Leseliste: 11. September 2016 – andere Medien, andere ThemenArianna Huffington, Autofrei in Los Angeles, der Präsident allein in der Luft und Handy-Haltung

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Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Über Arianna Huffington

Die in Athen geborene Arianna Huffington ist wohl eine der wichtigsten Personen des digitalen Journalismus. Vor zehn Jahren gründetet sie die nach ihr benannte Huffington Post und galt als ungekrönte Königin der Bloggerszene. Vor einem Monat verließ sie den Posten der Chefredaktion ihres eigenen Mediums, das seit einiger Zeit dem Imperium AOL gehört und widmet sich nun einem neuen Projekt. Die Vanity Fair portraitiert Arianna Huffington in einer ausfürlichen zweiteiligen Reihe: den „Arianna Chronicles“. Hier zeigt sich wie dieser Mensch tickt, arbeitet, was sie so erfolgreich gemacht hat, aber auch, warum sie ihr eigenes Kind die HuffPo verließ.

What Huffington lacked in journalistic experience she compensated for with an almost preternatural capacity for marketing and promotion, coupled with an innate understanding about the possibilities of the Web. Huffington seemed to understand earlier than most that the Internet placed a high value on personal and personality-based writing, and that audiences were looking for content that spoke to their interests and didn’t exactly mind if that content seemed slanted. Huffington also realized that many of the people in her network were searching for a venue for their own musings, which might not all measure up to the same standard of quality, but provided a veritable buzz machine.

The Arianna Chronicles Part 1

The Arianna Chronicles Part 2

Autofreie Zone

Wer wissen will, warum Los Angeles so ein Moloch ist, liest am besten „City Of Quartz“ von Mike Davis, im nicht enden wollenden Stau auf den Highways hat man dafür ja viel Zeit. Am Pazifik endete die final frontier: wenn schon, denn schon. 6,3 Millionen angemeldete Autos, 73 Prozent der Bevölkerung in LA County nutzten 2014 den eigenen Wagen, um zur Arbeit zu fahren, durchschnittlich 81 Stunden standen die Menschen so 2015 im Stau. Aber selbst in Los Angeles, wo es kaum jemand für möglich hielt, dass sich die Bevölkerung vom eigenen Auto jemals distanzieren würde, verändert sich die Landschaft. Die Stadt ist eine Hochburg von Uber und Lyft, den beiden Taxi-Konkurrenten, die mit besonderen Angeboten mittlerweile auch die Car-Pool-Spuren auf den Autobahnen nutzen können. L.A. hat keine Lust mehr auf ein eigenes Auto. Vor allem, weil es sich für viele schon finanziell lohnt, sich bei jeder längeren Fahrt chauffieren zu lassen. Gleichzeitig arbeitet die Stadt an der Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs, Hand in Hand mit Uber. Vielleicht gehört der Stau in Los Angeles ja in einigen Jahren wirklich der Vergangenheit an. „City Of Quartz“ kann man dann immer lesen, als überwundene Dystopie. Im Uber oder in der S-Bahn.

„Having a car in LA is a giant pain in the ass.“

People In Los Angeles Are Getting Rid Of Their Cars

Wo war George W. Bush?

Vor 15 Jahren brachten zwei Passagierflugzeuge die Twin Towers zum Einsturz und der USA den Ausnahmezustand. Der gesamte Luftraum wurde geschlossen, nur eine einzige Maschine drehte über dem Land ihre Runden: Die Boeing 747 des Präsidenten. Was genau an Bord passierte, worüber gesprochen wurde, hat das US-Magazin Politico nun in einer großen Story nachgezeichnet. Als Grundlage dienen Interviews mit den Passagieren, die neben dem Präsidenten selbst an Bord der Maschine waren. Angefangen beim „chief of staff“ des White House bis zum „superintendent of communications“ der Air Force. Die Oral History klingt ein wenig typisch amerikanisch, liest sich aber spannend von der ersten bis zur letzten Zeile.

„Then he said, ‚You have my authorization.‘ Then he listens for a while longer. He closes off the conversation. He turns to us and says that he’s just authorized the shoot-down of hijacked airliners.“

‘We’re the Only Plane in the Sky’

handyhaltung

Handy-Haltung

Sein Mobiltelefon senkrecht ans Ohr halten ist out, eine fast waagerechte Haltung vor dem Mund ist in. Nicht nur in Neukölln. Es liegt daran, dass es gar nicht mehr so sehr ein Mobiltelefon ist – wissen wir –, sondern eine Fernbedienung fürs Leben, in die man zur Not auch mal reinsprechen kann. Dank Mikro direkt am Mund jetzt sogar leiser und ergonomischer. Sprachnachrichten haben uns zudem aus den Klauen des synchronen Telefonierens mit dem fernanwesenden Gegenüber entrissen. Es scheint, als habe sich der Mensch von dem Gerät, das ursprünglich nur dafür vorgesehen war, dass Fabrikchefs von zu Hause sicherstellen konnten, dass in der Fabrik alles nach Plan läuft, endgültig emanzipiert hat.

Das klassische Telefonat war eine völlig künstliche Mediengattung, starr, penetrant und gestrig. Aus der Funktionenarmut und Technologienot geboren, entstanden durch die Limitationen altertümlicher Technik.

Was ist das für eine komische Geste beim Telefonieren?

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