Leseliste: 18. September 2016 – andere Medien, andere ThemenInside Facebook, Aux-Hommage, Geschmackskultur und Troll-Terror

leseliste160916

Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

world map facebook 2

Inside Job

Viele würden gern mal ein Blick in Facebooks Inneres erhaschen. Der Film "Social Network" endet ja leider dort, wo es aus heutiger Perspektive erst anfing, spannend zu werden. Was macht Zuckerberg, der inzwischen gut und gern als einer der mächtigsten Unternehmer der Welt gelten darf, von morgens bis Abends? Antonio García Martínez weiß es. Er hat jahrelang im Bereich Nutzer-zu-Geld gearbeitet, ein Buch geschrieben und nun der Zeit redegewandt Antwort gestanden. Und was die Zukunft angeht, ist er überzeugt, dass die EU zum Beispiel langfristig gegen Facebook kapitulieren muss." Mit Blick auf Junckers jüngste Ergüsse, könnte er Recht behalten. Ein spannendes Interview über Zuckerberg, Rituale und Facebooks Mission.

„García Martínez: "Die Architektur von Facebook ist ein Code – der verblüffend einfach ist. Ich habe ihn heruntergeladen und dann den Likebutton auf meinem Account umbenannt in Fuck. Fortan habe ich nichts mehr geliked, sondern nur noch alles gefucked."“

Antonio García Martínez: "Facebook ist legales Crack"

Aux Hommage Leseliste

photo credit: Plug via photopin (license)

Aux Hommage

Während andere dem Vinyl oder handgemachten Playlists nachweinen, ist es für den 24-jährigen Cuepoint-Autoren Brad Callas das Aux-Kabel im Auto, dass heute völlig vernachlässigt wird. Vorbei die Zeiten, als die ganze (bis auf den Fahrer betrunkene) Bordbesetzung gespannt war, was als nächstes aus dem iPod am Klinkenstecker erklingen würde. Ein Fehltritt des Autobahn-DJs auf der Rückbank und es hieß: Next! Einmal weiterreichen bitte. Und eigentlich es gar nicht die Klinke, der hier nachgeweint wird, sondern dem Moment ungeteilter gegenseitiger Aufmerksamkeit, der in Zeiten von Snapchat, Instagram und LTE rar geworden ist. Und das von einem 24-jährigen Autoren zu hören, ist doch auch schon bezeichnend.

„Since my friend with the brand new, spacious, blacked-out Dodge Dakota was no lame, he had the full extension aux cord, allowing me focus on the most important task at hand: playing the perfect soundtrack.“

Aye Yo, Pass Me the Aux!

Köstlichkeitskonzept

Dass es Ähnlichkeiten zwischen Speisen in ganz unterschiedlichen Kulturen gibt – klar. Beliebtestes Beispiel sind wohl die ubiquitären Teigtaschen. Kimchi und Sauerkraut: Ja, auch die haben sich was zu sagen. Aber Pasta mit Bolognese und Mapo-Tofu? David Chang, Chefkoch und Besitzer der berühmten US-Restaurantkette Momofuku, erklärt nicht nur, wie man aus rein koreanischen Zutaten den italienischen Klassiker nachbauen kann. Mehr noch: Er hat ein eigenes Geschmackssystem entwickelt, das nicht auf Balance, sondern auf Widerspruch basiert – es muss nicht angenehm gesalzen sein, sondern zu viel und zu wenig zugleich. Zumindest soll es sich auf der Zunge des Genießenden so anfühlen. Wie das geht? Kochkunst.

It's much more powerful to evoke those taste memories while cooking something that seems unfamiliar – to hold those base patterns constant while completely changing the context.

David Chang’s Unified Theory of Deliciousness

Troll-Terror

Der gut gemeinte Rat „Don‘t feed the trolls“ funktioniert schon lange nicht mehr, denn die kommen nicht mehr nur dann herbei, wenn es in der Kommentarspalte was zu futtern gibt. Der Beitrag selbst reicht schon (erst diese Woche berichtete uns eine Kollegin, dass sie sich bei klassisch-journalistischen Meinungsstücken regelmäßig einer Hass-Welle ausgesetzt sieht). Es haben sich regelrechte „Troll-Ringe“ gebildet und eigentlich ist allein der Begriff „Troll“ längst ein Euphemismus. Es sind Hasser. Mobber. Nicht publizieren kann nicht die Lösung sein. Aber was dann? Gegen „Offline-Stalking“ bzw. „Offline-Aggressivität“ greifen Gesetze, im Digitalen müssen sie das auch tun, findet Tanya Falenczyk. Cybermobbing ist Mobbing, Ende der Durchsage.

„Das Thema ist Hass im Netz. Das Thema ist Hass. Das Thema ist Hass in unserer Gesellschaft.“

Hass als Hobby

Wochenend-WalkmanDiesmal mit S Olbricht, Rodrigo Amarante und Touché Amoré

Subjektivitätsmaschine Kapitalismus: Die Geburt des KonsumentenUnderstanding Digital Capitalism II | Teil 9