Wochenend-WalkmanDiesmal mit Closer Musik, alt-J und Daughter

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Drei Alben, drei Tipps, drei Meinungen. In unserer samstäglichen Filter-Kolumne wirft die Redaktion Musik in die Runde, die erwähnenswert ist. Weil sie neu ist, plötzlich wieder relevant, gerade entdeckt oder nie vergessen. Und im Zweifelsfall einfach ein kurzweiliger Zeitvertreib ist.

Daughter - If You Leave

Daughter - If You Leave

Thaddeus: Mehr oder weniger durch Zufall stolperte ich neulich erst über dieses Album: Releases auf 4AD bedeuten mir eigentlich schon lange nichts mehr. Genau aus diesem Grund hatte ich es 2013 wohl auch verpasst. Schiebt es auf meine aktuelle Bassdrum-Allergie, auf meine Aversion gegen Lautheit; irgendetwas hat diese Platte. Eine Platte, die natürlich eigentlich sehr „schwierig“ ist. Weil das tolle Songwriting mit sehr viel Aufwand versucht wird zu kaschieren. Das ist alles (fast schon) fürchterlich ambitioniert. Hier eine extra Runde, dort ein unerwartetes Abbiegen und dass Elena Tonra singen kann, beweist sie ständig, immer wieder und gerne auch ein wenig zu offensichtlich. Finde ich. Was ich aber auch finde ist, dass das Album dennoch bestehen kann. Was wiederum bedeutet, dass das Songwriting als solches so gut sein muss, dass man (ich) bereit ist, diese „Mängel“ zu übersehen und immer tiefer hinabzutauchen. Wie gut einem das gefällt, scheint sehr von der jeweiligen Tagesform abhängig. Mal perlte es bei mir einfach ab, funktionierte gar nicht, mal riss es mich mit. Ich werde das noch eine Weile beobachten.

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alt-J This is all yours Cover

alt-J - This Is All Yours

Benedikt: Im September letzten Jahres kam dieses alt-J-Album raus. Bis Weihnachten habe ich mich nicht weiter damit beschäftigt, doch dann kam diese komische, wohlig-melancholische Jahresendzeitstimmung, für die dieses Album prädestiniert zu sein schien. Ich sollte mich nicht täuschen. Außerdem fing ich an, die Gitarre im täglichen Musikkonsum schmerzlich zu vermissen. Der Nachfolger des 2012er „An Awsome Wave“, mit dem die Band den Mercury Prize absahnen konnte, holt einen im ersten Moment mit leichtfüßigen gecuttteten Vocals ab, eine Flöte schiebt sich darüber, mehr Vocals, Bass, mehr Bass, Percussion, sorgsame Schichtung. Das Intro wirkt wie der Auftakt eines Musicals, nimmt dann doch immer wieder Wendungen und bereitet die zahlreichen, musikalischen Facetten des Albums perfekt vor. „Nara“ lässt selbst ein Halleluja wieder zeitgemäß klingen, „Every Other Freckle“ leitet die raue Seite des Albums ein, die mit „Left Hand Free“ irgendwo zwischen Jack White und den Black Keys ihren vorläufigen Höhepunkt findet. In „Hunger Of The Pine“ sorgt das Miley -Cyrus-Sample „I’m a female rebel“ für das gewisse Etwas, ohne billig zu erscheinen. Zwischendurch werden auch immer wieder die ganz ruhigen Töne angeschlagen - immer gerade so am „Jetzt nervt’s“ vorbei. Zugegeben, das Album wirkt fast zu perfekt in seiner Konzeption, manchmal anbiedernd, manchmal absurd kitschig im Zusammenspiel von Instrumenten und Stimme. Macht aber nichts. Wenn man den ständig bemühten Radiohead-Vergleich mal außen vor lässt: Ein wirklich schönes Album.

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WW Closer Musik After Love

Closer Musik - After Love

Ji-Hun: 2002 ist mittlerweile eine ganz schön lange Weile her. Damals feierte man in Berlin im Rio oder im WMF, ging zum Freizeitglauben im Friedrichshain Minimal-Platten kaufen und das Kölner Label Kompakt war so etwas wie ein Flugzeugträger unter den Labels und Marken hiesiger Clubelektronik. Closer Musik sind Dirk Leyers und Matias Aguayo. Letzteren kennt man heute als Betreiber des Labels Cómeme. Als vor gut 13 Jahren ihr gemeinsames Album „After Love“ erschien, konnte sich so ziemlich jeder darauf einigen. Der zuvor erschienen Hit „Maria“ brachte die Meute in der alten Panoramabar schon regelmäßig zur emotionalen Eruption und überhaupt wird es mal wieder Zeit, sich die Tracks von damals genauer anzuhören. Was als nächstes kommt? „2 After 909“ von Justus Köhncke oder „Alcachofa“ von Ricardo Villalobos vielleicht? Mal abwarten.

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