Leseliste: 10. April 2016 – andere Medien, andere ThemenDie Pünktlichkeit Berliner Busse, Fotos am Nullpunkt, Reichtum durch Feiern und ein Fischgespräch

Leseliste 10042016

Home and leisure concept via Shutterstock

Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Datenjournalismus: Auf der Suche nach Verspätung

Das Ziel ist jeden Tag das gleiche: Pünktlichkeit. Der Weg dahin ist gesäumt von auf Busspuren parkenden Autofahrern, von Unfällen, den Staus der Rush Hour und technischen Problemen an U-Bahnen. Und von noch viel mehr unvorhersehbaren Ereignissen, die Busse und Bahnen zu spät oder zu früh in die Haltestelle einfahren lassen. Der Tagesspiegel hat den BVG-Mitarbeitern in der Lichtenberger Leitstelle über die Schulter geschaut und über mehrere Wochen hinweg Daten aufgezeichnet, analysiert, interpretiert. Die Leitstelle ist der Kopf des je nach Uhrzeit mehr oder weniger gut funktionierenden Netzes des öffentlichen Berliner Nahverkehrs. Ein unglaublich detaillierter und visuell toll aufbereiteter Einblick hinter die BVG-Kulissen.

Der Weg des Busses ist für den Fahrgast erst einmal egal. Er merkt beim Einsteigen nicht, ob der vorzeitig gewendet hat. Hauptsache, der Takt passt. Für die Frauen und Männer in der Lichtenberger Zentrale geht deshalb im Ernstfall regelmäßig vor pünktlich. »Lieber sieben Minuten zu spät, aber doch noch ankommen, als 40 Minuten wegen einem Stau irgendwo feststecken«, fasst eine der Mitarbeiterinnen das Prinzip zusammen.

Warum kommt der Bus zu spät

Selfiestick

Foto: Selfiestick via Shutterstock

Nichts zu sehen

Die „Nik Collection“, eine hochwertige und bislang nicht ganz billige digitale Bildbearbeitungssoftware, die Google vor einiger Zeit gekauft hat, gibt es jetzt für umme. Google halt, die nehmen ja auch lieber Daten in Zahlung. Also bitte, so viele da draußen wie möglich das Tool nutzen, Fotografieren tut ja heute auch – anders als früher – jeder. Binsenweisheit: Fotografie ist so ubiquitär geworden, täglich milliardenfach ausgeführt, dass sich die Frage, wer das alles angucken soll, gar nicht mehr stellt. Ganz nach Robert Pfallers Konzept der Interpassivität, in der sich Medienkunstwerke in leeren Museen und Galerien selbst betrachten, kann sich dieser visuelle Datenhaufen ebenso schön selbst anglotzen. Fotos sind keine festgehaltenen Erinnerungsmomente mehr, sondern dienen als Navigation entlang der Timeline unseres Lebens. Scheinbar. Denn die Timeline ist in echt ein Punkt, die Vergangenheit wird unterdrückt. Wer mal versucht hat, anhand von Bildern etwas Vergangenes bei Freunden auf Facebook zu finden, weiß was gemeint ist. Das ist nicht vorgesehen.

„As a result, photos are less markers of memories than they are Web-browser bookmarks for our lives. And, just as with bookmarks, after a few months it becomes hard to find photos or even to navigate back to the points worth remembering.“

In the future (eigentlich jetzt schon, d. Red.) we will photograph everything and look at nothing

Money for nothing LL10042016

Money for nothing

Die Welt der Celebrities ist eine Parallelwelt, eine die oft nach ganz eigenen Regeln funktioniert. Muss unsereins für den Clubbesuch anstehen, Eintritt zahlen und auch noch viel Geld für Drinks und Taxi ausgeben, bekommen Stars häufig sogar Geld dafür, für eine Stunde in einen Club zu gehen. In den USA ist in den letzten Jahren ein bizarres Ökosystem entstanden, das jede Katzenberger und Dschungelcamp-Schönheit wie staubige Kirchenmäuse dastehen lässt. Future, Drake und Nicki Minaj sind die Topverdiener zur Zeit. Future soll kürzlich 250.000 Dollar für einen Partybesuch erhalten haben. Aber auch hierzulande völlig Unbekannte wie Scott Disick (hat mal was mit einer der Kardashians gehabt) kassieren zwischen 70.000 und 80.0000 pro Clubbesuch. Und dafür müssen sie nicht einmal auflegen. Carrie Battan hat für GQ einmal ausführlich hinter die Kulissen geguckt. Wie man steinreich mit Nichtstun wird.

„You may not think that hanging out in a nightclub four nights a week qualifies as work, but it does, at least as far as the IRS is concerned. ‘They have to go to the airport, get on a plane, go to the hotel, get ready,‘ says Sujit Kundu of SKAM Artist, a Los Angeles-based company that brokers club appearances for its celebrity clients. ‘Sometimes an hour-long club appearance can take two whole days.‘“

Money For Nothing – The Lucrative World of Club Appearances

Michael Wickert

Foto: Glut und Späne

Fisch(un)kultur

Ja, die Meere sind überfischt. Ja, Billigfisch wird mit Wasser und Chemie vollgepumpt. Wie es vor Ort aussieht, da wo unser Discount-TK-Fischling erzeugt wird, haben wir letztes Jahr beschrieben. Und dafür auch mit Michael Wickert gesprochen. Das hat jetzt auch das Foodmagazin Effilee getan, und das Gespräch ist überaus lesenswert. Warum das Mittelmeer verloren ist, wie man beim Bestellen von Seezunge regelmäßig verarscht wird und wie es doch noch gut ausgehen könnte mit dem Kollegen Fisch als Nahrungslieferant.

„Nehmen wir den schönen Begriff double frozen. Bei Tiefkühl-Zander findet man das oft auf der Packung und es bedeutet einfach, dass er zweimal gefroren war. Einmal wurde er in Kasachstan oder Russland eingefroren, wo er meist herkommt, von dort wird er nach Asien geschickt, da wird er aufgetaut und die Filets werden filetiert und getrimmt, dann wird er noch mal eingefroren und kommt zu uns. Der Fisch ist nach dieser Behandlung natürlich kompletter Schrott, aber hier in Berlin kriegt man ihn dann leider oft als falsch deklarierten Havel-Zander für 10,90 Euro mit Bratkartoffeln vorgesetzt.“

Die Sache mit dem Fisch

Wochenend-WalkmanDiesmal mit Mayer Hawthorne, Said & AchtVier und Thees Uhlmann

Review: iPhone SEDinge Design müssen – Teil 23