Leseliste 09. April 2017 – andere Medien, andere ThemenZukunft, Apples Neustart, kühler Mut und Facebook Live

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photo credit: Mullica Book Shelves 4 via photopin (license)

Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Heute in der Zukunft

Schaut man Filme oder liest Bücher, die in der Vergangenheit spielen, denkt man oft, wie barbarisch damals doch alles gewesen sein muss. Medizinische Versorgung und Hygiene im 19. Jahrhundert beispielsweise. Heute alles so unvorstellbar. Der Autor Matt Chessen geht für Backchannel der Frage nach, worüber höchstwahrscheinlich unsere Enkel die Nase rümpfen werden, wenn sie über unsere Gegenwart nachdenken. Fleisch aus echten Tieren? Fossile Brennstoffe? Strahlentherapie gegen Krebs, Kinder im eigenen Körper austragen? Oh Mann, echt jetzt?

„Perhaps that will open the door to human meat, as well. Once you remove the ethical lapse of needing to murder someone in order to eat homo sapiens, it’s not hard to imagine mass market cannibalism taking off. We could grow meat from harmless tissue samples taken from live humans. Celebrities might even sell their most famous cuts. Imagine this dinner party conversation:
Host: Here, have a bite of Beyoncé tenderloin or enjoy the BBQ LeBron chops.
Guest: No thanks, I filled up on Brad Pitt’s rump roast at the other table.
And the cycle of disgust will continue as their descendants are similarly repulsed.“

The Future Called: We’re Disgusting and Barbaric

Apple Mac Pro LL 09040217

Foto: Apple

Apple und die Kreativwirtschaft

Es gab eine Zeit, da stand in jedem Studio – egal, ob Video, Foto oder Audio – ein Mac. Großes Teil, laute Lüfter, aber Power ohne Ende. Ein Tower, schwer, ein Stromfresser, aber bestimmte Dinge erfordern eben Kompromisse. Komponenten ließen sich problemlos tauschen: mehr Speicher, neue Grafikkarte, extra Laufwerk – alles kein Thema. So einen Rechner baut Apple nicht mehr. 2013 kam der letzte Mac Pro in den Handel, ein schicker Mülleimer, bei dem gar nichts mehr getauscht werden konnte. Und ein Rechner, der seit 2013 nie überarbeitet wurde, dafür aber immer noch zum gleichen Preis verkauft wird. Eigentlich rechnete man damit, dass sich Apple aus diesem Marktsegment verabschieden würde. Doch weit gefehlt. Ungewohnt offen hat sich die Führungsspitze des Konzerns gegenüber genauestens ausgewählten Journalisten nun geäußert. Und sich entschuldigt. Der Mülleimer, der war ein Fehler, eine Fehlkonstruktion. Dumm gelaufen, aber wir sind dran. Wann genau Apple liefern wird, bleibt unklar. Aber es soll eine Supermaschine werden, die all die Dinge wieder zurückbringt, die Cutter, Fotografen und Musiker mit PlugIn-Sucht in den letzten Jahren so schmerzlich vermisst haben. Gute Nachrichten, auch für die generelle Ausrichtung von Apple und die Bedeutung des Macs. Denn auch wenn das Unternehmen sein geld mit iPhones verdient: Das Mac-Geschäft allein würde Apple bereits zu einer Fortune-100-Firma machen. Matthew Panzarino von Techcrunch saß mit am runden Tisch in Cupertino und hat eine tolle Geschichte darüber geschrieben. Wer es noch nerdiger mag, kann auch das Transkript lesen.

„We designed ourselves into a bit of a thermal corner.“

Apple pushes the reset button on the Mac Pro

Transkript

Mit Gleichmut dafür statt Wut dagegen

Dagegen sein ist heute nicht mehr schwer, Empörungskultur längst Alltag – erst recht in den vermeintlich sozialen Umgebungen unseres digitalen Lebens. Aber wer ständig nur auf Probleme zeigt, einzig ab und zu Mal die Richtung ändernd, arbeitet an keiner einzigen Lösung. Weil zwischen den Emotionen kein Platz fürs Nachdenken bleibt. Gleichmut und Gelassenheit als Tugend? Scheint vergessen und verloren, genau wie Deeskalation und Reflexion. „Mut“ ist das Thema der aktuellen brand eins, Wolf Lotter hat den zentralen Essay dazu verfasst. Ein großartiges Lesestück, ein Plädoyer für die Vernunft.

„In der Welt des Wettbewerbs will man schlauer und besser werden. In der Welt der Konkurrenz will man den anderen vernichten – koste es, was es wolle.“

Kühler Mut

Nanananana

Life is live, trällerten Opus 1985 und hatten dabei von Facebook noch keinen blassen Schimmer. Internetjournalismus-Guru Jeff Jarvis sagte mal, man würde sein Leben verlieren, wenn man Facebook verlassen würde. Klingt auch nicht gerade schimmernd, aber: Dass Facebook den Journalismus beeinflusst, dürfte längst klar sein. Nicht nur durch Filter und Bubbles, sondern jetzt auch durch Live: Das Bild der rasenden Reporterin, die mit ihrem Team zum Ort des Geschehens eilt, schnell die Earclips einsetzt und ab auf Sendung – es vergilbt. Es geht schneller: Wenn irgendwas passiert, wird das Smartphone zum handlichen Ü-Wagen. Doch was heißt das für den Journalismus, für die Ethik, für uns überhaupt? Die Netzpiloten stellen 5 Thesen auf.

„Es ist eindeutig, dass die Liveübertragung per Video in den sozialen Medien uns dazu zwingt, darüber nachzudenken, wie wir über Nachrichten denken – ihre Schnelligkeit, ihre Verbreitung und ihr bestimmender Einfluss, Zeugnis im öffentlichen Leben abzulegen.“

Die Konsequenzen von Facebook Live für den Journalismus

Wochenend-WalkmanDiesmal mit Anthony Parasole, Conrad Schnitzler & Pole und Timber Timbre

Vergessener arabischer UndergroundWie das Label Habibi Funk die Welt durch Musik näher zusammen rücken lässt