Plattenkritik: Empire Of The Sun – Ask That God (EMI Australia)Still kinda walking on a dream

cover

Ende der Nullerjahre waren Empire Of The Sun ein großes Pop-Phänomen. Wie klingt das Duo heute? Jan-Peter Wulf hat sich das neue Album angehört.

Lustiger Zufall: Kürzlich durchstöberte ich die Instagrambilder eines australischen Restaurants, ein Reel war mit „Walking On A Dream“ von Empire Of The Sun vertont, und ich fragte mich, was aus denen eigentlich geworden ist. Das gleichnamige Erstalbum der australischen Popband habe ich 2008, 2009 ständig gehört, „We Are The People“ ist immer noch ein großer Song. Wie bei so vielen Acts habe ich dann den Faden verloren und die beiden zwischenzeitlich veröffentlichten Platten zogen an mir vorbei. Den Faden nehme ich jetzt wieder auf mit dem soeben erschienenen „Ask That God“. Stück für Stück: „Changes“, von wegen, klingt exakt wie die Hits alter Zeiten, ohne ein Hit zu sein. „Cherry Blossom“ auch, aber geht schon besser rein. „Music On The Radio“ ist netter Kitschpop. „The Feeling You Get“ könnte fast ein Schlager sein, mit tiefer Stimme und pompösem Schwung dicht an den Killers dran, die ja auch gerne mit diesem Genre flirten. Für mich ist es, bei allem Kitsch oder gerade drum, vielleicht der beste Song des Albums. Das Motiv von „AEIOU“ erinnert mich an den Rave-Evergreen „Loops & Tings“ (Fruit Loops Remix) von Jens Mahlstedt, leider verpackt in einen dummen Stadionpop wie aus dem immer gruseliger werdenden Spätwerk der Pet Shop Boys. „Television“ ist schon pfiffiger, wenn man den banalen Lyrics nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenkt. „Happy Like You“ (ver)klingt wie die ersten Stücke. „Revolve“ hat gute R’n’B-Anklänge„Wild World“ was schön Verschlungenes. „Ask That God“ soll wohl die von der Band oder vom Label oder von beiden auserkorene Albumhit sein, lässt aber diese Durchgedrehtheit vermissen, die in den besten alten Stücken an Dead or Alive erinnern ließen, das Bühnenoutfit sowieso. Zu kalkuliert.
„Rhapsodize“ drosselt das Tempo und passt am besten zum New-Age-Cover, der Schluss „Friends I Know“ ist eine versöhnliche, weil putzige Ballade aus Klavier, Vocoder und klirrend künstlichen Strings. Fazit: Vielseitig ist die Platte schon, doch am Ende steht ein Schulterzucken. Le certain je ne sais quoi fehlt dem Ganzen. Jason Donovan, übernehmen Sie!

Plattenkritik: Orcas – How to Color a Thousand Mistakes (Morr Music)Ecke sucht Kante zum Drogen nehmen und rumfahren

Pageturner – August 2024: MenschlichesLiteratur von George Saunders, Tess Gunty und Deborah Levy