Wochenend-WalkmanDiesmal mit Celer, Else und Nonkeen

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Drei Alben, drei Tipps, drei Meinungen. In unserer samstäglichen Filter-Kolumne wirft die Redaktion Musik in die Runde, die erwähnenswert ist. Weil sie neu ist, plötzlich wieder relevant, gerade entdeckt oder nie vergessen. Und im Zweifelsfall einfach ein kurzweiliger Zeitvertreib ist.

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Celer – Akagi

Thaddeus: Will Long ist einer dieser Amerikaner in Japan. Vom Mississippi direkt nach Tokio. Er hat bereits jetzt mehr Platten gemacht, als ein Musikerleben eigentlich aushalten kann. Das alles nachzuhören, scheint unmöglich. Nicht nur, weil er einen Großteil des Katalogs selbst veröffentlicht hat, in kleinsten Auflagen vielleicht nur an Nachbarn und Freunde verteilt und verschenkt hat. Dieses neue Album hier hat nur einen Track. Und eigentlich auch nur einen Loop, der knapp 80 Minuten in sanften Variationen durch den Kopfhörer kreist, mal sanft links herum, dann wieder vorsichtig rechts abbiegend. Lässt man sich darauf ein, fallen einem die subtilen Veränderungen schon bald gar nicht mehr auf. Wie der Bass an- und abschwillt, wie bestimmte Obertöne plötzlich verschwinden, das Rauschen rhythmischen Verschiebungen ausgesetzt wird und dann von einem merkwürdigen Dröhnen übertüncht wird. Die Art und Weise wie Long das Stück gemischt hat, ist perfide. Leise, sehr leise kommt es daher und hat man dann alle Regler auf das absolute Maximum gedreht, fällt das Wolkenschloss in sich zusammen. Man will hineinspringen in „Akagi“, Long lässt es aber nicht zu. Und hält uns damit auf Abstand. Bei so persönlicher Musik kann man das gut verstehen.

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Else Mirage EP Walkman

ELSE – Mirage

Benedikt: Ich hab mich einmal mehr durch meine Spotify-Empfehlungen gehört und bin dabei auf die im Januar erschiene EP der beiden Pariser von ELSE gestoßen. Von wegen Filterbubble, in meiner ist bis dato noch nichts über das Duo herauszufinden. Dabei klingt die Platte toll. ELSE gehören zum Pariser Künstlerkollektiv L’ordre und wandern auf typisch französischen Electronica-Pfaden: Da steckt – angenehm verhalten – Justice drin („1979“) und eine gehörige Portion Daft Punk („Oceanside“). Trotzdem geben die beiden dem Sound ihrer zweiten EP sets einen eigenen Twist: gehen noch konsequenter in Richtung House statt Pop oder schlagen mal ein Downtempo an („Chemical Face“, „Tama“), ohne dass es die Platte musikalisch in alle Richtungen zerreißt. Auch dem Kitsch bleiben sie fern. Ich glaube da werde ich mich noch einige Male durchhören. Und mit wachem Auge auf kommende Releases blicken.

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Nonkeen The Gamble WW13022016

Nonkeen – The Gamble

Ji-Hun: Es gibt zur Zeit wenige Musiker, die so umtriebig sind wie Nils Frahm. Nun gibt es das Debütalbum seiner neuesten Band Nonkeen, die aber eigentlich seine älteste ist. Nils Frahm, Frederic Gmeiner und Sebastian Singwald kennen sich nämlich schon seit Grundschulzeiten. Nils und Frederic besuchten zusammen eine Grundschule in der Nähe von Hamburg und im Jahr der Wende 1989 trafen sie Sebastian auf einem Sportaustausch. Sebastian kam aus Karlshorst in der damaligen DDR und hatte einen Kassettenrekorder dabei. Die drei Jungs fingen an zu experimentieren und Sounds und eigene Radioshows aufzunehmen. So wie es Kinder in den 80ern und 90ern eben gemacht haben. Später gab es nach der Wende sogar ein erstes Konzert der Band. Lief aber alles nicht so doll und man beschloss das mit der Musik erstmal sein zu lassen. Nun, über 25 Jahre später kommt das erste Album von Nonkeen auf R&S heraus. Die alten Tape-Aufnahmen wurden wieder herausgekramt und neu bearbeitet, gesamplet, manipuliert und mit neuen Sounds versehen. Wer jetzt denkt, dass „The Gamble“ ein unreifes, juveniles Nostalgieding geworden ist, irrt. Die Musik der drei klingt tief, rauschig, postrockig und düster-ambient mit hier und da diesen einprägsamen Bristol-Momenten wie man sie von Portishead kennt. Bei Nonkeen zeigt Nils Frahm sich von seiner unmelodiöseren Seite. Was nicht negativ gemeint ist. Es zeigt sich einfach, dass er nicht den Druck hat, als One-Man-Band so viel Raum und Harmonien wie möglich auszufüllen. Und das Loopige, das Schleifende steht ihm hervorragend. Ein perfekter Soundtrack für das heimliche Reinmogeln in den morbiden, stillgelegten Freizeitpark im Plänterwald oder zum Vulkansteine zählen auf Fuerteventura.

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Auf der Flucht vor der NormFilmkritik: „Midnight Special“

Leseliste 14. Februar 2016 – andere Medien, andere Themen100 Witze für die Ewigkeit, Deutscher Film, Desperate Housewives in Nordkorea und Willemsen konkret