Wochenend-WalkmanDiesmal mit Kendrick Lamar, Bonobo und Martin Gore

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Drei Alben, drei Tipps, drei Meinungen. In unserer samstäglichen Filter-Kolumne wirft die Redaktion Musik in die Runde, die erwähnenswert ist. Weil sie neu ist, plötzlich wieder relevant, gerade entdeckt oder nie vergessen. Und im Zweifelsfall einfach ein kurzweiliger Zeitvertreib ist.

Kendrick Lamar Butterfly

Kendrick Lamar - To Pimp A Butterfly

Ji-Hun: In den 90ern, zu den Hochzeiten des HipHop, war man mehr oder weniger ein gemachter Rapper, wurde man von Dr. Dre entdeckt und daraufhin produziert: Snoop, Eminem und Co. Wer unter die Fittiche des heute ersten HipHop-Milliardär kam (das Geld kam aber nicht durch Musik sondern durch den Verkauf von Beats Audio in seine Konten), konnte sich glücklich schätzen. Der 27-jährige Kendrick Lamar spielt diese gerade beschriebene Regel fürs 21. Jahrhundert durch. Er stammt aus Compton, wurde angeblich durch Dre groß gemacht, hat irgendwie sogar Ähnlichkeiten mit dem jungen Dre aus NWA-Zeiten und sein letztes Album „Good Kid, M.a.a.d. City“ von 2012 schlug massiv ein. Seit zwei Tagen ist sein neuer Longplayer „To Pimp a Butterfly“ raus. Ich habe noch keinen Ton gehört, habe aber das Gefühl, es handelt sich um das, was der Amerikaner „seminal“ nennt.

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Martin Gore Counterfeit

Martin L. Gore - Counterfeit EP

Thaddeus: Ende April veröffentlicht Martin Gore – Songschreiber von Depeche Mode – seine Solo-LP „MG“. Zwölf Jahre ist es her, seit er zum letzten Mal ohne seine Band-Buddies unterwegs war. Diese EP hier stammt gar von 1989. Sechs Tracks, sechs Coverversionen, relativ roh und schnell zusammengezimmert und wahrscheinlich genau deshalb immer noch so relevant. Sehr moody, ein bisschen exaltiert, vor allem aber mit tollen Songs, die für Gore schon immer wichtig waren. Zum Beispiel „Never Turn Your Back On Mother Earth“, dieser Klassiker von den Sparks, der für Gore so prägend war, dass er es auch für Depeche Mode schon einmal eingespielt und auf einer Flexidisc veröffentlicht hatte. Die neue LP ist anders. Modern und historisch zugleich. Und: komplett instrumental. Eine Sammlung von Modular-Miniaturen, zwischen White Noise und Melodien, die man einfach mitsummen will.

Ich habe gestern mit Gore telefoniert. Alles zu seiner neuen Platte bald hier in diesem Kanal. Er lässt schön grüßen.

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Bonobo Flashlight EP

Bonobo - Flashlight EP

Benedikt: Typischerweise bewegen sich Produzenten mit steigendem Alter weg von Einfachheit und Eingängigkeit. Es scheint eine Art natürliche Entwicklung zu sein, dass 4-to-the-Floor irgendwann durch beatfreie Synthieflächen ersetzt wird – man muss ja irgendwann „erwachsen“ werden. Für Simon Green aka Bonobo gilt das nicht. Die Loslösung vom Downbeat-Kontext hat schon mit dem letzten Album angefangen und setzt sich auch in dieser EP fort – es wird housiger, tanzbarer. Trotzdem behalten die drei Tracks in ihren 15 Minuten den typischen Bonobo-Charakter: In „Flashlight“ wird leichtfüßig gezupft, „Pelican“ kommt mit easy-listen Breakbeat und „Return to Air“ fungiert als tempodrosselnder Ausklang. Eine angenhme Begleitung durch das Wochenende. Aber pscht: Auch ich werde ins neue Kendrick-Album reinhören.

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„Draußen war ich ein Rudeltier“Im Gespräch mit Sascha Bisley | Autor von „Zurück aus der Hölle“

Leseliste: 22. März 2015 - andere Medien, andere ThemenEZB, Branding im Pop, Wissenschaftsjournalismus und 20 Jahre Toy Story