Wochenend-WalkmanDiesmal mit De La Soul, Amanda Deff und Kompakt: Total 16

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Drei Alben, drei Tipps, drei Meinungen. In unserer samstäglichen Filter-Kolumne wirft die Redaktion Musik in die Runde, die erwähnenswert ist. Weil sie neu ist, plötzlich wieder relevant, gerade entdeckt oder nie vergessen. Und im Zweifelsfall einfach ein kurzweiliger Zeitvertreib ist.

De La Soul Anonymous NobodyCover WW 27082016

De La Soul: and the Anonymous Nobody

Ji-Hun: Die Hip-Hop-Helden De La Soul sorgten im April 2015 für Buzz als sie ankündigten, dass sie ihr kommendes Album über Kickstarter finanzieren wollten. Produktionstechnisch handelte es sich um ein Großprojekt, denn erstmalig in der Popgeschichte wollte die Band sich selber samplen. Jedoch mit echten Musikern. Ganz schön meta und wer wenn nicht Kelvin Mercer, David J. Jolicœur und Vincent Mason hätten das wuppen sollen? So wurden statt der 110.000 Dollar mehr als 600.000 Dollar gesammelt und ganz in typischer Kickstarter-Manier ist nun endlich das Album erschienen – mit einem Jahr Verspätung. Es hat sich aber gelohnt. Die Tracks haben einen orchestralen, brillanten Sound und die Feature-Liste liest sich mit Snoop Dogg, 2 Chainz, David Byrne, Damon Albarn, Pete Rock, Usher und Jill Scott wie ein großer Blockbuster. Ist es auch.

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Amanda Deff – ABCDEFF

Susann: David Benski macht nicht nur frische Grafik für das allseits beliebte Lodown-Magazin oder verkauft mit seinen Freunden DIY-Kunst-Zines bei Sub Press, sondern macht schon eine Weile als Amanda Deff Musik. „ABCDEFF“ ist nun sein erstes Album und der Titel verknüpft da in einer Wortzusammenschiebung direkt Grafiker-Typo-Humor und ein bedeutungsschwangeres „Am Anfang war das Wort“ (oder auch „Wer A sagt, … “). Eine ähnliche DIY-Mentalität, die beim eigenen Verlag Sub Press herrscht, zaubert nun eine sommerliche Indie-Platte mit dadaistischen Lyrics und Synth-Sounds, irgendwo zwischen Mac DeMarco und düster-psychedelischen Noisepop. In der Geschichte, die das Album erzählt, geht es natürlich um Liebe: Ein depressiver Musiker trifft eine lebensmüde Frau. Irgendwo zwischen „Cappucino Lies“ und „Open Cars“ verlieben sie sich, bis sie sich letztlich beide als Schildkröten verkleidet auf einer Party treffen. Wie das ausgeht, lässt sich nur nachhören.

Album bei iTunes

Kompakt Total 16 WWalkman

Kompakt: Total 16

Thaddeus: Ich gebe unumwunden zu, mich schon seit langer Zeit nicht mehr intensiv mit Kompakt auseinandergesetzt zu haben. Es gab eine Zeit, in der der Kompakt-Rave auch mein Rave war. Vor allem dann, wenn es ganz und gar kein Rave war, was da auf Vinyl gepresst wurde. Große Schnittmenge. Irgendwann jedoch verlor ich mich im Dickicht der 12"s, der Sublabels, der Schranzerei, des Quatsches. War raus und fand nie wieder rein. Compilations sind in so einer Situation ja immer ein guter Anknüpfungspunkt. Die „Pop Ambient“-Reihe wird zur Jahreswende immer aufmerksam gehört, aber die repräsentiert ja auch nur die Nische des Kompakt-Universums. Heute also: Total 16. Menschenskinder, sind wir allesamt alt geworden. Und wer hat denn heutzutage noch Zeit für DOPPEL-CDs? Für 25 Tracks? Also erstmal die alten Lieblinge checken. Jürgen Paape schreibt immer noch die besten Popsongs, Michael Mayer haut auf die Acid-Pauke. Herr Burger macht als Modernist gemeinsame Sache mit Joe Goddard von Hot Chip. Robag Wruhme remixt. Das ist alles ziemlich gut. Weniger gut sind die Quatsch-Tracks, aber dass Humor im Techno nichts zu suchen hat, denke auch nur ich. Zum Schluss schlagen die Gebrüder Voigt vor: „Denken Sie laut“. Genau das habe ich hiermit getan.

Album bei iTunes

Videopremiere: Sven Helbig – AbendglühenChor, Elektronik und ganz viel Zeitlupe in der spätsommerlichen Hitze

Leseliste: 28. August 2016 – andere Medien, andere ThemenVirtuelle Pornografie, Tristesse im Valley, Apples iBrain und 14 Monate Seenot