iMaschine 2: Neues Handy-Ministudio von Native InstrumentsIch bin der Musikant mit Smartphone-Rechner in der Hand

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Das iPhone ist nicht nur für Facebook gut.

Vier Jahre ist es nun her, da lag Jamie Lidell mit dem iPhone im Bett und nahm seinen Track „A Little Bit More“ neu auf. Auf der iMaschine, einer kleinen App für das damals ja wirklich noch sehr kleine iPhone. Eine Art Hosentaschen-Companion für NIs Maschine. Gut für Skizzen, Ideen, mit Sound-Bibliothek, Sampling-Funktion, kleinem Sequenzer, dicken, wenn auch virtuellen MPC-Pads und und und. Keine Ahnung, was ich meine? Bitte sehr.

Seit damals wurde zwar die Sound-Bibliothek Schritt für Schritt erweitert, bei der App selbst tat sich jedoch relativ wenig. So wenig, dass man sich fragen konnte, ob Native Instruments das Projekt zu den Akten gelegt hat: been there, done that, es sollte halt nicht sein.

Es sollte eben doch sein. Seit heute steht die iMaschine 2 in den Startlöchern.

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Bevor es um die neuen Features geht, kurz die Basics. Bis zum 1. Dezember kostet die App 4,99 Euro. Ein Einführungspreis, den man sich gut merken sollte. Denn wer die erste iMaschine von 2011 im Einsatz hat, bekommt kein kostenloses Update. Der reguläre Preis der App liegt bei zehn Euro. Auch die als In-App-Kauf zur Verfügung stehenden Sounds müssen neu erworben werden. Auch hier gilt ein – wirklich fairer – Einführungspreis bis zum 1. Dezember: 0,99 Euro für alle. Das ist alles vollkommen in Ordnung, wenn man sich vor Augen hält, dass die iMaschine schon vier Jahre auf dem Buckel hat uns es sich bei der Version 2 um eine faktische Neuentwicklung handelt, komplett koordiniert und betreut übrigens aus Los Angeles, von Native Instruments' US-amerikansiche Dependence residiert.

Geblieben ist der iMaschine 2 der sofortige Spaß. App öffnen, Sounds laden, loslegen. Die selbst auf dem „kleinen“ iPhone großzügig angeordneten MPC-Pads machen das Jammen zu einem echten Vergnügen. Egal ob man in der Native-Instruments-Welt lebt oder nicht. Als Standalone-Tool ist die iMaschine der perfekte Zeitvertreib. Wer aber mit anderen NI-Tools arbeitet und nicht nur auf dem daily commute seine Beats baut, freut sich über gut organisierte Integration in die Welt der „großen“ – oder sollte man sagen „echten“? - Maschine. Projekte, die auf dem iPhone oder iPad gebaut wurden, können problemlos exportiert oder auch direkt in Richtung Soundcloud hochgeladen werden.

À propos iPhone. Ja, die iMaschine steht auch in der neuen Version nur für iOS-Geräte zur Verfügung. Auch wenn Android in Sachen Audio in den letzten zwei Jahren große Fortschritte gemacht: So einfach umsetzbar sei das noch nicht, hieß es bei einem Briefing im Berliner Büro von NI. Ausgeschlossen ist die Portierung hingegen nicht.

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Tracks & Steps, alles smart, alles 3D

Was ist nun neu? Mit der iMaschine 2 lassen sich nicht nur Skizzen erstellen, sondern komplette Tracks arrangieren. Zumindest theoretisch. Ob man das auf dem Telefon wirklich machen will, sei dahingestellt, wer ein iPad hat, ist hier vielleicht schon eher angesprochen. Im neuen Arranger können können Loops und Szenen in Pattern gekippt werden, die sich jetzt frei zu Songs zusammenschalten lassen. Wer bei seiner Beat-Produktion besonders oldschoolig vorgehen will, freut sich über den neuen Step Mode. Und dann sind da die smarten Features. Wer sich an die Lichtorgel der Komplete-Kontrol-Keyboards erinnert, fühlt sich hier sofort zu Hause. Nicht nur ist dieser blinkende Teil des User Interfaces integriert, das hier erstmals integrierte Smart Play Keyboard nimmt einem auch reichlich Arbeit ab, wenn man das denn möchte. Tonart, Akkorde und Arpeggiatoren können auf Wunsch automatisiert, sprich: harmonisiert werden. Und hier kommt wieder das kleine Display des Telefons ins Spiel. C-Dur „drücken“? Nee, lass mal. Aber nur das C und das Dur kommt automatisch dazu? Yo. Und wer kann bei angetrancten Arpeggios schon nein sagen? Eben.

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Noch ein Wort zum kleinen Display des iPhones: Native Instruments integriert in die neue iMaschine 3D Touch, also die Display-Technik der aktuellen iPhone-Generation. Für eine bessere Navigation und das schnellere Erreichen bestimmter Funktionen. Das beginnt schon auf dem Homescreen, wo man durch einen festen Druck auf das App-Icon ein neues Projekt öffnen oder direkt in den Sample- bzw. Aufnahme-Modus springen kann, setzt sich aber in der gesamten App fort. Praktisch, weil intuitiv. Ein fester Druck auf eines der MPC-Pads? Wechseln in den Step-Modus oder das dort geparkte Sample muten (puh, endlich kein „Oh Yeah!“ mehr, danke). 3D Touch lässt sich aber auch bei der „musikalisch“ nutzen: Die Anschlagdynamik wird so ebenso gesteuert wie die rhythmische Quantisierung zwischen 1/4 bis zu 1/32. Das in den Griff zu bekommen, erfordert Übung. Nach knapp zwei Tagen mit der App will es mir noch nicht so recht gelingen, aber was nicht ist ... ihr wisst schon.

Apps auf dem Smartphone – völlig egal für welche Plattform entwickelt – lassen einen regelmäßig innehalten. Wie geht das eigentlich? Wie kann das sein, dass in so einem kleinen Gerät so viel Funktion steckt? Die iMaschine 2 ist so eine App. Musik-Daddel-Apps gibt es mittlerweile zuhauf, viele davon mit klarem Fokus auf einer Idee. Das ist oft brillanter Zeitvertreib und das ist ok. Hier aber, bei der iMaschine, geht das entscheidende Quentchen mehr. Also so ungefähr 3,5 Kilo mehr Quentchen. Gute Beats haben eben Gewicht.

Mehr bei Native Instruments. iMaschine 2 gibt es im App Store und erfordert iOS 8.

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