Leseliste: 11. Januar 2015 - andere Medien, andere ThemenTalib Kweli, Vinyl, Web x.0 und der Witz

Leseliste Januar 2015

Man kann nicht alle interessanten Texte, die die ganze Woche über publiziert werden, finden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Talib Kweli auf der Suche nach dem Indie-Erfolg

Talib Kweli hat schon manches gutes Album produziert und veröffentlicht - stets kritisch und intelligent - Conscious-Rap eben. Darum geht es allerdings gar nicht in dem von ihm selbst geschrieben Artikel auf medium.com. Es geht ums Drumherum: Kweli entschloss sich irgendwann den Majors den Rücken zu kehren und eigene Vertriebswege zu ergründen. Und genau darum geht es: Streaming, Cut-out-the-middleman durch Direktvertrieb, Aufbau eines eigenen Online-Marketings. Talib Kweli schreibt seine Erfahrungen rund um Eigenvertrieb von Musik auf, mit all seinen Hürden und Schwierigkeiten, die der Kampf gegen die Major-Maschinerie mit sich bringt. Ziemlich spannend. Aufgeben will er nicht.

„ When I was coming up pre-internet, you had to own an album or two to consider yourself a fan of an artist. Now, someone will call themselves my biggest fan because they’ve seen one of my videos on YouTube for free.“

Why I Left The Major Label System

Privatmeinungsinternet

Screenshot: Das Filter

Web ZweiPunktBullshit

Als „Jung & Naiv“-Reporter Tilo Jung diesen Text Anfang Januar via Twitter empfahl, war mir beim Lesen keineswegs bewusst, dass der Artikel von 2011 stammt - er hat nichts an Aktualität eingebüßt. Diplom-Soziologe Stefan Schulz beschreibt darin das Scheitern des Privatmeinungsinternets. Web 2.0, Wordpress, Facebook. Entwicklungen dank denen nun jeder an jedem Diskurs teilnehmen kann. Das sollte die Qualität dieser Diskurse erhöhen. Passiert ist das nicht. Stattdessen kämpfen wir mit Trolls, Facebook zeigt uns nur, was unseren vorgefertigten Meinungen entspricht und lange Essays werden auf Twitter in 140 Zeichen für Müll erklärt. Ein Blick auf die Soziologie des Konflikts.

„Das Internet schaltet beinah alle Mechanismen der Konfliktrepression aus. Weil alles möglich ist, ist vor allem eines immer möglich: Widerspruch. Und es gibt wenig Grund, ihn zu vermeiden.“

Das Internet und die Privatmeinung des Einzelnen

Leseliste - Vinyl

photo credit: renaissancechambara via photopin cc

Quo vadis, Vinyl?

Die Schallplatte boomt. Man hört diese Geschichte seit Jahren immer wieder. Und wenn es auch vor allem Neuauflagen von alten Rock-LPs sind, die dafür verantwortlich sind: Vinyl wird wieder beliebter. Aber wie lässt sich dieses System aufrecht erhalten? Schallplatten herzustellen, ist zwar nicht komplett Handarbeit; die Maschinen aber uralt. Seit den frühen 1980er-Jahren werden sie nicht mehr hergestellt. Presswerke arbeiten 24/7, um das Auftragsvolumen überhaupt ansatzweise abarbeiten zu können. John Harris vom Guardian ist nach Mecklenburg-Vorpommern gefahren und hat sich umgehört. Dort ist eines der größten Presswerke weltweit ansässig. Expansion? Gerne, wenn es nicht so schwierig wäre. Alte Plattenpressen werden mittlerweile weltweit gesucht, die Preise steigen stetig. Und was passiert, wenn sie kaputtgehen? Unsere analoge Liebhaberei hängt an einem seidenen Faden.

„Wir haben auch schon versucht, Pressen in Simbabwe zu kaufen. Leider haben wir nie Antwort erhalten.“

Vinyl's difficult Comeback

jesuischarlie

photo credit: Boring Lovechild via photopin cc

Der Witz lebt

Humor ist nicht totzukriegen. Auch zwei kaltblütige Killer vom Typ Anders Breivik schaffen das nicht, wenn sie mit Maschinenpistolen die Redaktion eines Satiremagazins auslöschen. Den Humor trifft keine Kugel, ausgerechnet der jüdische Witz als profundester, klügster, bester der Welt. Je ernster die Welt, desto wichtiger der Witz. Je weniger es zu lachen gibt, desto lauter möge es erschallen. Und das, darauf weist Titanic-Chefredakteur Tim Wolff in seinem Plädoyer für den Witz hin, sowohl mit als auch ohne unlustige Kernbotschaft. Denn der Witz sucht sich seinen eigenen Weg.

„Religion (und so manch andere Weltanschauung) ist Wahnsinn im Kleide der Rationalität, Satire und Komik Rationalität im Kleide des Wahnsinns. Das eine muß das andere mißverstehen. Deshalb werden Vertreter des heiligen Ernstes der Komik stets mit Zorn begegnen. Und es ist ihr gutes Recht. Solange sie dies mit denselben Waffen wie Satiriker tun: mit Wort und Bild. Und nicht mit Maschinenpistolen."

Es lebe der Witz

Wochenend-WalkmanDiesmal mit Closer Musik, alt-J und Daughter

Liveset-PerleMetro Area beim 10 Days Off (2003)