Leseliste 07. Februar 2016 – andere Medien, andere ThemenSpotify, Scheiß Deutschpop, Michael-Jackson-Verschwörung und Krisen-Kunst

Leseliste 07. Februar 2016 Lead

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Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Spotify PK 2015 - live

Quo vadis, Spotify?

iTunes gilt mittlerweile als Paradebeispiel dafür, wie man Software nicht entwickeln sollte. Langsam, unübersichtlich, voller Bugs. Der vornehmliche Grund: zu viele Features, die sich auf der Code-Basis gegenseitig blockieren. Ist Spotify auf dem selben Weg? Diese Frage stellt Chris Welch und nimmt die mobile App des Streaming-Anbieters unter die Lupe. Mittlerweile kann man dort nicht mehr nur Musik hören, sondern auch andere Inhalte checken: Das war lange angekündigt und ist nun endlich (?) auf dem Weg. Was hat das für Folgen? Wollen die User wirklich Videos von Spotify präsentiert bekommen? Videos, die ja dezidiert nichts mit Musik zu tun haben? Das Unternehmen hat keine andere Möglichkeit, als dieses neue Feature prominent zu platzieren. Ist das gerne genommener Mehrwert oder Kündigungsgrund? Weil die geliebte Musik immer weiter in den Hintergrund gerät?

„No one asked for this. No one wants this.“

Spotify, please don't turn into iTunes

Deutschpop 2 Leseliste

Scheiß Deutschpop

Das Radio schaltet unsereiner ja schon gar nicht mehr an. Also zumindest nicht einfach so, um ein bisschen Musik zu hören. Denn was dann aus den Lautsprechern plärrt, ist in neunzig Prozent der Fälle unerträglich – und das liegt mitnichten am Frequenzrauschen. Immer öfter wird auch deutschsprachige Popmusik gespielt und da gehören Wanda und Bilderbuch definitiv zu den Besseren. Ist aber auch nicht zu schwer, sich zwischen den Hohlphrasendreschern von Mark Foster bis Nisse, auf langweiligsten House-Beats zu behaupten. Ayke Suethoff hat in letzter Zeit öfter mal das Radio angeschaltet. Und nicht gleich wieder aus:

„Fast so geil wie Gestört aber Geil. Wenn ein schlechter deutscher Stand-Up-Comdian ein DJ Team aus der ostdeutschen Provinz erfinden würde, kämen diese beiden raus: Nico und Marcel aus Sangerhausen.“

Warum ist Deutschpop eigentlich gerade so schlimm?

Michael Jackson Video Game Theory LL 07022016

Michael Jackson und Sonic The Hedgehog

Ben Mallison wuchs in den 90ern wie viele andere unter uns auch mit dem Videospiel Sonic und Michael Jackson auf. Ben war indes versessen in die beiden Ikonen und stellte irgendwann eine interessante Theorie auf. Denn der Soundtrack zu Sonic 3 klang anders, war sogar ziemlich brillant. Könnte es sein, dass der King of Pop himself den Soundtrack zu dem Sega-Spiel komponiert hat? Diese nach Veschwörung riechende Theorie hält sich seitdem noch immer und bekommt mehr und mehr Anhänger. Der umfangreiche Artikel von Todd van Luling „The Michael Jackson Video Game Conspiracy“ geht dem nach und scheinbar steckt sehr viel mehr Wahrheit hinter diesem Gerücht, als man zu Beginn noch vermutet hätte.

„But I fell down the rabbit — or hedgehog — hole. I became convinced that Ben Mallinson had been right. Steven Nipper had been right. James Hansen had been right. The kids were all right. The biggest pop star in the world and the best video game character of all time had joined forces – and kept it secret.“

The Michael Jackson Video Game Conspiracy

borders

Krise, Kunst, Konsum

Ai Weiwei macht den toten Mann am Strand – der Künstler ahmt das Bild des ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi nach, das 2015 um die Welt ging. Ein künstlerisch-politisches Statement, klar. Kunst darf das, aber ist es deswegen trotzdem schon „gut“, hilfreich, diskursfördernd oder doch irgendwie nur dumm? M.I.A. stellt in ihrem Video „Borders“ eine Fluchtsituation in einem Boot nach. Als kleines Mädchen ist sie selbst Flüchtling gewesen, Ai Weiwei saß als Dissident im Knast. Aber: Diese Flüchtlingskrise ist nicht „ihre“ Krise – beide kooptieren sie, beide betreten damit zwangsläufig ein Terrain, auf dem sie sich erhöhter Kritik – Zweck, Mittel, Absicht, Profit („Borders“ lief zuerst bei Apple Music), Narzissmus etc. stellen müssen. Moze Halperin findet beide Aktionen nicht gerade gelungen, hält aber die Stoßrichtung für richtig und besser als die Flucht in Selbstreferenz.

„Critiquing the results of any of these efforts is of course key — and underlining and deconstructing why such efforts may have failed or succeeded, and why they may be offensive or effective — is necessary.“

Ai Weiwei, M.I.A. and the Risks of Co-Opting Crisis: Refugees Through the Eyes of Celebrity

Wochenend-WalkmanDiesmal mit Monolake, Rihanna und Jean Michel Jarre

Mix der Woche: Arandel – Bog Bog, The Electronic Ladyland Mixtape55 Tracks von 35 Frauen in 45 Minuten