Wochenend-WalkmanDiesmal mit A Tribe Called Quest, Move D und RX-101

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Drei Alben, drei Tipps, drei Meinungen. In unserer samstäglichen Filter-Kolumne wirft die Redaktion Musik in die Runde, die erwähnenswert ist. Weil sie neu ist, plötzlich wieder relevant, gerade entdeckt oder nie vergessen. Und im Zweifelsfall einfach ein kurzweiliger Zeitvertreib ist.

A Tribe Called Quest We Got It From Here Cover 12112016

A Tribe Called Quest – We Got It From Here … Thank You 4 Your Service

Ji-Hun: Wenn heutige Teenager Musik aus den 90ern hören, dann dürfte das doch eigentlich so sein, wie wenn man als Teenager in den 90ern Musik aus den 70ern gehört hat. Led Zeppelin, The Doors, Pink Floyd – all die Musik der Arrivierten und Angepassten. Modern und frisch war das nicht. Bei HipHop scheint das anders. Wobei heute Leute auch Oldschool zu Rap der Marke Notorious B.I.G und J Dilla sagen, obwohl Oldschool doch für uns damals immer Kool Herc und Afrika Bambaataa gewesen sind. Anyway. Es gibt ein neues Album von den legendären A Tribe Called Quest. Es nennt sich ein bisschen sperrig „We Got It From Here … Thank You 4 Your Service“ und ist das, laut Aussage der Musiker, letzte Album der langen und prägenden Bandgeschichte. Auch weil das Mitglied Phife Dawg im März dieses Jahres verstarb, ist das Album ein letzter, großer, in Szene gesetzter, musikalischer Vorhang, der sich schließt, zumal das letzte gemeinsame Album über anderthalb Dekaden her ist. Ein Abschiedsbrief. Ein großer Dank der Band an die Fans und an HipHop im Generellen. Mit dabei: Kanye West, Kendrick Lamar, Talib Kweli und viele mehr. Mir bleibt nur zu sagen: Ich verbeuge mich vor Q-Tip, Phife Dawg und Ali Shaheed Muhammad. Ohne euch wäre HipHop nie so großartig geworden. Scheint, als würde sich diese Woche nicht nur eine große Ära verabschieden.

Album bei iTunes

Move D presents House Grooves Vol. ! Walkman

Move D presents House Grooves Vol. I

Benedikt: Move D ist wie ein guter Schuh für die Ewigkeit: anno dazumal entdeckt, erstanden, eingelaufen und schließlich lieben gelernt. Macht äußerlich betrachtet zwar schon einen leicht ausgelatschten Eindruck, aber einmal hineingeschlüpft sitzt der immer noch wie angegossen und läuft sich bequemer als je zuvor. War damals schon classy aber hat in seiner Zeitlosigkeit auch nichts davon eingebüßt. Möchte man nie wieder missen, auch wenn das Umfeld längst fragt, ob der nicht langsam durch sei. Move D bleibt auf dieser kurzen Platte nicht allein, zu ihm gesellt sich mit Gerd Janson einer der „besten House-DJs der Welt“, zwei wunderschöne Edits kommen von DJ Chicken und DJ Oyster. Ich habe keinen Schimmer wer das ist, macht aber nichts. Ich drücke einfach „Play“ und fühle mich sauwohl.

Album bei iTunes

RX-101-EP-WWalkman12112016

RX-101 – EP 1

Thaddeus: Platten auf Suction Records sind wie alte Freunde, die nach 25 Jahren plötzlich klingeln und Bio-Gummibärchen dabei haben. Meine erste Begegnung mit dem kanadischen Label liegt fast genauso lang zurück. Jason Amm (aka Solvent) und Gregory de Rocher (aka Lowfish) konnten nicht länger an sich halten und pressten ihre Hybriden aus Synth-Pop, Aphex Twin und analogem Rest-Geblubbere auf Schallplatte und schickten eine rüber nach Berlin. Sie selbst bezeichneten sich als echte Roboter. Alles sehr stylish, musikalisch sehr cool und genau mein Ding, Denn auch ich mochte Synth Pop und Aphex Twin. Der Rest ist Geschichte. Machen immer noch Musik, Jason auch Dokumentationen für Synthesizer („I Dream Of Wires“, haben wir ja alle gesehen, oder? Sehr gut). Nun haben sie wirklich noch jemanden aufgetrieben, der irgendwie damals schon das Gleiche gemacht hat wie sie selbst. Erik Jong. Aus Holland. Tracks, die er in den späten 90er-Jahren gemacht und auf Cassette (obviously) aufgenommen hat. Die erste EP gibt es bereits, die zweite folgt in wenigen Tagen, Anfang Dezember dann alles digital geklammert. Vielleicht ist Erik Jong ja der Aphex Twin. Falls nicht, ist Erik der größte Richard-Fanboy aller Zeiten. Ganz wertfrei natürlich. Mitreißende Cover-Versionen. Diese EP hier, die ist eher harsch und bollerig. Die zweite dann eher sweet. Natürlich braucht diese Art von Musik heute kein Mensch mehr, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen? Of Wires, zum Beispiel? Danke.

Download des Tages: Roland TR-808 für AbletonLegowelts gepimpte 808 für umme

Leseliste 13. November 2016 – andere Medien, andere ThemenFacebooks Schuld an Trump, globale Klasse, Platten kaufen in Nairobi & FC St. Pauli