Auf die MützeFilmkritik: „BlacKkKlansman“ von Spike Lee

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Alle Fotos: © Universal Pictures

Der US-amerikanische Regisseur und Aktivist Spike Lee legt mit „BlacKkKlansman“ ein überraschendes Comeback hin. Alexander Buchholz hat den Film gesehen und konstatiert: Er ist eine erstaunliche Feldstudie weißer Bigotterie im Gewand eines Neo-Blaxploitationmovies.

Wer oder was ist Donald Trump? Lediglich Nixon, nur ein bisschen mehr? Putins Sockenpuppe, der Manchurian Candidate für das 21. Jahrhundert? A poor man’s idea of a rich man? Die Quittung dafür, dass die demokratische Partei zum Frühstück, zum Mittag und zum Abendessen nichts als identity politics serviert? Oder doch nur Waldo’s Dad aus Die kleinen Superstrolche? Behaupte da einer, der 45. und letzte Präsident der Vereinigten Staaten sei kein Mann mit vielen Facetten. Vielleicht ist er aber auch nur, wie Dave Chappelle es ausgedrückt hat: „A bad DJ at a good party“.

Driver

In BlacKkKlansman ist Trump eine kleine Nebenrolle und nur im Epilog des Films zu sehen, was man auch als Statement verstehen kann: Nur eine weitere widerwärtige Witzfigur in einer endlosenTraditionslinie von Witzfiguren mit sinnlosen Autoaufkleber-Slogans wie „Make America Great Again“ und „America First“. Urheber von letzterem ist in Spike Lees Film David Duke (Topher Grace), Grand Wizard des Klu-Klux-Klans und das sich zivilisiert gebende Äußere des rassistischen Amerikas.

Zu Beginn des Films bekommen wir noch jemanden von diesem Schlag zu sehen: Kennebrew Beauregard sein Name, gespielt von Alec Baldwin, der sich seinen hasstriefenden Vortrag zusammenstammelt und währenddessen scheinbar kurz davor steht, von einem Schlaganfall dahingerafft zu werden. „I want the hate to be verbalised“, sagte Spike Lee in der Pressekonferenz nach dem Screening von BlacKkKlansman in Cannes. Mit dieser Methode gelingt Lee eine erstaunliche Feldstudie weißer Bigotterie im Gewand eines Neo-Blaxploitationmovies.

Ein Exorzismus bleicher Spukgespenster

Der Krimiplot von BlacKkKlansman, basierend auf wahren Begebenheiten, folgt Ron Stallworth (John David Washington), der in den 1960er-Jahren – als einer der ersten Schwarzen überhaupt – bei der Polizei von Colorado Springs anheuert. Zunächst kaltgestellt im Polizeiarchiv und schikaniert von rassistischen Kollegen, bekommt er die Chance, sich erste Sporen als verdeckter Ermittler in der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung zu verdienen, wo er auf Patrice (Laura Harrier) trifft. Mit ihr wird er später über Filme wie Shaft, Coffy und Super Fly diskutieren, und darüber, wie schwarze Identität in diesen repräsentiert wird. Als er auf eine Annonce des KKK in der Lokalzeitung stößt, bewirbt er sich kurzerhand um eine Mitgliedschaft. Zusammen mit seinem weißen Kollegen Flip Zimmermann (Adam Driver) kreiert er eine von Hass auf alles Andersartige zerfressene Kunstfigur, die von Ron am Telefon und Flip, einem Juden, vor Ort verkörpert wird. Die Täuschung gelingt den beiden derartig gut, dass „Ron“ im Klan unerwartet Karriere macht.

David Duke

Topher Grace als David Duke

Spikes Lees Film ist ein Versuch, rechtsradikale Diskurse mit humanistischen Erzählungen zu überschreiben; der Versuch eines Exorzismus der bleichen Spukgespenster. Einer der intensivsten Momente ist jene Sequenz, in der David Duke und Konsorten sich an einer Privatvorstellung von D. W. Griffiths Birth of a Nation erfreuen, während XXX (Harry Belafonte) einer Gruppe schwarzer Aktivisten von einem Lynchmord berichtet, der von eben diesem Film inspiriert wurde. Eine solche Gegenüberstellung ist vielleicht nicht besonders subtil, aber ungemein effektiv: ein durch und durch rassistisches Hollywood-Frühwerk kontrastiert mit einer berührenden Opfererzählung. Momente wie dieser geben dem an sich recht gradlinigen Buddy-Cop-Movie das nötige Gewicht. Auch formal macht Lee alles richtig. BlacKkKlansman wurde auf analogem Filmmaterial gedreht und trifft genau den Look der damaligen Zeit.

Spike Lees Werk ist ein durchaus vorsichtig optimistischer Film, der an der Vorstellung festhält, dass gutes Kino gute Taten inspirieren kann. BlacKkKlansman glaubt daran, dass die Polizei Freund und Helfer sein kann und durchaus auch sein will, kein reines Schweinebullensystem ist und es sogar schaffen kann, sich im Alleingang von den bad cops zu befreien. Eine einende Geste in Zeiten, in denen häufig versucht wird, „Black Lives Matter“ gegen „Blue Lives Matter“ auszuspielen.

BlacKkKlansman
USA 2018
Regie: Spike Lee
Drehbuch: Charlie Wachtel, David Rabinowitz, Kevin Willmott, Spike Lee, basierend auf dem Buch von Ron Stallworth
Darsteller: John David Washington, Adam Driver, Laura Harrier, Topher Grace, Jasper Pääkkönen, Paul Walter Hauser, Robert John Burke, Ashlie Atkinson
Kamera: Chayse Irvin
Schnitt: Barry Alexander Brown
Musik: Terence Blanchard
Laufzeit: 135 Min.
ab dem 23.8.2018 im Kino

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