Wochenend-WalkmanDiesmal mit Slowdive, Fuqugi und Donald Fagen

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Foto: Night Radio via Shutterstock

Als wir klein waren, dachten wir: Wer über Musik schreibt, hört den ganzen Tag Musik. Stimmt leider nicht ganz. Vieles fällt unter den Tisch, Hypes werden verpennt oder die Bucketlist mit Platten, die man sich schon immer anhören wollte, wird immer länger. Das soll sich ändern. Unsere Redakteure stellen ihr Walkman-Futter für die arbeitsfreien Tage vor. Da darf gerne auch mal was Seltsames, Altes oder Peinliches dabei sein.

Slowdive - Just For A Day (1991)

Thaddeus: Gerade wieder frisch verliebt, in das erste Album von Slowdive. Wie mir das mindestens ein Mal pro Jahr passiert. Es ist gut, dass sich die Band wieder zusammengetan hat, noch besser, dass man zumindest bislang noch nichts von eventuellen neuen Songs oder gar einem neuen Album weiß. Es ist schlecht, dass ich keinen Gig der Reunuion-Tour sehen konnte. Auf das Gothic-Treffen in Leipzig diesen Sommer wollte ich dann doch nicht. Für mich ist Slowdive abgeschlossen. Drei Alben insgesamt, von aufgebauschten Gitarrenwänden (hier), über eine etwas unentschiedene Eno-Produktion (Souvlaki) bishin zur definitiven Reduktion und inneren Auflösung (Pygmalion). Immer großartig. Immer anders. Nur hier irgendwie noch ein bisschen grünschnabelig und unreflektierter Haudrauf-Mentalität. Sehr gut. So war halt damals die Zeit in den Schlafstädten rund um London. Als die Platte rauskam, habe ich die Band zwei Mal live gesehen, ein Mal unter etwas skurrilen Bedingungen, im Vorprogramm einer EBM-Band. Das klang damals live auf der Bühne ganz anders. Hatte viel mehr Drive, auch wenn der Sound der Band ja eigentlich unmixbar ist. So klang es auch. Machte aber nichts.

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Fuqugi - Gransofa+Nightingale (2009)

Ji-Hun: 2009 veröffentlichte der japanische Gitarrist Daiki Sakae das Album „Gransofa+Nightingale“, das der Legende nach in der Wildnis Südjapans entstanden sein soll. Der Musiker zog sich einsam mit seiner Gibson-Gitarre zurück, ließ sich von den Gemälden Mark Rothkos inspirieren und heraus kamen 15 Soundstücke, die in der Tat was Bildhaftes, Einnehmendes und tief in sich Ruhendes haben. Erst vor einiger Zeit war ich begeistert vom neuen Album vom Land Observation und irgendwie fiel mir die doch eigentlich im Kopf steckende Referenz Fuqugi nicht ein. Ja nun. Jetzt weiß ich es wieder. Vergleichbar sind vielleicht die Instrumentierung und der stille Grundtenor. Daiki Sakae ist allerdings viel mehr Erik Satie und Claude Debussy, statt eines Roatrips hat es eher diese Zen-hafte, das man schwierig in Worte fassen kann. Ein zurückhaltendes Monument von Album.

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Donald Fagen - The Nightfly (1982)

Jan-Peter: Zurzeit läuft in Berlin die so genannte „Barwoche“. Bartender aus der ganzen Welt sind in der Stadt, weil eine große Fachmesse stattfindet und drumherum eine Vielzahl von Events, die Bars zeigen sich von ihrer besten Seite und kredenzen jetzt besonders ambitionierte Cocktails. Was das mit Musik zu tun hat? Leider läuft in Bars selten gute Musik. Manche nutzen musikalische Dauerschleifen-Dienste, andere lassen schlechte Dance-Playlists durchlaufen, wieder andere setzen auf das Motto „je älter, desto besser”, das klingt dann wie ein beliebig-pseudokundiger Mix aus Comedian Harmonists und Jazz FM. Hätte ich eine Bar, würde dieses Album dort ziemlich oft laufen. Donald Fagens quod erad demonstrandum, dass er es nicht nur mit „Steely Dan“, sondern auch solo kann, und wie. Eine wundervolle Chromatik zieht sich durch das ganze Werk, Auf einzelne Stücke will ich gar nicht eingehen, es geht mir um den perfekten Soundtrack zum Sazerac, einen „wall of sound“ als klangliches Pendant zum gut bestückten Backboard, das sanft beleuchtet ist. Wundervoll auch das Cover: Es ist vier Uhr durch, Donald raucht Chesterfield King und spricht für uns. Es ist vier Uhr durch, wir schauen in unser Old-Fashioned-Glas und hören zu. What A Beautiful World This Would Be.

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