Leseliste: 09. Oktober 2016 – andere Medien, andere ThemenMr. Robot, Lokalteil, illegale Schweineohren in Kalifornien und Kolumbiens Wahl

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Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Mr. Robot LL 09102016

Wie echt ist das Hacken bei Mr. Robot?

Die zweite Staffel von Mr. Robot ist gerade abgelaufen. Eine spannende und gute Serie, die auch dadurch überzeugt, dass erstmalig in der Geschichte Hollywoods Hacker nicht nur als pizzaessende Passwortknacker illustriert werden. Hauptdarsteller Rami Malek gewann Ende September sogar den Emmy für „Outstanding Lead Actor“ und auch wenn die Geschichte fiktiv ist, wie echt sind die Hack-Szenarien, die hier dargestellt werden? Sehr echt, findet James Plouffe der seit über 15 Jahren in der IT-Security arbeitet und als technischer Berater den Machern der Erfolgsserie zur Seite stand. Alle Facetten des Hackens, die in der Serie gezeigt werden, sind also keine fantastischen Hirngespinste. Sie passieren wahrscheinlich täglich, nur dass die wenigsten davon etwas mitbekommen.

„I hope that ‘Mr. Robot‘ has helped make people more mindful by illustrating the potential dangers, and that we will all place greater value on cyber security as a result.“

'Mr. Robot' may be fiction, but its hacking plots are all too real

Opa Zeitung Leseliste Oktober 2016

photo credit: tobiasbegemann reading newspaper via photopin (license)

Hassliebe Taubenzüchter: der Lokalteil

Lokalzeitungsredaktionen schreiben langsam aber immer sicherer ihrem Untergang entgegen. Obwohl die Menschen sich anscheinend wieder mehr auf „Lokal“ besinnen, verlieren die kleinsten aller Zeitungsredaktionen ihre Leser. Oft schauen Redakteur und Verlage zu, sehen sich so sehr als Opfer der Gratis-Kultur im Netz, dass sie nicht einmal mehr auf die Idee kommen, etwas anders zu machen. Das frustriert Anna Mayr und darum geht es in ihrem Artikel für die Ruhrbarone. Aber auch um die Liebe zu einem Job, einem Medium und einer journalistischen Sparte, die aufgrund ihrer Nähe zu allem und jedem ihren ganz eigenen, unvergleichlichen Charakter hat. Die im Artikel eingefügten, bruchstückhaften Szenen aus dem Alltag des Lokaljournalistenlebens, machen dieses Stück Text besonders, persönlich und ganz wunderbar.

„Kein besonders guter Pokémon-Spieler schickt eine Mail an die zuständige Lokalredaktion, um vermelden zu lassen, wie lange er welche Arena besetzen konnte, obwohl das in etwa den gleichen Impact-Faktor wie die Tauben hat.“

Warum mich der Lokaljournalismus anekelt

Dumplings-Leseliste-09102016

Foto: RosieTulips DSC07506 via photopin (license)

Essen bestellen mit WeChat

Auch wenn die Restaurant-Auswahl in Los Angeles üppig ist und die Lieferdienste im Sekundentakt über die Highways brausen, greifen immer mehr Bewohner Südkaliforniens auf eine andere Art zurück, Essen zu bestellen: WeChat, die Messenger-App, die vor allem in China so beliebt ist. Ein Paralleluniversum: Einwanderer aus China, oft ohnehin in der Gastronomie tätig, ziehen über die App ein zweites, eigenes Business hoch. Gekocht wird zu Hause, die Speisen werden eingefroren, bestellt wird in der App, zur Übergabe trifft man sich oft auf Parkplätzen von Einkaufszentren. Denn das Geschäft ist eigentlich illegal. Gerade wenn Fleisch im Spiel ist, dürfen diese Produkte nicht von privat verkauft werden. Das Gesundheitsrisiko sei zu groß, heißt es in den offiziellen Regularien. Zugriff auf die Underground-Dumplings haben die Behörden aber praktisch nicht. Dank der vielen Möglichkeiten, die WeChat jenseits des klassischen Messagings bietet, boomt das Business. Die Speisen werden so zubereitet, wie man sie von zu Hause, aus China, kennt und so in Kalifornien nicht oder kaum angeboten werden. Ein Stückchen Heimat in der Fremde.

„Ich weiß nicht, wo ich eine Lizenz beantragen muss. Und bin viel zu beschäftigt, mich damit zu beschäftigen.“

This app fuels the illicit trade of dumplings and pork knuckles in Southern California

Warum Kolumbien Nein zum Frieden sagt

Kann auch dieser Artikel nicht endgültig beantworten, aber er legt dar, dass es mit der scheinbar so klaren Entscheidung, Ja für einen Frieden zwischen Staat und FARC-Rebellen, eben nicht so einfach ist in Kolumbien. Einem Land, das auf 50 Jahre Konflikt, Krieg, Terror, Macht und Gegenmacht, Chaos und temporäre Stabilität – gewährleistet durch wen auch immer – zurückblickt. In der Region Putumayo haben sich die Bauern mit dem Koka-Anbau eine kleine Existenz aufbauen können, und Versprechen der Regierung, Kompensationen für den Verzicht darauf zu erhalten, blieben schon zuvor leer. Und die Verhandlungen zwischen Regierung und Rebellen, so das Stimmungsbild, lässt die Interessen der Menschen, die mit Ja oder Nein abstimmen sollten, weitestgehend außer Acht. Vielleicht lässt sich so das Ergebnis von nahezu 50 zu 50 Prozent bei fast zwei Dritteln Nichtwählern erklären.

„This is a conflict between the FARC and the government and a negotiation between the FARC and the government,” says López. “They should have created a broad table for everyone, because their problems have impacted all of us. But they can’t just agree to a policy between the two of them and expect us to go out and back it.“

Why Colombia Said No To Peace

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