Wochenend-WalkmanDiesmal mit Magic Island, Bonaparte und Lake People

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Drei Alben, drei Tipps, drei Meinungen. In unserer samstäglichen Filter-Kolumne wirft die Redaktion Musik in die Runde, die erwähnenswert ist. Weil sie neu ist, plötzlich wieder relevant, gerade entdeckt oder nie vergessen. Und im Zweifelsfall einfach ein kurzweiliger Zeitvertreib ist.

Magic Island

Magic Island - Wasted Dawn EP

Christian Blumberg: Der eklektische Dreampop der Kanadierin Magic Island ist Musik in Pastellfarben, zu verspielt um wirklich dramatisch zu wirken, zu ätherisch und verworren, um bloß niedlich zu sein. Bei Soundcloud sind einige ihrer Songs mit dem Hashtag #berlin versehen, was aber mehr über Magic Islands Wahlheimat als über ihre Musik erzählt – schließlich montiert das schon etwas länger zirkulierende Stück „Baby Blue“ dezidiert US-amerikanische Poptraditionen mit einem leicht beschwipsten Zweivierteltakt aus einem einfachen Casio-Keyboard. Dieses Keyboard (das mit der oft mehrfach geschichteten Stimme und diversen Halleffekten eine Art klangliche Troika bildet) hat Magic Island angeblich auf den Straßen Neuköllns gefunden, also dort, wo tausende Twentysomethings ihre Jugend in Altbauwohnungen verträumen. Man könnte sich zu diesem Träumen kaum einen passenderen Soundtracks als „Wasted Dawn“ vorstellen, Magic Islands Debüt-EP, die nun beim ebenfalls noch ganz frischen Berliner Label Mansions &Millions erscheint.

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Bonaparte Bonaparte

Bonaparte - Bonaparte

Benedikt: Der Blick ins LP-Regal, die Suche nach dem Rock’n’Roll: Die nicht, die auch nicht, die? Näääh. Oh Bonaparte! Seitdem ich mich im letzten Jahr eingehender mit der LP beschäftigt habe, ist sie ziemlich eingestaubt. Dabei hat Tobias Jundt, der Diktator des Bonaparte-Kollektivs, nie besser abgeliefert, als auf diesem selbstbetitelten Album: Keine Ausflüge mehr in rein elektronische Klangwelten. Stattdessen gibts roughen Saitenanschlag, der mit Power über Drums und Moog thront. Und nicht zuletzt sind da natürlich die mal scharfzüngig spitzen, mal von romantischer Weltflucht handelnden Lyrics, die ein ziemlich genaues Bild darüber abliefern, was den pinkhaarigen Frontmann mit den Boxerstiefeln so ankotzt. Auf den Punkt. Ich behaupte: Seit letztem Jahr hat sich die Welt nicht zum Besseren gewendet, jede Zeile trifft immer noch ins Schwarze. Alle sind immer noch total selfie, die Politik fuckt ab, #PEGIDA-Scheiße sowieso, weshalb gilt: „There’s a riot in my head / only you are invited!“

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Lake People

Lake People - Purposely Uncertain Field

Thaddeus: Gestern erschien das Debüt-Album von Lake People. Die Tracks von Martin Enke sind für mich so gut wie immer etwas ganz Besonderes. Hier greift jemand nie daneben. So habe ich das Output des Leipzigers in den vergangenen Jahren erst lieben gelernt und dann fast schon Fanboy-like verfolgt. Um die Promo-CD des Albums bin ich die letzten Wochen hingegen sehr vorsichtig herumgeschlichen. Kann das, was auf komprimierter EP-Form so famos funktioniert hat, auf einer LP genauso funzen? Klare Antwort: ja. Es ist Enkes Umgang mit Sound und Struktur, die seine Musik so besonders macht. Weniger die Beats, die sind ziemlich egal, sprich: solide. Aber der Rhythmus ist eh etwas, was im House keine Rolle mehr spielt. Ausdefiniert. Mit Bassdrums bekommt man mich nicht mehr hinter dem Ofen vor. „Purposely Uncertain Field“ ist vielmehr der Beweis, dass es 2015 darauf überhaupt nicht mehr darauf ankommt, edgy durch die Gegend zu rumpeln. Es geht einzig und allein um Selbstvertrauen, die Melodien und Stimmungen, die man im Kopf hat, auch genau so aufzunehmen, sich nicht vor überbordenden Gefühlen zu fürchten. Zulassen ist die neue Zurückhaltung. Ein großes Album, das weiter wachsen wird, je öfter man es hört.

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Welcome To The United States Of AmericaMarion Cotillard in „The Immigrant“

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