Filter Tapes 003„Was für zu Hause“ von John Tejada

Filter Tapes 003

Unsere Reihe Filter Tapes ist Content-Sieb auf Notenpapier. DJ-Mixe mit Long Tail, nicht nur von DJs. Wer tagtäglich Inhalte konsumiert, produziert, entsprechend bewertet und hoffentlich auch verwertet, hat eine extra Portion Summen, Brummen, Euphorie und ein In-die-Hände-Klatschen verdient. Das seid ihr, liebe Leserinnen und Leser. Heute: Das-Filter-Darling Number 1, John Tejada.

Wer John Tejada nicht kennt, hat Techno und House verpennt. Seit 1996 produziert der in L.A. ansässige Musiker und DJ unablässig Hit um Hit. Für sein eigenes Label Palette Recordings, immer wieder für Kompakt aber auch für 7th City, Pokerflat oder deFocus. Ihn dabei auf die gerade Bassdrum zu reduzieren, ist ungefähr so fair wie die Behauptung, gutes Bier gäbe es nur in Bayern. À propos Bayern: Sein aktuelles Projekt heißt Bavaria und ist viel mehr Band als stures Bassdrum-Geschupse am Computer. Was eh auch nicht Johns Sache ist: Herr Tejada liebt den Wumms der Maschinen und hat schon damit über die Jahre einen ganz eigenen Sound geprägt. Für uns hat er einen ganz speziellen Mix angefertigt, der vor allem auf Lieblingslieder fokussiert.

John Tejada - Live

John Tejada, live. Los Angeles, 2013

Das Filter: Lieber John, vielen Dank für dein Filter Tape. Wie läuft's aktuell so in Los Angeles?

John Tejada: Richtig gut. Mit ist die Stadt in den vergangenen Jahren tatsächlich mehr und mehr ans Herz gewachsen. Neue Läden machen auf, bestimmte Gegenden und Viertel erfinden sich neu. Los Angeles fühlt sich so frisch an wie lange nicht mehr. Vielleicht können wir eines Tages sogar von A nach B laufen!

Das Filter: Wir hatten dich ja um einen Mix gebeten, der nicht zu 100% deine Dancefloor-Identität widerspiegelt. Erzähle unseren Leserinnen und Lesern doch etwas über die Track-Auswahl.

John Tejada: Ich wollte endlich mal wieder einen Mix machen, den ich mir ganz persönlich auch zu Hause anhören würde. Mit Stücken, die mich früher tief beeindruckt und inspiriert haben. Das reicht zurück bis in meine Kindheit. Gleich das zweite Stück im Mix, „Loveshop“ von Gerry Goldsmith, ist ein gutes Beispiel. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich in diesem Track damals zum allerersten Mal einen modularen Synthesizer gehört. Dieser ganz spezielle Sound hat mich damals tief beeindruckt. Ich bin schier ausgerastet. Auch weil der Track nicht auf dem ersten Soundtrack mit drauf war, sondern erst später in einer Neuauflage veröffentlicht wurde. Ich bin die Wand hoch! Goldsmith führte dann bei mir im Kopf zu anderen Pionieren der elektronischen Musik. Laurie Spiegel und Ruth White. Das passte gut zusammen. Der Fokus des gesamtes Mixes liegt auf dem Sound. So hangelte ich mich Schritt für Schritt in Richtung Moderne. Mit Songs, die mir nach wie vor wichtig sind.

Tracklisting

  • Drumcell - Dispatch
  • Jerry Goldsmith - Loveshop
  • Charles Cohen - Utep 1
  • Laurie Spiegel - A Folk Study
  • Ruth White - Lovers Wine
  • The Notwist - Lineri
  • Achterban D'Amour - Passagen
  • Daniel Troberg - m3ltfac3
  • Boards Of Canada - Sick Times
  • Aphex Twin - Iz Us
  • The Ruxpins - Such A Distance To Fall
  • The Field - No no... (John Tejada Remix)
  • Brambles - Such Owls As You
John Tejada Live 02

Das Filter: Laurie Spiegel hast du selbst schon erwähnt, Boards Of Canada und Aphex Twin finden sich auch in der Playlist. Auch fast „historische“ Künstler, die vielen jungen Menschen vielleicht gar nicht wirklich geläufig sind. Sind die Tracks, die du in deinem Mix verwendest, deine Lieblings-Songs aus deren Œuvre?

John Tejada: Ganz schwierige Frage. Bei Aphex Twin würde ich sagen: „Iz Us“ ist auf jeden Fall mein Favorit aus seiner eher zeitgenössischen, also aktuellen Phase. Aber ja, es sind schon durchgehend wichtige Tracks für mich. Ich bin zum Beispiel auch großer Fan von The Notwist und „Lineri“ vom neuen Album ist großartig.

Das Filter: Dein aktuelles und neustes Projekt heißt Bavaria, das Album gefällt uns ganz vorzüglich. In deinen eigenen Worten: Was erwartet deine Fans und vor allem auch die, die mit deiner anderen Band, I'm Not A Gun, vertraut sind?

John Tejada: Bavaria ist die Zusammenarbeit mit einer alten Freundin von mir, Kimi Recor. Wir hatten in der Vergangenheit bereits das eine oder andere Mal zusammen produziert, z.B. auf „Strange Creatures“. Das Album ist auf n5MD, einem Label aus Oakland, erschienen. Es war eine sehr schöne Erfahrung, das Album zusammenzustellen und wir haben beide während dieses Prozesses sehr viel gelernt. Ich hoffe sehr, dass es auch bald mit I'm Not A Gun weitergeht. Es ist aber nicht ganz so einfach, weil Takeshi Nishimoto in Berlin lebt und ich hier in den USA. Verrückt, oder? Eigentlich müsste doch ich als DJ in Berlin wohnen und nicht der Gitarrist!

Das Filter: Gibt es aktuell Trends und Strömungen in der elektronischen Musik, die du besonders interessant und beachtenswert findest? Immerhin sind die USA ja die Hochburg des EDM.

John Tejada: Ich hatte eigentlich gedacht und vor allem auch gehofft, dass sich gewisse Wechselwirkungen ergeben würden. Aber ich musste neulich am eigenen Leib feststellen, dass das leider überhaupt nicht der Fall ist. Ich wurde neulich quasi „aus Versehen“ auf so eine Party gebucht. Hat nicht funktioniert, überhaupt nicht. Dieses Publikum hat kein Interesse und keine Neugier an eher deepen Sounds. Ist natürlich scheiße und unfair, das so zu generalisieren, aber es stimmt doch. Daher glaube ich auch nicht, dass andere Spielarten elektronischer Musik von diesem Boom in irgendeiner Art und Weise profitieren werden. Gleichzeitig kann ich aber auch berichten, dass das Interesse an klassischem Techno und House aktuell hier in den USA deutlich größer wird.

Das Filter: Was steht bei dir als nächstes an?

John Tejada: Ich bin derzeit dabei, neue Tracks zu finalisieren, die ich mit Arian Leviste und Justin Maxwell gemacht habe. Da kommt also was. Und es gibt auch ein Stück, das ich schon vor ziemlich langer Zeit mit Dntel gemacht habe und mit dem nie etwas passiert ist. Und irgendwie habe ich auch schon wieder ein neues Album halb fertig.

John Tejada Live 03

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