Wochenend-WalkmanDiesmal mit Autechre, Call Super und Sondre Lerche

WochenendWalkman 20140920

Als wir klein waren, dachten wir: Wer über Musik schreibt, hört den ganzen Tag Musik. Stimmt leider nicht ganz. Vieles fällt unter den Tisch, Hypes werden verpennt oder die Bucketlist mit Platten, die man sich schon immer anhören wollte, wird immer länger. Das soll sich ändern. Unsere Redakteure stellen ihr Walkman-Futter für die arbeitsfreien Tage vor. Da darf gerne auch mal was Seltsames, Altes oder Peinliches dabei sein.

Autechre - Amber

Thaddeus: These: Autechre sind der bessere Aphex Twin. Voll fies, voll falsch, aber ich fühle mich gerade recht wohl mit dieser Vorstellung. Dieses Album hier, das zweite des Duos aus Manchester, entstand, bevor sich die beiden Musiker verpuppten und eins wurden mit ihren Maschinen. Ihnen nicht mehr ihre eigenen Gedanken diktierten, sondern das umsetzten, was die Schaltkreise wollten. „Amber“ ist das Soul-Album von Autechre, voller Futurismus und weicher Tupfer, den größten Melodien, den epischsten Song-Strukturen, den wattiertesten Breakdowns und den schönsten Farben. Geht ja schon auf dem Cover los. Und: So spielerisch einfach klangen Autechre in ihrer hoch komplexen Melodiösität nie wieder. So nah waren wie auch nie wieder an der Verspieltheit eines Aphex Twins dran. Ich jedenfalls liebe dieses Album seit dem Tag seines Erscheinens.

Nachdem ich die Platte gekauft hatte, fuhr ich durch Norditalien mit dem Zug. Die Gegend um Mailand war kurz zuvor von Überschwemmungen heimgesucht wurden, mein Zug war einer der ersten, der sich wieder auf den Weg machte. Entsprechend voll war es. Ich ergatterte einen Klappsitz auf dem Gang, „Amber“ lief auf dem Walkman. Vielleicht ist mir die Platte deshalb so ans Herz gewachsen. Ein hoffnungsvoller Soundtrack für nach der Zerstörung.

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Call Super - Suzi Ecto

Benedikt: Ehrlich gesagt weiß ich wenig bis gar nichts über diesen Künstler namens Call Super alias JR Seaton, der die letzten Jahre als britischer Expat in Berlin verbrachte. Macht aber nichts. Suzi Ecto erschien gerade via Houndstooth, kommt als Techno-Platte daher, passt aber besser ins heimische Wohnzimmer als auf den Dancefloor. Wobei, die Keta-Crowd würde es in jedem Fall ziemlich abfeiern. Ganz sanft nimmt einen die Platte in Empfang. Über mehrere Tracks hinweg wird die Textur dichter, ab und zu pirscht sich ein Sci-Fi-Sound an, doch bevor er wirklich ins Bewusstsein drängt ist er schon wieder weg. Es klackert, es knistert, es rauscht, es zischt, es passiert unglaublich viel - ohne jede Spur von Aufdringlichkeit. Zwischendurch geht es mal mit satten Bässen nach vorne, aber über weite Strecken glänzt Suzi Ecto durch die Abstinenz von Kicks und mündet zum Ende eher in Geräuschkulissen als in wirklichen Tracks. Ein paar Mal hab ich die LP natürlich schon gehört, aber sie wird weitere Male laufen, denn lässt sich immer wieder ein neuer, zuvor noch nicht wahrgenommener Sound entdecken. Call it Super.

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Sondre Lerche - Please

Ji-Hun: In Norwegen ist der Sondre Lerche so was wie ein Superstar. Na ja, zumindest musste ich mich vor ein paar Jahren stark wundern, als ich ihn als Juror bei einer Castingshow im Fernsehen eines Osloer Hotelzimmer sah. Hierzulande ist der Singer-Songwriter nicht so bekannt, dabei hat er bereits 2001 mit „Faces Down“ ein tolles Debüt abgeliefert. „Two Way Monologue“ von 2004 hör ich mir noch immer gerne an. Ein großes Album mit teils wirklich unglaublichem Songwriting. Nun ist ein neues Album erschienen. „Please“ nennt sich der Langspieler und man darf nicht vergessen, dass Lerche kein Teenie-Wunderkind mehr ist, wie zu Beginn seiner Karriere. Wer Juror einer Fernsehshow ist, muss Erfahrung mitbringen. Aber das sollte der Sache nicht schaden. Womit mir auffällt, dass ich die letzten drei Alben von davor auch noch nicht gehört habe. Der Herbst fängt ja auch grad an.

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