Wochenend-WalkmanDiesmal mit Deepchord, Submerse und Kid606

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Drei Alben, drei Tipps, drei Meinungen. In unserer samstäglichen Filter-Kolumne wirft die Redaktion Musik in die Runde, die erwähnenswert ist. Weil sie neu ist, plötzlich wieder relevant, gerade entdeckt oder nie vergessen.

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Deepchord – Ultraviolet Music

Thaddeus: Was macht eigentlich der Dub Techno so aktuell? Rod Modell aka Deepchord – US-Produzent mit Legenden-Status – legt eine neue Doppel-CD vor. Das ist kein zwingender Dancefloor, das wird schnell klar, eher ein ambientes Angebot mit viel verrauschten Unklarheiten, endlosem Sich-um-die-eigene-Achse-Drehen zwischen Echo und Geräusch, mit vielen Reminiszenzen an die „gute alte Zeit“. Alles gut gemeint, auf 21 Tracks ausgedehnt dann aber doch ein bisschen reichlich und irgendwie auf zu viel des Guten. Zumal die „gute alte Zeit“ eben auch wenig Raum lässt für Neues. Als endloser Soundtrack für Nachmittage, an denen die Konzentration nicht mal für eine Mütze voll Techno reicht, genau das Richtige. Modell kann den Dub immer noch so gut modellieren wie kaum ein anderer. Aber es wird Zeit für eine Kernsanierung seines Sounds. Das ist alles perfekt gemacht, jeder Klang sitzt, nur kennen wir das eben in- und auswendig. Und rückwärts. Vielleicht wäre das ja ...

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Submerse Slow Waves Cover WW 05122015

Submerse – Slow Waves

Ji-Hun: Kürzlich hörte ich unterwegs die aktuelle EP des britischen Produzenten Submerse mit dem Titel „Stay Home“. Rob Orme, so Submerses bürgerlicher Name, produziert seit vielen Jahren – ganz nach meinem Geschmack – impressionistische Beats im UK-Schnittstellen-Nirwana zwischen HipHop, Garage, Soul, R'n'B und zeitgenössischer Elektronik. Einfühlsame Samples, Sidechain-Kompression bis zum Anschlag, Rauschen, im postiven Sinne verkifft und stets solipsistisch-romantisch. Durchaus in der Tradition von Synkro, Sepalcure, Shigeto oder auch Space Dimension Controller. Ganz schön viele S. „Slow Waves“, das Album von 2014, erschienen auf dem Berliner Label Project Mooncircle, habe ich bis dato nur einmal quasi im Vorbeigehen gehört. Ich wusste, das ist gut, aber habe mich seitdem nicht mehr damit beschäftigt. Auch für solche Denkanstöße können EPs also dienlich sein. Für das großstädtische Übergrau dieser Tage scheint mir das Album ein perfekter Soundtrack zu sein. Fehlen nur noch die Couch und eine Menge Kekse.

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Kid606 Cover Walkman Dezember 2015

Kid606 - Recollected Ambient Works, Vol. 2: Escape to Los Angeles

Benedikt: Das Ambient-Album kommt diesmal nicht wie gewohnt von Kollege Thaddeus Hermann, sondern von mir. Passt auch irgendwie, jetzt, wo die Wochenend-Sonne schon wieder untergeht, kaum das man sie erblickt hat. Dabei war das Album allerdings eher ein Zufallsfund. Kid606 war mir eigentlich nur aufgrund einer starken Electronica-LP namens „Lost In The Game“ (2012) und einer eher belanglosen Platte namens „Happiness“ (2013) in Erinnerung. Durch die Enttäuschung über „Happiness“, habe ich Miguel Trost De Pedro, wie Kid606 bürgerlich heißt, dann aus den Augen verloren. Dementsprechend erstaunt war ich beim Blick auf die Liste der letzten Releases: In diesem Jahr gab es bereits ein Ambient-Album („Recollected Ambient Works, Vol. 1: Bored of Excitement“) und eine darauf folgende EP (Vol. 1,5) als Digital Only. „Recollected Ambient Works, Vol. 2: Escape to Los Angeles“ ist der gestern erschiene Nachfolger, nun wieder auf Albumlänge. Was sofort auffällt: weniger Piano. Eine Platte, die sich warm anschmiegt, aber niemals anbiedert. Stattdessen bäumt sich der Sound auch mal düster auf - Distortion! - oder kommt in völlig zerlegten Flächen daher. Dazu Rotwein am Kaminfeuer. Oder zumindest fast, der Kamin fehlt.

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RestrealitätSo stellen sich Stock-Foto-Agenturen Drogendealer vor

Leseliste 6. Dezember 2015 - andere Medien, andere ThemenVerwaltungskatastrophen, Partysoziologie, Gurkenpoesie und Transgender im Silicon Valley