Eine Glamourwelt voller KleingeisterFilmkritik: „Hail, Caesar!“

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Alle Fotos: Universal Pictures

Jetzt geht’s los! Endlich hat die Berlinale angefangen. Tim Schenkl hat sich für euch den Eröffnungsfilm Hail, Caesar! von den Coen-Brothers angeschaut.

Mit der Hollywood-Satire Barton Fink gewannen die Coen-Brothers 1991 die Goldene Palme in Cannes. Ihr neuestes Werk Hail, Caesar! spielt nun wieder in den goldenen Zeiten Hollywoods, als die amerikanische Traumfabrik neben Bibelverfilmungen mit Vorliebe auf Western und Musicals setzte. Wir schreiben das Jahr 1951. Eddie Mannix (Josh Brolin) ist ein hohes Tier bei Capitol Pictures. Seine Aufgabe innerhalb des Filmstudios erinnert stark an das Jobprofil von Winston Wolf (Harvey Keitel) aus Pulp Fiction: Eddie Mannix löst Probleme. Egal, ob es nun Drehplanänderungen aufgrund von schlechten Wetterbedingungen, personelle Neubesetzungen, ungewollte Schwangerschaften weiblicher Starlets oder Absprachen mit Vertretern unterschiedlicher Konfessionen bezüglich eines neuen Bibelepos sind, Eddie findet immer eine Lösung. Und die kann schon Mal beinhalten, dass er ein paar Ohrfeigen verteilt. Dabei ist es ihm offensichtlich gleichgültig, ob sein Gegenüber männlich oder weiblich ist, denn all seine Handlungen stehen immer nur unter einem Motto: The Show must go on.
Natürlich ist Eddie Mannix auch der Erste, der angerufen wird, als der große Capitol-Star Baird Whitlock (George Clooney) von einer vorwiegend aus Hollywood-Drehbuchautoren bestehenden, kommunistischen Arbeitsgruppe namens „The Future“ entführt wird, die für den Schauspieler ein Lösegeld von 100.000 Dollar verlangt.

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##Großartige Wasserballett- und Musical-Passagen
Die Besetzungsliste von Hail, Caesar! ist durchaus beeindruckend. Neben Brolin und Clooney sind auch Scarlett Johansson, – toll als prollige Aqua-Musical-Darstellerin – Jonah Hill, Tilda Swinton, Channing Tatum, Alden Ehrenreich, Ralph Fiennes und natürlich Frances McDormand mit von der Partie. Wer nun aufgrund des großen Staraufgebots glaubt, Hail, Caesar! zähle eher zu den Coen-Projekten im Stile von Intolerable Cruelty und Ladykillers und somit zu den Filmen, von denen zumindest immer vermutet wurde, die Coens hätten sie vor allem gemacht, um andere, persönlichere Filme zu finanzieren, der irrt. Hail, Caesar! ist ein unglaublich liebevoller Film, der zwischen den Polen leidenschaftliche Hommage und satirische Bestandsaufnahme changiert. Dazu ist der „Held“ der Geschichte, Eddie Mannix, eine weitere tolle Coen-Brothers-Figur: Der durchsetzungsfähige Spießbürger, der, um Buße zu tun, alle 24 Stunden in den Beichtstuhl rennt, was seinem Priester gehörig auf die Nerven geht, wirkt wie ein Gefangener in einer Glamourwelt voller Kleingeister und Exzentriker, die trotz all der Scheinwerfer, Kostüme und aufwändigen Kulissenbauten wahnsinnig flach und dazu äußerst selbstgerecht erscheint.

Darüber hinaus ist Hail, Caesar! eine große Wiedersehensfeier zwischen Joel und Ethan Coen und ihrem Kameramann Roger Deakins, der, nachdem Inside Llewyn Davis von Bruno Delbonell gedreht wurde, ins Team zurückkehrt. Besonders in den großartigen Wasserballett- und Musical-Passagen merkt man Kamera und Regie den Spaß am gemeinsamen Inszenieren geradezu an und wünscht sich fast, der nächste Film des Gespanns würde nur aus solchen Szenen bestehen.

Hail, Caesar!
USA, Großbritannien 2015
Regie: Joel & Ethan Coen
Laufzeit: 106 min

Screenings während der Berlinale:
Fr. 12.2., 11:00 – Friedrichstadtpalast

Am 18.2. startet der Film dann offiziell in den deutschen Kinos.

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