Wochenend-WalkmanDiesmal mit Deru und der Antilopen Gang

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Zwei Alben, zwei Tipps, zwei Meinungen. In unserer samstäglichen Filter-Kolumne wirft die Redaktion Musik in die Runde, die erwähnenswert ist. Weil sie neu ist, plötzlich wieder relevant, gerade entdeckt oder nie vergessen. Und im Zweifelsfall einfach ein kurzweiliger Zeitvertreib ist.

Deru 1979

Deru -1979

Thaddeus: Mein Album des Jahres 2014. Der Kollege Christian Blumberg machte mich im Sommer auf die Platte aufmerksam, da gab es diese Über-Video zum Über-Song der Platte, „The Future Never Comes“. So true. Seither will ich eigentlich ein Buch über das Album schreiben, habe mich aber nicht einmal getraut, mit einer „normalen“ Review wenigstens zu beginnen. Es gibt diese Platten, da fehlen einem einfach die Worte. Derartige Musik, Musik, die die tiefsten Krater bei einem hinterlässt, trifft und hört man selten. Diese Sammlung von verrauschten Tracks gehört dazu. Was Deru hier tut, das ist alles nicht neu und nicht revolutionär, dafür aber extrem auf den Punkt. Auf meinen Punkt. In einem Anflug von Euphorie begann ich mich durch seinen Backcatalogue zu wühlen: Da gibt es leider nichts zu entdecken, was mir wichtig und erwähnenswert scheint. 1979 war ich sieben Jahre alt. Ich kann mich an nichts aus dieser Zeit erinnern. Das ist wahrscheinlich ein gutes Zeichen. Ohne markante Einschnitte, meistens ja Katastrophen jedweder Art, ist die Vergangenheit angenehm flüchtig. Je älter man wird, desto seltener darf man das erleben. Auf die Zukunft.

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Antilopen Gang Aversion

Antilopen Gang - AVERSION

Benedikt: Deutschrap war 2014 vor allem eines: Gangster und dicke Hose. Auf jedem Album wurden teure Klamotten (Givenchy) und Autos gekauft (vom Schwarzgeld Habibi), zu viele schöne Frauen, Mütter, Konkurrenten gefickt und literweise Dom Pérignon verschüttet. Auf jedem Album? Nein. Denn im November erschienen nicht nur die Alben von Kool Savas und Hafti Abi, sondern auch die LP AVERSION der Antilopen Gang über JKP, das Label der Toten Hosen. Die einstige Anti Alles Aktion bestehend aus Koljah, Panik Panzer, Danger Dan und NMZS wurde 2009 zur Antilopen Gang. Letzterer beging 2013 Selbstmord, seitdem sind sie nur noch zu dritt. Um diese „neue Antilopen Gang“ geht es auch auf AVERSION. Das Album wirkt erwachsener und ausgereifter, aber auch melancholischer, als alles, was zuvor erschien. Lyrisch geschickt, intelligent und ironisch arbeiten sich Koljah, Panik Panzer und Danger Dan an Selbst- und Gesellschaftskritik ab. Frei von Sexismus und Gangstergehabe steht der Inhalt ganz klar über der hundertprozentigen Passgenauigkeit der Lines. Und über den größten Teil des Albums macht diese Aufmüpfigkeit sogar Spaß, die Hooks sind eingängig, auch wenn mancher Beat mehr knallen dürfte. Mit dem Single-Release „Beate Zschäpe hört U2“ und der nachfolgenden Klage seitens Ken Jebsen hat die Antilopen Gang ja auch gleich öffentlichkeitswirksam ins Braune getroffen. Die Antilopen Gang hält den Spiegel der Gesellschaft hoch - und was man darin sieht, tut teilweise weh, regt mindestens zum Nachdenken an. Themen, die in Rapdeutschland viel zu lange gefehlt haben. Ein Abgesang auf Alles gegenwärtig ankotzende. Eines bleibt Gewissheit der drei: Das Volk ist der Feind. #FCKPEGIDA

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Vom Kleinen ins GroßeDie Zahlen des Jahres 2014

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