Leseliste 31. Januar 2016 – andere Medien, andere ThemenWeg vom Smartphone, Microsoft und die Forschung, migrantisches Essen und HipHop-Soundgeschichte

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photo credit: L1009877 via photopin (license)

Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Technics - SL1200G-lead

Vinyl ist angesagt, deshalb gibt's von Technics bald einen neuen SL-1200.

Generationswechsel: Technik wieder fühlen

Foto- und Videokamera, Kalender, Messenger, Internet, Reader und MP3-Player – achja, und Telefon. Vor 15 Jahren beschrieb diese Liste noch eine Bandbreite von Geräten, mittlerweile findet sich alles im Smartphone, dem zentralen Gegenstand des digitalen Lebens. Doch irgendwas ändert sich, zumindest ein bisschen: Kodak bringt eine neue Super8-Kamera, The Impossible Project verkauft mehr Polaroid-Filme als je zuvor und 2016 warten alle auf den neuen Technics-Plattenspieler. Nix mit App und Handy – wie auch Nilay Patel bei The Verge feststellt. Woran das liegen könnte? Zum Beispiel daran, dass das Neue für die junge Generation bereits alt und langweilig ist (Smartphone) und das Alte wieder neu entdeckt werden will. Gefühle und Erfahrungen bei der Nutzung sind entscheidend.

„Convergence is about convinience, but divergence is about experience and meaning.“

Welcome to the divergence - Sometimes the pendulum swings back

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Bild: Stephen Brashear/Getty Images via Microsoft

Microsoft forscht

Es gibt Microsoft und es gibt Microsoft. Die eine Firma arbeitet an Produkten wie Office, Windows und vermehrt auch an eigener Hardware wie den Surface-Tablets, der Xbox, Smartphones und der VR-Brille HoloLens. Der andere Teil von Microsoft ist die Forschungsabteilung. Hier arbeiten brillante Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Zukunft. Ab und zu schafft es ein Artikel oder ein gut gemachtes Video mal an die Öffentlichkeit; „Microsoft Research“ war jedoch bewusst von den Produkt-Teams entkoppelt. Ohne finanziellen Druck sollte man hier arbeiten können, die Projekte nicht schon in der Planungsphase durch den Druck verwässern, sie zur Marktreife bringen zu müssen. Dieses – ja eigentlich sehr löbliche –Konstrukt wird nun umgeworfen. Forschung und Produkt rücken näher zusammen. Der CEO des Unternehmens, Satya Nadella, hat das so entschieden. Vom so ausgeübten möglichen Erfolgsdruck abgesehen, ist diese Entwicklung gar nicht so schlecht. Facebook und Google haben ihre Forschungsabteilungen auf Teamwork, Kooperation und Produktorientierung begründet, sehr erfolgreich. Dina Bass schaut für Bloomberg hinter die Kulissen von Microsofts Forschungsabteilung und kontextualisiert den Strategiewechsel in einem mit immer härteren Bandagen kämpfenden Silicon Valley. Dass Microsoft sich nach einer langen Zeit, in der das Unternehmen als uncool galt, langsam aber sicher wieder rappelt und mit guten Ideen und klugen Entscheidungen Fahrt aufnimmt, ist auch der Neupositionierung der Forschungsabteilung zu verdanken. Mehr Wertschätzung, besserer Dialog und offenere Ohren auf allen Seiten machen Microsoft fit für die Zukunft.

„Wir müssen offen sein für neue Ideen. Und die kommen von Microsoft Research.“

How Microsoft Plans To Beat Google And Facebook To The Next Tech Breakthrough

deutsche Küche

Foto: deutsche Küche via Shutterstock

Fremdes Essen

Benedict Anderson hat sie „imagined communities“ genannt, Gesellschaften, die durch sinnstiftende Dinge zusammengehalten und von außen betrachtet als homogen wahrgenommen werden. Durch Medien zum Beispiel. Aber auch Essen trägt so zur Vorstellung einer Nation bei. Deutsche Küche: klar. Kartoffelsalat mit Wurst zum Beispiel. Aber ist es so einfach? Natürlich nicht: Maren Möhring hat sich mit ihrem Buch „Fremdes Essen“ die Mühe gemacht, den Einfluss der Einwandererküchen auf die hiesige Esskultur nachzuzeichnen. Die Bockwurst brachten die Hugenotten mit nach Preußen, Friedrich der II. ließ die Kartoffel, die bekanntlich aus Amerika stammt, in seinen Landen kultivieren. Schon im 19. Jahrhundert gab es in den großen Städten eine internationale Restaurantszene. Ab den 1970ern ist das deutsche Essen dann endgültig migrantisch. Der Döner wird in Berlin erfunden, die reichlich belegte „deutsche“ Pizza hat mit dem italienischen Original nur noch wenig zu tun. Man geht zum Jugoslawen, zum Griechen – und die passen ihr Essen an den lokalen Geschmack an. Wer heute noch eine richtig „deutsche“ Mahlzeit will – mit Fleisch, Gemüse und Sättigungsbeilage –, der geht am besten zum Chinesen. Spätestens mit Streetfood und Co. ist das Essen in einem Land, das sich dieser Tage mal wieder fragt, ob es ein Einwanderungsland ist, schon längst in einem erfreulich hybriden, postmigrantischen Zustand.

In München servierten die Città di Firenze oder die Osteria Italiana italienisches Essen und Wein. In Konstanz eröffnete der Spanier Juan Pagés 1908 die Spanische Weinhalle zur Leiter; in Berlin konnte man bereits in den 1870er Jahren ungarisch essen gehen.

Auswärts essen

History of HipHop LL 31012016

US-HipHop-Geschichte in Sounds

Gut, streng genommen ist das hier kein Leselisten-Beitrag, weil kein Artikel im herkömmlichen Sinne. Ein großes (wie man heute sagt) Learning, gibt es hier aber dennoch. Bei Polygraph, die vor einiger Zeit auch schon mit dem Beitrag „Rapper und ihr Wortschatz“ ihr Talent für Datenanalyse in der Popkultur beweisen konnten, gibt es nun die interaktive Infografik „This Is What Hip Hop's Billboard Top 10 Sounded Like, Back In 1995“. Die hat natürlich ihre Runde gemacht. Darf hier als ein Highlight der Woche aber dennoch nicht fehlen. Ein Zeitachsen-Geschichtstrip durch den amerikanischen HipHop der vergangenen 20 Jahren. Mit reichlich Künstlerinfos und Soundbeispielen. Unterhaltsam, auf Wunsch nostalgisch und mit genug Tracks, die man bestimmt noch nie gehört hat.

This Is What Hip Hop's Billboard Top 10 Sounded Like, Back In 1995

Wochenend-WalkmanDiesmal mit Basic Rhythm, Betty Ford Boys und Contriva

Tourbus-Playlist: Die Lieblingsmusik von Ms. John Soda für unterwegsSoundtracks zwischen Nightliner und Soundcheck (plus Videopremiere)