nicht nur zu vollkommen überzogenen Preisen verkauft. Dank des Zauberworts „Digital“ konnten Plattenfirmen ihren gesamten Backcatalogue ein zweites Mal verkaufen. Mit vermeintlich besserem Klang, ohne Knackser, längerer Laufzeit (Bonus-Tracks!) und praktischem, weil deutlich kleinerem Formfaktor. Goldgräberstimmung bei Sony und Co. Und aktuell wird man das Gefühl nicht los, dass die großen Labels dabei sind, ihr Archiv nun ein drittes Mal zu verkaufen. An gut situierte Käuferinnen und Käufer mittleren Alters, die sich noch an die Schallplatte erinnern können, irgendwann jedoch – natürlich – auf die CD umgeschwenkt sind, die alten Platten verkauft oder weggeschmissen haben und heute mit Streaming nicht so recht glücklich sind.

Ein Blick in die Vinyl-Abteilung eines großen Berliner Medien-Händlers beweist das: Die Regale sind randvoll mit Neupressungen alter Titel, zu einem Großteil von Major-Labels. Der Plattenspieler kann auf Wunsch gleich mitgekauft werden. Gegen Nachpressungen und Neuauflagen alter Titel ist natürlich per se nichts einzuwenden, im Gegenteil – Major-Label hin oder her. Musik sollte in genau den Formaten verfügbar sein, die von den Kunden nachgefragt und gewünscht werden. Doch es gibt Anzeichen dafür, dass die Majors versuchen, sich in Presswerke entweder erneut einzukaufen oder sich zumindest mit großzügigen Vorauszahlungen Kapazitäten zu sichern, um sicherzustellen, dass diese Produktionen immer Vorrang haben. Die Techno-Maxi kann warten. Led Zeppelin nicht. Im Zuge der Recherchen zu diesem Artikel wurden der Redaktion E-Mails zugespielt, die zumindest ein solches Ansinnen der Majors belegen.

Sollte das stimmen – die Presswerke dementieren – würde es faktisch bedeuten, dass die großen Labels versuchen, sich mit Geld in eine Industrie einzukaufen, die von ihnen selbst maßgeblich zerstört wurde. Und dass sie zum wiederholten Male versuchen, den Indies das Wasser abzugraben. Jenen Labels also, die das Vinyl nie aufgegeben haben.

Wenn zum Record Store Day am 18. April die Plattenläden wieder mit speziell für diesen Vinyl-Feiertag hergestellten Tonträgern versorgt werden und sich lange Schlangen bilden, weil jeder ein Exemplar einer limitierten Auflagen ergattern will, dann haben die Presswerke besonders harte Wochen hinter sich. Wer weiß, wie viele Maschinen zwischenzeitlich den Geist aufgegeben haben, vielleicht nur notdürftig repariert wurden. Wie viele Extraschichten in der Konfektionierung gefahren wurden, wie viele MP3-Gutscheine in die Cover gesteckt und wie viele Aufkleber oben rechts auf dem Zellophan angebracht wurden. Durchatmen kann hingegen niemand. Die nächsten Veröffentlichungen sind schon in Warteposition, die Maschinerie läuft weiterhin auf Anschlag. Doch das „System Vinyl“ kann nicht nur in den Presswerken aus den Fugen geraten; anfällig ist es an vielen Stellen, bereits lange bevor eine Platte wirklich gepresst wird.

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Nur zwei Masterfolien-Firmen weltweit

„Das Problem ist die Monopolisierung,“ sagt Andreas Lubich, Mastering-Engineer und Vinyl-Experte aus Berlin. „Es gibt mittlerweile zahlreiche und gute Mastering-Studios, die Musik für Vinyl vorbereiten und auch den Umschnitt selbst erledigen. Aber diese Schneidemaschinen sind alt und müssen mit großer Umsicht behandelt und bedient werden. Ersatzteile sind rar und die Gebrauchtmarktpreise steigen ins Unermessliche. Reparieren können sie nur eine Handvoll von Menschen. Die reisen das ganze Jahr um die Welt, haben gut zu tun. Im Zweifelsfall bedeutet das, dass eine Maschine über mehrere Wochen brach liegt.“ Doch die Schwierigkeiten beginnen schon vorher. „Es gibt aktuell noch zwei Firmen weltweit, die die Master-Folien herstellen. Eine dieser Firmen ist ein Ein-Mann-Unternehmen in Japan, ein alter Herr, der die Folien in seiner Garage produziert. Exzellente Qualität, aber wer weiß, wie lang er das noch machen wird und vor allem will? Wenn man mit ihm in Kontakt ist, versuchen wir immer, so viele Folien wie möglich zu bestellen, auf Vorrat. Man weiß nie so genau, wann man ihn wieder erreicht. Die andere Firma sitzt in den USA, von dort wird ein Großteil des Marktes bedient. Wir haben es also praktisch mit einem Monopol zu tun. Sowas ist nie gut für's Geschäft.“

Für die Schneidemaschinen – die beliebteste und bekannteste übrigens wurde in Deutschland von der Neumann GmbH entwickelt und bis in die frühen 1980er-Jahre hergestellt – benötigt man so genannte „Stichel“. Die prägen die Rille in die Master-Folien, bringen also die Musik auf die Platte. „Diese Stichel werden nur noch von einer Firma überhaupt hergestellt,“ erklärt Andreas Lubich, „von Apollo in den USA, wo auch die Folien gemacht werden.“ Für die Stichelfertigung war dort lange Zeit eine einzige Mitarbeiterin zuständig: Maria und die beherrschte diesen Prozess wirklich gut, so Lubich.

„Maria wusste genau, welchen Kleber man verwenden musste und dass man die großen Bottiche auch unter keinen Umständen aufbrauchen durfte, weil sich mit der Zeit die Konsistenz des Klebstoffs veränderte. Dann ging Maria in Rente und über lange Zeit waren die Stichel qualitativ einfach nicht mehr so gut.“

Ihre Nachfolger mussten sich dieses Spezialwissen erst Schritt für Schritt erarbeiten. Die Folgen müssen Vinyl-Schneider weltweit ausbaden: „Ist ein Stichel nicht gut, hat das direkte Auswirkungen auf den Klang einer Platte“, erklärt Lubich. Auch die Zuliefer-Industrie ist also ein einziges Nadelöhr. Das Vinyl-Granulat, der Grundstoff für die Herstellung von Schallplatten, wird immerhin noch von fünf Unternehmen produziert.

Alles dauert lange, oft zu lange

Wer 2015 Vinyl veröffentlichen will, braucht vor allem zwei Dinge: einen langen Atem und jede Menge Professionalität. Was noch vor wenigen Jahren in der Dance Music gang und gäbe war – Tracks innerhalb kürzester Zeit auf 12“ in Umlauf bringen zu können – ist heute praktisch unmöglich. Alles dauert lange, oft zu lange. Musik ist eigentlich ein schnelllebiges Geschäft. Ist ein Titel erfolgreich, verkauft er sich gut, muss schnell nachgepresst werden, um die Nachfrage zu bedienen. Und genau das ist aktuell eigentlich nicht mehr möglich. „Das hat mehrere Auswirkungen,“ sagt Jens Alder von Morr Music. „Einerseits muss man die Vinyl-Auflage noch besser versuchen einzuschätzen. Das ist ja eigentlich komplett unmöglich. Andererseits bestimmt die Vinyl-Herstellung mittlerweile unseren gesamten Release-Plan. Ein konkretes Veröffentlichungsdatum können wir erst festlegen, wenn wir zumindest Testpressungen vorliegen haben und die vom Künstler abgenommen wurden. Früher lief die Schallplatte eher so mit.“ Professionell wurde in der Vinyl-Industrie schon immer gearbeitet, nur eben auf kleinem, überschaubaren Niveau. So konnten viele Probleme oft auf dem „kleinen Dienstweg“ angegangen und gelöst werden.

Mangelnde Kapazitäten und ein Produktionsstau sind erst ein Problem, seitdem jene Labels das Format wieder für sich entdeckt haben, die jahrelang sehr gut ohne die Schallplatte ausgekommen sind.

Offenkundig wird dies besonders beim anstehenden Record Store Day am 18. April. Es ist toll, dass es an diesem Tag zum Beispiel den alten Pop-Hit „Take On Me“ von a-ha wieder auf Picture-7“ zu kaufen geben wird, dass der Soundtrack zu „Orange Is The New Black“ auf Platte erscheint – eine 7“ von James Last ist auch gelistet. Die Frage darf deshalb auch nicht lauten „Wer braucht das?“, sondern „Wer kauft das?“.

Die Presswerke gehen mittlerweile davon aus, dass sich die Situation in den kommenden Jahren wieder beruhigen wird. Der Vinyl-Boom wird sich legen, der Ausstoß normalisieren. Der Hype um die Re-Issues, der maßgeblich für die aktuelle Situation verantwortlich scheint, hat keinen Long Tail. Wie groß die Kollateralschäden für die Labels und Künstler sein werden, die das Vinyl nicht als Statussymbol und Gelddruckmaschine betrachten, sondern vielmehr als das beste Format für ihre Musik, ist jedoch längst noch nicht abzuschätzen. Ein seidener Faden in der Wertschöpfungskette Vinyl wird reißen. Und wenn dies passiert, nur weil heute die Flohmarkt-Platten für die kommenden Jahre hergestellt werden, dann ist das kein angemessener Abgang für die Schallplatte.

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