Billig ist das neue PremiumReview: BQ Aquaris X5 Cyanogen & Honor 5X

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Es muss nicht immer ein iPhone oder Galaxy sein. Das Angebot wirklich preisgünstiger Smartphones wächst und wächst. Noch vor wenigen Jahren bekam man für wenig Geld im besten Fall einen klapprig-knirschenden Plastikbomber, heute jedoch elegant aussehende und gut verarbeitete Telefone, die technisch auf der Höhe der Zeit sind. Diese beiden, das Aquaris X5 Cyanogen von BQ und das Honor 5X von Huawei sind zwei solche Smartphones. Und weil beide die 5 und das X im Namen tragen, werden sie an dieser Stelle auch gemeinschaftlich vorgestellt.

Was macht heute eigentlich ein Smartphone aus? Sind die nicht alle gleich? Für einen Großteil der Nutzerinnen und Nutzer stimmt das. Denn die Apps, die man tagein, tagaus verwendet (Facebook, WhatsApp,YouTube, Browser – dann kommt lange nichts, danach Dinge wie Snapchat oder MyTaxi und irgendwelche Spiele von anno 2010), beherrschen auch die Geräte, die noch preisgünstiger sind, oder tatsächlich schon 2010 auf den Markt kamen. Na gut, 2013. Worum es geht bei der Suche nach dem Telefon, das am besten zu einem passt, sind andere Dinge. Wie fühlt es sich in der Hand an (klingt nach einem Luxusproblem, ist bei einem Stück Technik, das man ständig in der Hand hat, aber tatsächlich ein Kriterium) und wie groß ist das Display (= passt es in meine Hosentasche oder nicht)? Zuvor muss natürlich die Frage aller Fragen beantwortet werden. Will ich ein iPhone oder ein Samsung Galaxy? Wer sich die jedoch nicht leisten kann, schaut sich anderweitig um. Und dann kommen die Geräte anderer Hersteller ins Spiel, zum Beispiel BQ und Honor. 220 bzw. 230 Euro kosten die Smartphones, ohne Vertrag und Subventionierung. Ganz ehrlich: Mehr muss man für Tinder, Tiny Wings und MSQRD nicht ausgeben. Augen zu und durch. Denn dass solche Preise nur mit einer bis ins letzte Detail optimierten Herstellungskette erreicht werden können, bei der so einiges auf der Strecke bleiben dürfte, worüber man sich als aufgeklärter Mensch viel eher Gedanken machen sollte als über die maximale Download-Geschwindigkeit im Instagram-Feed, ist sowieso klar. BQ selbst hat uns bereits erklärt, wie aufwendig allein die Herstellung des Aluminiumgehäuses ist. Bei Honor dürfte das genauso sein.

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Name:
BQ Aquaris X5 Cyanogen
Herkunft:
Spanien, zusammengebaut in China
Display:
5”, Auflösung: 720p
Gewicht:
148 Gramm
Kamera:
13 MP hinten, 5 MP vorne
Akku:
2.900 mAh Kapazität
Speicher:
2 GB RAM, 16 GB Flash (erweiterbar)
Prozessor:
Snapdragon 412 (vier Kerne, 1,4 GHz)
Steckplätze für SIM-Karten:
2
Fingerabdrucksensor:
nein

Name:
Honor 5X
Herkunft:
China, zusammengebaut in China
Display:
5,5”, Auflösung: 1080p
Gewicht:
158 Gramm
Kamera:
13 MP hinten, 5 MP vorne
Akku:
3.000 mAh Kapazität
Speicher:
2 GB RAM, 16 GB Flash (erweiterbar)
Prozessor:
Snapdragon 616 (acht Kerne, 1,5 GHz)
Steckplätze für SIM-Karten:
2
Fingerabdrucksensor:
ja

Auch wem dieses Kleingedruckte nichts sagt (verständlich), vor allem aber vollkommen egal ist (noch viel verständlicher): Die Parallelen sind offenkundig. Das Honor hat das größere Display mit messbar mehr Pixeln, einen zumindest auf dem Papier schnelleren Prozessor: Das war es dann aber auch. Im Alltag macht das keinen Unterschied. Einziges Alleinstellungsmerkmal ist der Fingerabdrucksensor des Honor. Mit Android laufen beide Telefone auch. Wo liegen denn nun die Unterschiede? Mit der Software kann es ja nichts zu tun haben.

Hat es doch.

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BQ

... kommt aus Spanien und ist eine Firma, die erst seit wenigen Jahren eigene Hardware herstellt. In den Anfangszeiten wurden erst USB-Sticks und später E-Reader aus China importiert und mit dem eigenen Logo versehen. Seit drei Jahren ist man mit eigenen Telefonen am Markt, in einigen Ländern sehr erfolgreich. In Deutschland ist man der newbie und will sich mit einem guten Preis-/Leistungsverhältnis von der Konkurrenz absetzen. Und mit Software. BQ baute das erste Smartphone, das mit Ubuntu, also Linux, als Betriebssystem lief (floppte, keine Überraschung). Und das Aquaris X5 läuft zusätzlich zu Android mit Cyanogen OS.

Honor

... ist eine Tochterfirma von Huawei, dem aktuell drittgrößten Anbieter von Smartphones weltweit. Honor setzt auf Preisbrecher – gute Technik für wenig Geld – und kann bei Entwicklung, Design und Herstellung auf die Infrastruktur des Mutterkonzerns zurückgreifen. Die klug arrangierte Zweitverwertung bereits bestehenden Know Hows. Honor bezeichnet sich selbst als Marke für die „digital natives“: nur ein Aspekt einer vollumfänglichen Marketing-Katastrophe. Käufer sind „Fans“ (Club inklusive), Kommunikation und Ansprache erfolgt praktisch nur online. Honor setzt ebenfalls auf Android als Betriebssystem, jedoch gut versteckt unter der EMUI-Software, die auch auf allen Huawei-Telefonen installiert ist.

Cyanogen OS

Nerds und Auskenner kennen CyanogenMod, eine „Skin“, die sich auf diversen Android-Geräten installieren lässt und nicht nur das Aussehen von Googles Software verändert, sondern die Funktionalitäten erweitert. Aus diesem (experimentellen und Community-basierten) Projekt entstand das Cyanogen OS, eine deutlich stabilere und ausgefeiltere Variante, die von einigen Herstellern als Alleinstellungsmerkmal dient. Optisch sehr ansprechend, nutzt BQ vor allem die erweiterten Sicherheits-Features in der Kommunikation. Der Pin-Code ist komplexer, Dateien und Ordner lassen sich schützen, Zugriffsrechte bestimmter Apps besser kontrollieren. Ein Feature, das Google vergangenes Jahr auch eingeführt hat, jedoch nur in Android 6 anbietet. Das Aquaris X5 läuft noch mit der Vorgänger-Version und kann diesen Schutz dank Cyanogen OS anbieten. Klingt gut, ist aber kompliziert. Die Features sind gut versteckt. Will sagen: zu gut. Auch wenn man im Ergebnis seine Daten vielleicht besser schützen kann, scheitert man an der Navigation durch Menüs und Unterpunkte und gibt irgendwann auf.

EMUI

Geräte von Huawei und Honor sind in der Regel technisch und optisch beeindruckend, bei der Software scheiden sich jedoch die Geister. Was Samsung und LG schon vor Jahren losgetreten haben – quietschbunte Icons und jede Menge zusätzliche Features, beides wird wieder aktuell wieder massiv zurückgefahren, weil es vor allem in Europa nicht sonderlich beliebt ist –, ist bei Huawei und Honor noch voll im Trend. Android verblasst unter der eigenen EMUI-Software, ist jenseits von Gmail und den anderen Google-Diensten kaum noch erkennbar. Stattdessen bietet man Nutzern umfangreiche Möglichkeiten, tief in das System einzugreifen. Das ist noch komplexer als bei BQ und Cyanogen OS, lässt Android und EMUI aber auch immer wieder „aneinandergeraten“, bestimmte Dinge sind schlicht und einfach nicht nachvollziehbar. Das ist schade, vor allem aber ärgerlich und provoziert Frustration der „Fans“. Huawei – also auch Honor – baut hervorragende Hardware, die eigentlich Argument genug sein sollte, sich für eines der Geräte zu entscheiden. Eine Software-Firma ist Huawei nicht.

Hardware und Spezial-Software hin oder her: Das X5 und das 5X haben beide das gleiche Problem – die installierte Android-Version ist nicht aktuell.

Und das ist das Thema, um das es eigentlich geht. Mitte März 2016 ist die neuste Android-Version auf gerade mal drei Prozent aller Geräte installiert. Und während Google vor wenigen Tagen bereits eine erste Vorschau der nächsten, kommenden Version vorgestellt hat, kommen die Hersteller nicht hinterher mit den Updates. Selbst monatliche Sicherheits-Updates werden nicht zeitnah von Samsung und Co. bereitgestellt. Die hauseigene Software stellt allen ein Bein. Womit man sich ursprünglich von allen anderen Mitbewerbern absetzen wollte, bremst die Entwicklung aus. Ausbaden müssen das im Zweifel die Nutzerinnen und Nutzer, die die tatsächliche Bedrohung durch Sicherheitslücken einschätzen müssen, oder auch einfach bestimmte Features nicht nutzen können. Und je preisgünstiger das Smartphone, desto geringer oftmals der Wille oder das Interesse der Hersteller, neue Android-Version für diese Geräte bereitzustellen. Dieser Kritik müssen sich sowohl BQ – abhängig von der Entwicklung von Cyanogen OS – als auch Honor – abhängig vom eigenen Software-Team – stellen.

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Im Alltag ...

... schlägt sich das Aquaris X5 von BQ trotz der mitunter komplexen Software beeindruckend gut. Verzichtet man auf die Sicherheits-Features und nimmt Cyanogen OS eher als Android-Oberfläche wahr, freut man sich über butterweiche Navigation, das schnelle Starten von Apps und einer durchaus interessanten Herangehensweise an Android. Das Design ist pures Understatement, die Verarbeitung vorbildlich und im Gesamtpaket sehr sympathisch. BQ ist in der Android-Welt der klare Underdog, beweist aber, dass man diesem Universum noch einiges hinzuzufügen hat. Ob man damit auch bei den Kunden wird punkten können – ohne großes Marketing-Budget und Unterstützung durch die Mobilfunkanbieter – wird die Zeit zeigen. 220 Euro sind eine Menge Geld, wer jedoch mal etwas Neues ausprobieren will, springt bei diesem Preis nicht in das gleiche kalte Wasser wie bei einem 700-Euro-Galaxy der neusten Generation. Auch wenn das auf aktuellem Android-Stand ist.

... kann man das Honor 5X kaum von einem Huawei-Gerät unterscheiden, die für deutlich mehr Geld verkauft werden. Auch hier gilt: Die komplexe Software kann man zu einem Großteil ignorieren. Wer sich nicht an den bunten Icons stört, bekommt für 230 Euro (der Preis wird in Flash-Sales oft noch unterboten) ein ziemliches Killer-Smartphone mit wenig Kompromissen. Einer davon ist das Glas auf dem Display. Das ist nämlich einfach nur „Glas Glas“, nicht speziell gehärtet, um Kratzern zu trotzen. Deshalb ist auch die Schutzfolie schon aufgeklebt. Könnte sich lohnen. Wie Huawei die Marke Honor in nur kurzer Zeit in den Markt gedrückt hat, ist beeindruckend, egal ob man sich von der Kommunikation nun angesprochen fühlt oder nicht. Von der detailverliebten Verarbeitung wird man schon eher angezogen. Auch hier gilt: 230 Euro sind eine Menge Geld. Das Wasser ist aber noch deutlich wärmer als bei BQ, die Erfahrung von Huawei bringt das extra Quäntchen Vertrauen. Android hin oder her.

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