Leseliste 22. Oktober 2017 – andere Medien, andere ThemenAdieu Cuisine française, 25 Jahre Distillery, Insektensterben und Bomben-Buchhaltung

Leseliste 20171022 lead

Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Leseliste 25 Jahre Distillery 20171022

Auch auf der Website der „Tille“ erzählt der Club seine Geschichte – ganz persönlich, aus der Ich-Perspektive.

25 Jahre Distillery in Leipzig

Der älteste Techno-Club der neuen Bundesländer wird 25 Jahre alt. In der taz erzählt Gründungsmitglied Steffen Kache die Geschichte des Clubs nach. Der liebevoll „Tille“ genannte Laden war nicht immer auf dem ehemaligen Bahngelände an der Kurt-Eisner-Straße. Angefangen hat alles 1992 auf einem alten Brauereigelände in der Biedermannstraße in Connewitz. Aber wie das so ist: Sicherheit hier, (keine) Notausgänge da. Mit der neuen Location kam zum Glück auch die Genehmigung. Und obwohl der Club es zwischenzeitlich immer wieder schwer hatte, weil Gäste ausblieben oder Bebauungspläne kein Techno mehr an jener Stelle vorsahen, kann der Club nun ein volles Vierteljahrhundert seiner Existenz feiern. Wie es weitergeht? Kache ist Realist:

„Nebenan werden definitiv Wohnhäuser gebaut und es gibt keinen Puffer. Was sollen wir machen, eine riesige Schallschutzmauer um den Laden hochziehen? Ich befürchte, dass wir irgendwann eine neue Location suchen müssen.“

„Einen geschützten Raum bieten“

Leseliste 20171022 Franzoesische Kueche

Photo by Margo Brodowicz

Adieu Cuisine française

Die gute Küche war lange Zeit keine wirklich eigene, sondern eine Variante der französischen. Das galt nicht nur hier in Deutschland. Die Cuisine française hatte galt weltweit als eine der, wenn nicht gar die edelste Küche. Dazu gehörte nicht nur das, was auf den Teller kam und kommt, sondern auch die Kultur des Drumherum samt Wein und dem Servieren unterschiedlicher Gänge in bestimmter Reihenfolge. Auch heute noch gehören zum abendlichen Essen in der Familie Familie noch Vorspeise, Hauptgang, Käseplatte und Dessert. Aber die Bedeutung der franz. Küche nimmt ab, erst recht außerhalb der Landesgrenzen. Woran das liegt, kann man beim Tagesspiegel lesen. Ein Ausflug in die Welt der Spitzenküche und -köche.

„Die Anfang der 70er Jahre einsetzende „Nouvelle Cuisine“ war es, die den Kanon der Klassiker erstmals bröckeln ließ. Die Meister reduzierten Butter- und Sahnemengen, verwarfen die Mehlschwitze, strichen Garzeiten zusammen, optimierten die Optik und probierten bis dato unmögliche Kombinationen wie Austern mit Curry aus.“

Warum die cuisine française weltweit an Einfluss verliert

insekt

photo credit: chefranden The Only One via photopin (license)

Insektensterben

Douglas Couplands Buch „Generation A“ beginnt mit der Schilderung, wie über den gesamten Globus verstreute Menschen auf einmal von einer Biene gestochen werden. Was sie zu Sensationen macht, denn die Bienen sind eigentlich tot. Das sind sie in Wirklichkeit zwar noch nicht, aber: Die Zeiten der von verendeten Insekten zugekleisterten Windschutzscheiben und Frontlichter von Kraftfahrzeugen sind erst einmal vorbei, weil die Tiere schon vorher verendet sind: Um rund 75% Prozent, so haben Forschungen ergeben, ist die Menge an Insekten in Mitteleuropa zurück gegangen. Doch was ist der Grund dafür? Der Klimawandel ist es nicht (denn höhere Temperatur gleich mehr Insekten), vielmehr ein tödlicher Mix aus Pestiziden für den landwirtschaftlichen und den privaten Gebrauch, Verinselung von Naturrückzugsräumen, Lichtverschmutzung und weiteren insektenfeindlichen Faktoren. Insektensterben ist das neue Waldsterben – Letzteres hat man in den Griff gekriegt, jetzt ist es an der Zeit, sich um das Kleinsttierwohl zu kümmern.

„Wir befinden uns mitten in einem Albtraum, denn Insekten sind zentral für das Funktionieren unserer Ökosysteme.“

Insektenzahl in Deutschland nimmt um 75 Prozent ab

tinian

photo credit: elmada US Landing Craft via photopin (license)

Bomben-Buchhaltung

Der amerikanische Journalist James Payne hatte im Zweiten Weltkrieg, als Soldat, eine besondere Aufgabe: Er führte Bücher, und zwar für das Projekt, das das Ende des Krieges mit zwei schrecklichen Ereignissen besiegeln sollte, dem Abwurf von zwei Atombomben über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki. Die Mission wurde minutiös und akkurat auf Militärbasen in den USA vorbereitet, dann ging es nach Tinian (Marianen, Foto). Von dort aus starteten die Bomber Richtung Japan. Alles verlief mehr oder minder nach Plan. Mission accomplished, Überflüssiges wurde in den Pazifik versenkt, Heimreise. Die nüchterne Schilderung eines bislang und hoffentlich für alle Zeiten einzigartigen Vorgangs, die von Paynes Enkel neu veröffentlicht worden ist.

„I marked the first bomb off my property account. Three days later, Nagasaki was obliterated. I crossed off the second bomb. A third one, which was not needed, was returned to the United States.“

Behind the bomb

Wochenend-WalkmanDiesmal mit Jessie Ware, John Carpenter und Cuthead

Plattenkritik: Zugezogen Maskulin – Alle gegen AlleDanke für den Hass, jetzt geht's mir besser