Wochenend-WalkmanDiesmal mit Solar Bears, Ishmael und Baauer

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Drei Alben, drei Tipps, drei Meinungen. In unserer samstäglichen Filter-Kolumne wirft die Redaktion Musik in die Runde, die erwähnenswert ist. Weil sie neu ist, plötzlich wieder relevant, gerade entdeckt oder nie vergessen. Und im Zweifelsfall einfach ein kurzweiliger Zeitvertreib ist.

Solar Bears Advancement Cover WW 19032016

Solar Bears – Advancement

Ji-Hun: „Advancement“ ist das mittlerweile dritte Album der beiden irischen Musikproduzenten John Kowalski und Rian Trench. Nach dem Langspieler „She Was Coloured In“ von 2010 und „Supermigration“ von 2013, die beide auf Planet Mu erschienen sind, ist „Advancement“ die Premiere auf Rob da Banks Imprint Sunday Best. Ein gänzlich anderes Artist-Roster – sind die neuen Label-Homies von Solar Bears nun Kitty, Daisy & Lewis, vor allem aber David Lynch. Dem könnte „Advancement“ in der Tat ganz gut gefallen. Elektronischer, krautiger, epischer, Instrumental-Pop, der (es lässt sich nicht vermeiden) natürlich nach Boards of Canada schmeckt. Aber eigentlich, was die Referenzen anbetrifft, noch eine Geschichtsepoche weiter zurückgeht und in vielen Arrangements und Stimmungen vor allem Jean-Michel Jarre und auch Vangelis durchklingen lässt. Trotz der ambienten, noisigen Sounds handelt es sich nicht um eine Lo-Fi-Produktion. Es klingt alles ziemlich austariert und breitwandtauglich. New Era Stadion-Elektronik? Bin gespannt wie sich das Album auf meiner anstehenden Zugfahrt schlägt.

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Ishmael Sometime In Space

Ishmael – Sometime In Space

Thaddeus: Manchmal will man Dinge gar nicht so genau wissen. Bzw.: Wenn die üblichen Suchmechanismen ins Leere führen, sogar ein Klick auf die Webseiten der Rave-Gral-Hüter keine messbaren Ergebnisse liefert, die Musik währenddessen aber besser und besser wird, pumpt, swingt, rauscht und kickt, dann ist die Geschichte drumherum einfach egal. Gibt ja die Musik. Und die von Ishmael ist fantastisch. „Sometime In Space“ erscheint auf Church, dem Label, bei dem Seb Wildblood mitmischt. Immer ein gutes Zeichen, meist sogar ein Garant für Qualität. Ishmaels Ansatz ist sehr holistisch. Da ist die Dance Music, housig, ambient, gebrochen garagig: Lasst mich das reflektieren, einordnen, muss sich Ishmael gedacht haben. Denn genau das tut er auf diesem Album, das Quellen als sein erstes, anderer wiederum als sein zweites listen. Vollkommen egal. Elf Tracks, die nicht nur wunderbar zusammenpassen, sondern dabei auch die unterschiedlichsten Geschichten erzählen. Das Tolle an Ishmael ist: Er ist leise. In dieser – hoffentlich bewusst gewählten – Stille funkeln die Ideen dann auch gleich doppelt so hell. Perfekt ausproduziert ist hier nichts. Zum Glück. Es sind Ideen, die er in die Runde wirft, als eine Art Statusbericht eines größeren Projekts. Herrlich weich, herrlich warm, herrlich herrlich.

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Baauer Aa Cover Walkman

Baauer – Aa

Benedikt: Harlem Shake is over, und das ist auch gut so. Auf Baauers Debüt-Album bleiben nur noch die Konturen seines viralen Trap-Hits, drinnen steckt aber viel mehr. Dass Baauer zum One-Hit-Wonder verkommt ist dank „Aa“ nun endgültig ausgeschlossen. Das merkt man aber erst, wenn man über den furchtbar grellen Dubstep-Einsteiger „GoGo!“ hinweg ist. Baauer verschmilzt HipHop und House, und wenn Trap und Dubstep dann doch wieder an der Studiotür klopfen und reinwollen, öffnet er bereitwillig die Tür. Kitschige Melodien werden von brachialen und fülligen Beats niedergerissen. Nach dem Produzenten-Solo im ersten Drittel der Platte, mit seinen zu komplexen Drum-Patterns abstrahierten Samples, treten der britische Rapper Novelist und Maskenträgerin Leikeli47 ans Mikro. Sie eröffnen in bester Grime-Manier den mit Features gespickten zweiten Teil von „Aa“. Und hier wird deutlich, wozu Baauer den Harlem-Shake-Fame genutzt hat: Vokalisten und Rapper der A-Klasse reichen im Folgenden das Mic durch. Erst kommt Tirzahs zarte Stimme auf Post-Dubstep- und Garage-Anleihen daher und selbst für M.I.A. hat Harry Bauer Rodrigues einen absolut maßgeschneiderten Beat in der Tasche. Mit dem grandiosen „Kung Fu“ an Seite von Future und Pusha T erreicht „Aa“ dann die Klimax zum Ende der Platte, um anschließend überraschend leise auszuklingen. Ja Baauer kann verdammt anstrengend sein, aber dank einer Spielzeit von nur 33 Minuten wird der Bogen immer nur ge- aber nie überspannt. Repeat.

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