Filter Tapes 013„A Soul Movie“ von Nano Nansen

Filter Tapes 013 Cover

Der in Berlin lebende DJ und Designer Nano Nansen betreibt mit ein paar Freunden eine der spannendsten House-Veranstaltungen der Hauptstadt. Die Reihe Get Deep brachte im Laufe seiner mittlerweile sechs Jahren Koryphäen wie Romanthony, MJ Cole, Greg Wilson, Marshall Jefferson, Pépé Bradock, Maurice Fulton, Sadar Bahar und viele mehr in den Club ://about blank. Nicht nur seitdem hat sich Nano einen hervorragenden Ruf als DJ erarbeitet.

Einige würden „DJ’s DJ“ sagen. Ein Musikliebhaber, der nicht nur besonders tief in der Vinylgeschichte diggt, sondern neben technischer Finesse vor allem auch große Gefühle auf die Dancefloors bringt. Für unser 13. Filter Tape hat Nano, der außerdem mit den Jungs von Brandt Brauer Frick und anderen das Label The Gym betreibt, eine fiktive Geschichte gemixt. Ein Blaxploitation-Filmsoundtrack mit Soul-Musik aus den 60er und 70er Jahren. Nur, dass es keinen realen Film dazu gibt. Kopfkino im wörtlichen Sinne. Vinyl only. Pam Grier wäre stolz auf ihn.

Get Deep hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Institution im Bereich House-Partys in Berlin etabliert. Wofür steht die Reihe bei Euch?
Alle anderen Veranstalter sagen das wahrscheinlich auch, aber uns ist die musikalische Qualität bei den Events sehr wichtig. Das ist subjektiv, keine Frage – Aber uns geht es nicht um Bookings, die nur Leute in den Club ziehen. Wir sind zum Glück nicht drauf angewiesen. Jeder von uns bringt seine eigenen Vorlieben und Geschmäcker mit rein. Bei mir sind es die eher organischen Sounds. Ganz gerader Maschinenmusik kann ich nicht so viel abgewinnen. Dafür gibt es dann andere Leute bei uns.

Gibt es weitere Projekte in der Planung?
Im September soll ein erstes kleines Get-Deep-Festival stattfinden. Wir haben immer wieder über ein Label gesprochen, aber da wir alle andere Dinge zu tun haben, ist bislang daraus nie was geworden. Mit Max Graef mache ich eine Online-Radioshow aus der Palomabar in Berlin-Kreuzberg mit dem Namen Fluid Soul Radio. Das ist einmal im Monat und mit einem thematischen Schwerpunkt. Wir hatten z.B. mal das Thema Love Songs, wo wir unsere persönlichen Lieblingsliedeslieder gespielt haben. Zu Gast in der Sendung war Andy Hart von Melbourne Deepcast.

Für dein Filter Tape hast du ausschließlich alte Soul-Sachen aus den 70ern ausgewählt. Erzähl uns was über die Idee. Ein Klischee ist ja: Die meisten unserer Generation kennen Soul aus J-Dilla-Samples.
Ganz ehrlich, J Dilla war mir lange Zeit gar nicht so bekannt. Das Thema kam bei mir eher über Freunde wie Glenn Astro auf den Tisch, die noch tiefer im HipHop verwurzelt sind. Bei mir hat House lange Zeit eine wichtige Rolle gespielt und über die dort benutzten Samples, bin ich zu Disco und daraufhin zu frühem Soul gekommen. Ich fand es spannend, wie sich die Musik im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat. Zur Zeit bin ich aber ein Stück weit von neuer Musik gelangweilt. Da finde ich das Entdecken von Spezialgenres aus den 60ern und 70ern interessanter. Man diggt eine Menge und es macht Spaß sich da immer weiter rein zu fummeln und noch mehr Stile kennenzulernen: Rare Groove, Deep Soul, alles Begriffe, die in den letzten Jahren erst bei mir aufgekommen sind. Ich war überrascht, wie das damals alles schon miteinander verknüpft gewesen ist.

Es geht bei deinem Mix aber auch um einen fiktiven Film, richtig?
Genau. Ich habe vor einiger Zeit diverse alte Blaxploitation-Soundtracks gekauft. Ich liebe diese Filme und auch ihre Soundtracks. Also dachte ich, dass ich mit meinen Lieblings-Soultracks einen eigenen Soundtrack kreiere.

Filter Tape 13 Nano Nansen hochkant

Was ist das für ein Film?
Ein klassischer New Yorker Action-Ghetto-Love-Movie. Mit allem, was dazu gehört: Es ist dunkel, es geht um Prostitution, Drogenhandel, Verfolgungsjagden, Gebietsstreitigkeiten, aber natürlich auch um Liebe.

Mit Happy End?
Ja. Es gibt drei Protagonisten. Einer von ihnen stirbt, aber zwei kommen am Ende heil raus. Der letzte Track „It’ll All Be Over“ von den Supreme Jubilees markiert das ganz gut. Er ist traurig, aber zugleich auch happy.

Es gibt aber auch Klassiker wie James Brown in deinem Mix.
Den Song „Theme from King Heroin“ würde ich gar nicht so sehr als James-Brown-Klassiker sehen. Ich wusste auch erst gar nicht, dass der Track von ihm ist. James Brown hat neben seinen großen Hits auch politische Songs geschrieben. Da geht es mal nicht ums Party machen und tanzen, sondern darum, wie Heroin die amerikanische Gesellschaft zerstört – und wie die Politik tatenlos zusieht und nichts dagegen macht.

Tracklist

  1. James Brown - Theme from King Heroin
  2. Pure Essence - Wake Up
  3. Weldon Irvine - what's going on?
  4. Leroy Hudson - So in love with you
  5. Kashmere Stage Band - Ain't No Sunshine
  6. Universal Togetherness Band - Call for Love
  7. Bobbi Humphrey - Harlem River Drive
  8. Chocolate Milk - Time Machine
  9. Marvin Gaye - After The Dance
  10. John Klemmer - Blowin’ Gold
  11. Isaac Hayes - Walk On By
  12. The Masqueraders - Can’t Nobody Love Me Like You Do
  13. Supreme Jubilees - It'll All Be Over

Bei Soul geht es dir also auch um Inhalte. Die Musik wird ja gerne mal mit weichgespülten Schmusesounds gleichgesetzt.
Politik ist natürlich ein Teil dieser Musik. Heute sieht man es vielleicht nicht mehr so. Zu den Bands und Platten gibt es ja immer spannende Geschichten. Wenn man sich bspw. mit Psychedelic Soul auseinandersetzt, stellt man fest, dass es da selten um Liebe und Kuscheln geht – dafür spielen Drogen eine größere Rolle. Soul ist am Ende ja auch nur eine bestimmte Art und Weise Musik zu machen.

Inwiefern war das Filter Tape eine Herausforderung?
Ich war am Ende froh, dass ich es hingekriegt habe. Auch weil nicht immer alles beim ersten Mal klappt. Bei diesem Mix geht es ja weniger um die langen Übergänge wie im Club. Teilweise braucht man diesen kontinuierlichen Flow auch gar nicht, weil viele Songs einen schönen Anfang haben, die durch einen Übergang nur zerstört würden. Über die Selektion und die Reihenfolge habe ich mir viele Gedanken gemacht. Da geht es ja nicht um die HiHat, die zu einer anderen passt, in der Musik geht es auch um mehr. Harmonien, Grundstimmungen, da gibt es viele Möglichkeiten. Wahrscheinlich hätte ich noch vier weitere Jahre daran arbeiten können.

Filter Tape 013 Nano Nansen Querformat

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