Wochenend-WalkmanDiesmal mit Sage Caswell, Dubsuite und Rumer

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Drei Alben, drei Tipps, drei Meinungen. In unserer samstäglichen Filter-Kolumne wirft die Redaktion Musik in die Runde, die erwähnenswert ist. Weil sie neu ist, plötzlich wieder relevant, gerade entdeckt oder nie vergessen. Und im Zweifelsfall einfach ein kurzweiliger Zeitvertreib ist.

Sage Caswell Hoop Earring Walkman

Sage Caswell - Hoop Earring

Benedikt: Dass einem der letzte Rest von 2016 noch einmal so viel gute Musik um die Ohren haut, war kaum zu erwarten. Die Platten der letzten Wochen drehen sich immer noch, seit gestern aber im Wechsel mit Sage Caswells Debüt „Hoop Earring“, gerade erschienen via „Spring Theory“. Caswells Deep House, der sich an vielen Stellen in der Geräusch- und Soundkulisse von Techno abspielt, ruft nur oberflächlich nach Tanzfläche. Reduziert und fast skizzenhaft kommt die LP daher, doch mitnichten unvollständig. Unscharf die Flächen, rough die Percussion, butterweich die Echos: noch viel mehr als betanzt möchte Sage Caswell gehört werden. Damit das über eine Länge von zehn Tracks auch wirklich klappt, verklebt er sie mit Ambient, der aber nicht bloß Skit ist, sondern durchaus für sich stehen kann. Über die ganze Stunde lang hänge ich mit den Ohren an den Speakern, äußerlich ruhig, innerlich groovend, aber völlig zentriert. Beim Wichteln auf der gestrigen Weihnachtsfeier habe ich das Buch „Sit like a Buddha“ bekommen. Wäre Buddha House- und Techno-Hörer, hätte „Hoop Earring“ einen gut sichtbaren Platz in seinem Regal, da bin ich mir sicher. Deshalb geht das Album umgehend in die zweite Runde – und das Buch bleibt wohl für immer zu.

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Dubsuite-Eigenleben-final

Dubsuite – Eigenleben

Thaddeus: Historische Aufnahme! Vor zehn Jahren stellten Holger Flinsch und Martin Müller dieses Album fertig, jetzt ist es erstmals auf Vinyl erschienen. Mittlerweile geht das, macht das Sinn, damals schien die digitale Geburt genau richtig. Denn die rund 45 Minuten des geplanten Jams nutzen die ambiente Klammer des Dubtechno für die kategorische Betonung des ersten Wortteils und bollern nur dann, wenn es unausweichlich scheint. Oft genug, btw. Aber immer eingebettet in die im Vorfeld von beiden unterzeichnete Petition stillen Revolution. „Eigenleben“ ist nicht nur ein episches Werk von ebensolcher Länge. Wer Müllers eigene Produktionen und den Katalog seines Labels „Ornaments“ aufmerksam verfolgt, kann hier das Vorwort eines Feldversuchs der von der Zukunft getriebenen Historizität hören und miterleben. Es waren gute Zeiten damals. Die mindestens genauso gut in die zweifelhafte Gegenwart passen. Diese Akkorde, diese Akzente: Sie versetzen noch immer genau die richtigen Berge.

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Rumer This Girls in love Cover WW10122016

Rumer – This Girl’s In Love

Ji-Hun: Der Texter Hal David und der Komponist Burt Bacharach sind gemeinsam eines der besten Songwriting-Duos aller Zeiten. Wenn nicht das allerbeste. (Ja, ich weiß – Und was ist mit Lennon/McCartney, Jagger/Richards? Mir doch egal.) Man muss auf den orchestralen Cheese stehen, aber im Kern handelt es sich immer um hervorragende, zeitlose und wunderschöne Arbeiten. Viele Klassiker sind dabei entstanden, in einer Zeit als Hollywood, aufwendige Produktionen, Drama und Pop noch viel enger zusammen arbeiteten als heute. David und Bacharach schrieben Hits für Dionne Warwick, Cher, The Carpenters und viele mehr, alle dürften mindestens fünf Songs kennen. Auch wenn es Leute gibt, die weder von Bacharach noch von David je gehört haben. Nun hat sich die Sängerin Rumer den Songkatalog der beiden vorgenommen. Eine Aufgabe, die so vermint ist, dass man lieber auf Zahnstochern surfend den Atlantik überqueren würde. Aber Sarah Joyce macht das ziemlich gut. Eine souverän umgesetzte, hochklassig klingende Reminiszenz. Darf ja auch mal Mainstream sein.

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Review: Libratone Q AdaptWie klingt der erste Kopfhörer der Lautsprecher-Schmiede?

Leseliste 11. Dezember 2016 – andere Medien, andere ThemenPhilippinische Massaker, Berghain, Frank Thelen und das begehrteste Videospiel der Welt