Wochenend-WalkmanDiesmal mit Japanese Breakfast, Cuthead und Varg

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Drei Alben, drei Tipps, drei Meinungen. In unserer samstäglichen Filter-Kolumne wirft die Redaktion Musik in die Runde, die erwähnenswert ist. Weil sie neu ist, plötzlich wieder relevant, gerade entdeckt oder nie vergessen. Und im Zweifelsfall einfach ein kurzweiliger Zeitvertreib ist.

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Japanese Breakfast – Psychopomp

Ji-Hun: Es gibt diese eine bestimmte Gattung des schnörkellosen Indie-Pops, die mich immer wieder voll und ganz packt, aber dann doch zu selten veröffentlicht wird. Zuletzt haben das The Radio Dept., Beach House und Real Estate für mich besonders gut hinbekommen. Bestes Songwriting, wundervolle Harmonien und reduzierte Arrangements so zusammen zu bringen, dass am Ende nur ein wundersam-gutes Gefühl übrig bleibt. Jetzt darf ich 2016 auch zu jenen Jahren zählen, die mit so einer Popperle in Erinnerung bleiben werden. Japanese Breakfast heißt das Projekt der koreanisch-amerikanischen Musikerin Michelle Zauner, die in Brooklyn lebt. Ihr Debüt „Psychopomp“ ist nun auch hier auf Label Dead Oceans erschienen und es ist ihr wirklich brillant gelungen. Psychedelische Dreampop-Synthies treffen auf getragenen Achtelschrammel und eine Stimme, die zeitweilig an das elegante 90er-Jahre-Genöle der belgischen Band Bettie Serveert, aber auch Courtney Love erinnert. Da Frau Zauner zudem ihre Liebe fürs koreanischen Essen auf ihren sozialen Kanälen derart offen kundtut, kann man es doch nur sympathisch finden. Sag ich zumindest mal. Ein schönes Wochenende.

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Cuthead-Sample Jesus-WWalkman

Cuthead – Return Of The Sample Jesus

Thaddeus: Dieser Mann wird bei mir für immer ein Stein im Brett haben. Sagt man das so? Egal. Warum das so ist? Wegen „Vibratin'“, dem besten House-Track aller Zeiten, weil er eigentlich Techno ist. Robert Arnold, so heißt Cuthead in echt, ist ein Checker. Und hat wahrscheinlich zwei Studios und eine Monatskarte. Letztere braucht er für die ganze Pendelei zwischen den Studios, in denen er (aktuell zumindest) House und HipHop produziert, immer stilsicher, immer perfekt, immer einfach gehalten, immer nachvollziehbar und um die eine Idee herumgebaut, die ihm im Bus eben so kommt. Die neue EP auf Uncanny Valley, ganz frisch erschienen und bislang nur auf Bandcamp zu haben, bringt beide Stile zusammen, immer abwechselnd. Das ist nicht das erste Mal, dass Cuthead das so macht, „Return Of The Sample Jesus“ glänzt jedoch besonders hell. Wie Jesus eben so strahlt. Dieser Sample Jesus soll übrigens die Welt retten, die musikalische. Da hätte aktuell niemand mehr so recht Interesse, noch Dinge zu wagen. Musikalische. Und so hat sich Cuthead noch tiefer als sonst auf die Suche nach Samples begeben, die den alltäglichen Brei vergessen lassen und für frischen Wind sorgen sollen. Zum Beispiel Folk aus der Mongolei, natürlich komplett zerlegt und zersägt. Den frischen Wind hört man jetzt nicht zwingend, muss man aber auch gar nicht, weil Cuthead immer frisch ist. Und die Mongolei hört man auch nicht, weil sie ja zerlegt und zersägt ist. Beim Opener „Real Estate“ denke ich auch eher darüber nach, wie es wäre, wenn Cuthead mal eine Platte mit Mark Pritchard machen würde. Das wäre ganz geil, glaube ich. Sweet und klassisch, egal ob 120 oder 90 BPM.

Varg Star Alliance - WW

Varg – Star Alliance

Benedikt: Eigentlich ist diese schwer zugängliche Kombination aus Drones, Ambient und ungeraden Subbassgewittern gar nicht mein Fall. Ich bin da eher 4/4. Aber es gibt diese Momente – oder eher: diese Alben –,die die Ausnahme machen. Oft fehlt mir als Genre-Unwissender auch jede Erklärung dafür. Vargs „Star Alliance“ ist eins dieser mir zugänglichen Alben, bei dem ich den Grund dafür aber mindestens zu erahnen glaube. Vielleicht ist es in diesem Fall aber tatsächlich trivial. Varg weiß es, den Hörer abzuholen, zunächst macht die Platte den Anschein eines klassischen Techno-Albums. Es beginnt im Club, auf dem Floor. Aber der Schwede holt einen da schon wieder runter, bevor man richtig warm geworden ist. Statt der Bassdrum erheben sich dunkle Synthie-Flächen, dann donnert, blitzt, knirscht und zischt es nur noch. In seltenen Momenten führt es an die Grenzen des Aushaltbaren, nur um einen anschließend wieder in die angedeutete Skizze eines Four-To-The-Floors zu entlassen. Diese Momente machen neugierig, und ehe man sich versieht, steckt man voll und ganz in Vargs SciFi-Welt – und bleibt dort. Die Platte erschien letztes Jahr in limitierter Auflage auf sechs Kassetten. Jetzt ist die LP als Vinyl-Reissue raus. Und die hat sie auch verdient.

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