Oasis: Amazon schrumpft den KindleDinge Design müssen – Teil 24

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Für die mittlerweile achte Generation seiner E-Reader geht Amazon ziemlich steil.

E-Reader – also Lesegeräte für digitale Bücher – sind merkwürdige Geschöpfe. Während man mit Smartphone und Tablet dank schnellerer Prozessoren und besserer Displays immer mehr machen kann und auch tut, ist der E-Reader der große Feind der Konvergenz. Er erfüllt genau eine Aufgabe: das gedruckte Wort so gedruckt wie möglich im Digitalen darstellen. Dass sie das gut machen, sieht man in jedem Bus und in jeder Bahn im morgendlichen Berufsverkehr. E-Reader sind beliebt. Das ist keine Überraschung: Sie sind preiswert, die Displays sind augenschonend, die Batterielaufzeit ist episch und weil es eben nicht viel technischen Bumms braucht, um Text darzustellen, sind sie auch klein und leicht. Weil ein E-Reader aber auch nur das tut – Text anzeigen – ist es ein Gadget, an das man keine großen Erwartungen hat. Es ist einfach da, tut seinen Dienst und ... Ende. Sich regelmäßig einen neuen zu besorgen, so wie man das bei Telefonen tut, steht bei den wenigstens Digitallesern zur Debatte, zumal E-Reader langlebig sind. Wie also kann man Kunden davon überzeugen, sich ein neues Gerät zu kaufen? Amazon setzt auf Miniaturisierung. Der neue Kindle Oasis ist der kleinste und leichteste Kindle bislang. Und setzt auch auf ein komplett neues Design.

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(Fast) quadratisch, praktisch, gut

Ein Kindle war schon immer leicht genug, um ihn lange in einer Hand halten zu können. Diese einhändige Bedienung nimmt Amazon in den Fokus und hat den Oasis um dieses Prinzip herum konzipiert. Er hat ein keilförmiges Design, das von links nach rechts betrachtet immer dünner wird. Ein Prinzip, das diverse Hersteller schon seit geraumer Zeit zum Beispiel für Laptops nutzen: Apple war hier mit dem MacBook Air der Vorreiter. Im dickeren Teil – im Bild links zu sehen – sitzt die Technik. Der Akku, die LEDs für die Display-Beleuchtung und der ganze Rest. So verschiebt sich auch der Schwerpunkt des Geräts, was dazu führen soll, dass sich der Kindle noch besser halten lässt. Das funktioniert in der linken Hand genauso gut wie in der rechten. Denn der Oasis ist der erste Kindle überhaupt, der mit einem Bewegungssensor ausgerüstet ist, sprich: Die Darstellung auf dem Display kann rotieren. Man nennt das wohl barrierefreien Lesespaß. 130 Gramm wiegt das Ganze – schon leicht geil.

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Aber auch leicht irritierend. Ein so winzig kleines und wirklich lächerlich leichtes Gerät – das ja dennoch ein 6" großes und gestochen scharfes Display hat – in der Hand zu halten, ist anfangs merkwürdig. Hoppla, dass einem das nur nicht aus den Fingern gleitet. Diese Furcht verfliegt schnell, hat man erst den „klobigeren“ Teil des Gehäuses zu seinem Freund gemacht. Nein, es ist nicht notwendig, dass ein E-Reader noch kleiner und leichter wird. Wenn es dann aber doch so kommt, freut man sich drüber. Smartphones werden ja auch immer dünner. Und somit auch anfälliger, verletzlicher sozusagen.

Um dem Gehäuse die benötigte Steifheit zu verpassen, nutzt Amazon eine spezielle Metalllegierung, die blitzeblank galvanisiert die Struktur im Inneren stärkt. Das Display schützt kratzfestes Glas. Aber natürlich hat Amazon auch eine Schutzhülle parat. Die macht das Gerät zwar wieder ein wenig schwerer, hat aber zwei große Vorteile. Erstens muss man sie nicht als Zubehör zukaufen und zweitens ist die Hülle mit einer Extra-Batterie ausgestattet. Denn der kleine Kindle Oasis bietet von Haus aus nicht die Akku-Langlebigkeit, die man von anderen Modellen gewohnt ist. Lediglich rund zwei Wochen soll die halten, bei ungefähr 60 Minuten Nutzung pro Tag. Gemeinsam mit dem Case muss der Oasis erst nach zwei Monaten an die Steckdose. Besser. Außerdem ist die Hülle ist erstaunlich schick; der Kindle richtet sich dank integrierter Magneten automatisch aus und dank des verwendeten Leders glaubt man für einen kurzen Moment, man halte ein altes Buch in der Hand. Digital ist eben doch nicht alles.

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Luxus, Baby!

Das alles hat natürlich seinen Preis und der ist dann doch happig. 290 Euro kostet der neue Kindle Oasis. Wer Bücher auch ohne WiFi-Verbindung laden will, muss sogar 350 Euro zahlen. Ob sich dieser Preis in hohe Verkaufszahlen übersetzen lassen wird, bleibt abzuwarten. Interessant und cool ist der Oasis auf jeden Fall. Aber es ist eben kein dramatischer Quantensprung in der Handhabung. 60 Gramm leichter ist Oasis im Verhältnis zum Voyage, dem bisherigen Flaggschiff von Amazon, aber eben auch 100 Euro teurer. Dass sich das Unternehmen um die Weiterentwicklung der Lesegeräte kümmert, ist löblich. Die meisten Kunden dürften sich aber auch weiterhin für deutlich preisgünstigere Einsteigergeräte entscheiden. Auf denen sieht der Krimi zwar nicht so crisp aus, ist aber genauso spannend.

Der Kindle Oasis lässt sich ab sofort vorbestellen. Die Auslieferung soll in den kommenden Wochen beginnen.

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