Leseliste 6. November 2016 – andere Medien, andere ThemenUrlaub in Bautzen, kein Superfood, Honig-Kriege und Vincent Klink

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Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Urlaub in Bautzen

Serdar Yüksel ist Politiker bei der SPD und sitzt für seinen Wahlkreis Bochum III - Herne II seit 2010 im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf. Gemeinsam mit dem Spiegel-Korrespondenten Hasnain Kazim reiste er nach Bautzen, um „Urlaub“ zu machen. Bautzen gilt als rechtsextreme Hochburg. Im Februar brannte das Hotel Husarenhof, nachdem bekannt wurde, dass dort Flüchtlinge einziehen würden. Im September kam es zum Tumulten zwischen Rechten und Flüchtlingen auf dem Marktplatz. Auch sonst ist die Stadt durchdrungen von der nationalistischen Szene und war immer wieder in den Schlagzeilen. Was Herr Yüksel so alles erlebt hat, gibt es bei Spiegel Online zu lesen.

„Woher kommt diese Distanz, diese Ignoranz, diese Ablehnung? Ein Bautzener SPD-Parteifreund Yüksels glaubt eine Erklärung zu haben: In der Schule gebe es keine politische Bildung mehr. Die DDR sei so politisiert gewesen, dass die Lehrer heute nichts mehr mit Politik zu tun haben wollten.“

Herr Yüksel macht Urlaub in Bautzen

Superfood Leseliste

Gentrification of Food

Shia-Samen ins Müsli, Quinoa über den Salat, Avocado auf die Vollkornstulle, als Creme oder noch besser: in dicken Streifen. Sogenanntes Superfood ist überall. Aus den Cafés und Restaurants westlicher Großstädte haben die als besonders gesund geltenden Körner, Samen und Früchte aus aller Welt längst den Weg in die Discounter gefunden. Gibt’s jetzt auch alles ganzjährig und dauerbillig. Ist das nicht toll? Nein. Denn was die Instagram-Feeds der Westweltkinds unter dem Hashtag #HealthyLife flutet, sorgt in den Ursprungsregionen jener Nahrungsmittel für ziemliche Probleme. Der Preis von Quinoa hat sich innerhalb einer Dekade nahezu verzehnfacht, und dort wo die Körner einst Grundnahrungsmittel waren, kann sich die Bevölkerung den Konsum nicht mehr leisten. Das ist nicht toll, das ist scheiße. Zeit mal über den Tellerrand des Foodtrends zu blicken und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn tatsächlich ist die besonders hohe Nahrhaftigkeit dieses angeblichen Superfoods nicht als Marketinggewäsch – an ebenso gesunden Alternativen aus unseren Breitengraden mangelt es nämlich gar nicht. Und weil dieses Pseudo-Supidupiessen gerade überall ist und insbesondere von Vegetarieren und Veganern – also Essern im Sinne der Nachhaltigkeit – gehyped wird, gibt’s auch gleich zwei Artikel dazu.

„It’s arguably a very modern form of colonialism.“

How Hipster Food Trends Are Literally Ruining the World

Das Märchen von der guten Avocado

Bienen LL 06112016

Foto: PragmaticFix B_1607_Varroa03 via photopin (license)

Ermordete Bienen

In Neuseeland ist ein Honig-Krieg entbrannt. Dort wächst die Südseemyrte, auch Manuka genannt. Der von diesen Pflanzen gewonnene Honig ist vor allem als Medizinprodukt sehr beliebt, wird in Salben verarbeitet oder auch als Wundauflage verwendet. Die Preise? Explodieren. Immer mehr Menschen wollen vom Boom profitieren, koste es was es wolle. Alter Imker-Regeln? Gelten nicht mehr. Mittlerweile ist Kriminalität rund um die Bienen an der Tagesordnung. Ganze Völker werden vergiftet, um so Konkurrenten auszuschalten, Bienenstücke werden gestohlen. Alteingesessene Züchter verabschieden sich aus dem Geschäft, wer durchhalten will, installiert Überwachungskameras.

„The sweetness has gone.“

Honey wars: crime and killings in New Zealand's booming manuka industry

schlossplatz

Foto: Carsten aus Bonn Schlossplatz Stuttgart via photopin (license)

Klinkt gut

Koch, Lebenskünstler und Was-zu-sagen-haber: Vincent Klink aus Stuttgart steht nicht in der allerersten (medialen) Reihe der Köche in Deutschland, da würde er sich aber sehr gut machen. Vielleicht ist es aber auch besser so, dass er da nicht ist. So hat dieses unterhaltsame Interview mit Brand Eins einen gewissen Seltenheitswert. Koch-Urgestein Klink spricht über Lust und Arbeit, über Selbst- und Fremdbestimmung, über schwäbischen Pietismus und über seltsame Gepflogenheiten der Gäste, die sich in den letzten Jahren eingestellt haben. Und wie die Klinks darauf reagieren.

„Meine Frau, eine erfahrene Gastronomie-Fregatte, hat die Schnauze voll von den ganzen Befindlichkeiten. Die sagt: Solche Leute lassen wir nicht mehr ins Lokal! Sie würde denen gern empfehlen, den Homöopathen zu wechseln.“

Die richtige Dosis

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