Leseliste 14. Februar 2016 – andere Medien, andere Themen100 Witze für die Ewigkeit, Deutscher Film, Desperate Housewives in Nordkorea und Willemsen konkret

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Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Buster Keaton Train LL14022016

The 100 Jokes That Shaped Modern Comedy

Fangen wir mit einer langen Leseliste für unsere Leseliste an. Jesse David Fox hat mit einem großen Team von Experten und Profis des Genres für Vulture die 100 Witze, Szenen, Sketches, Slapsticks und Punchlines ab dem 20. Jahrhundert kompiliert, die die moderne Comedy für immer geprägt haben. Dabei kann es sich um Filmszenen handeln, TV-Shows, Alben oder auch Stand-up-Performances. Mit dabei sind neben Buster Keaton (Bild oben), Charlie Chaplin, die Marx Brothers, aber auch Jim Carrey als Ace Ventura oder die Simpsons. Viel Holz, aber ein umfangreicher und natürlich witziger Rückblick in die Geschichte des amerikanischen Humors.

„When I’m Good I’m Very Good … But When I’m Bad, I’m Better“ (Mae West in „I'm No Angel“ 1933)

The 100 Jokes That Shaped Modern Comedy

Problemkind Deutscher Film Leseliste

Foto: German Movie Maker via Shutterstock

Problemkind Deutscher Film

Es wurde schon viel gesagt und geschrieben, über den deutschen Film, die Förderprogramme die Regisseure und Autoren. Nie ist die Kritik positiv, denn der deutsche Film ist weitestgehend langweilig, flach, zu teuer, nie innovativ – und international irrelevant. Nicht mal die am Donnerstag gestartete Berlinale kann dem deutschen Film mal so richtig internationale Beachtung einhauchen. Filmregisseur und Drehbuchautor Dietrich Brüggemann reiht sich in die Gruppe der Kritiker ein, sticht aber dennoch deutlich heraus: Sein Artikel brennt vor Leidenschaft, bringt neue Argumente ein, ist aber keine Wutrede. Dafür beweist der Autor viel zu viel Witz. Scharf formuliert und gleichzeitig amüsant.

„Gespräche unter Filmschaffenden in Deutschland drehen sich allesamt, immer, jedesmal nach spätestens achteinhalb Minuten in eine einzige Richtung: Geld. MBB, BKM, NRW, FFF, FFHSH, die FFA schmeißt Til Schweiger fünf Fantastilliarden hinterher, wegen MDM müssen wir fünf Wochen in Halle herumsitzen, der WDR würde uns mehr Geld geben, aber das will der NDR nicht, weil dann der BR nicht mehr federführend wäre und die Frau vom SWR mit dem vom HR gut klarkommt, aber nicht mit dem Pförtner von Radio Bremen.“

Lolasaufen – oder Ein Trauerspiel namens „Der Deutsche Film“

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Foto: USB Flash Drive via Shutterstock

USB-Sticks für Nordkorea

Westmedien in der DDR? Konnte man empfangen, wenn man nicht im „Tal der Ahnungslosen“ lebte. Bis nach Dresden und Greifwald reichte das UKW- und Fernseh-Signal von ARD und ZDF nicht. Heute ist Nordkorea dieses Tal. Während in vielen Ländern der Zugriff auf das Internet reglementiert ist und Services geblockt werden, ist es in der Diktatur von Kim Jong-un schlicht zappenduster, wenn man nicht zur Politbüro-Elite gehört. Dass Flüchtlingsorganisationen und politische Aktivisten daran arbeiten, die Bevölkerung Nordkoreas mit Informationen zu versorgen, ist nicht neu; die Motivation dahinter hinlänglich bekannt. Mit Hilfe von Hollywood-Filmen und TV-Serien soll den Menschen ein Eindruck des Westens vermittelt und so die Abkehr vom Diktator beschleunigt werden. Eine Revolution von innen via Netflix. In den USA sammelt das Aktionsbündnis Flash Drives For Freedom jetzt in Streaming-Zeiten überflüssig gewordene USB-Sticks, damit die mit Inhalten befüllt und dann nach Nordkorea geschmuggelt werden können. Zwar sind Laptops dort wenig verbreitet, die so genannten notels jedoch, kleine Video-Abspielgeräte mit USB-Port erfreuen sich großer Beliebtheit. Das „North Korea Strategy Center“, kurz NKSC, eine in Südkorea beheimatete NGO bespielt die Sticks mit Filmen und Serien und bringt sie über die Grenze. Aktuell rund 3.000 Drives pro Jahr. Das Ziel: 2.000 pro Monat. Über Motivation und den erhofften Effekt berichtet Andy Greenberg für „Wired“. Upcycling der besonderen Art.

„Besonders beliebt in Nordkorea: 'Desperate Housewifes' und 'Friends'“

Donate your old USB drives to fight North Korean Brainwashing

Bellevue

Foto: Schloss Bellevue via Shutterstock

Nichts sagen

Sascha Lobo schrieb: „Mit Verlaub, 2016, Sie sind ein Arschloch. #willemsen“ und dem ist nicht viel hinzuzufügen. Kluger Kopf, hübscher Mann, ein bisschen eitel – vor allem aber neugierig war Roger Willemsen. Sich einen Jahr in den Bundestag setzen oder monatelang durch die deutsche Provinz und an die Enden der Welt reisen, das muss man erstmal machen. Dass er Anfang der 1990er-Jahre mit dem legendären Talkformat „0137“ auf Premiere bekannt wurde, ist bekannt. Weniger aber, dass er auch für die linke Zeitschrift konkret geschrieben hat. Und wie: In einem 34.000-Zeichen-Text nimmt er die Sprache des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker auseinander. Vom Fei(n)sten.

„Gleichgültig, daß seine Gedanken meist keine sind, sie gelten als profund, nebensächlich, daß seine Standpunkte allenfalls aus Stimmung bestehen, sie gelten als erhellend, und selbst seine Gefühle werden geglaubt und als Resultat der Aufgabe, all das zu fühlen, was wir selbst nicht fühlen können, wie etwas Eigenes begrüßt – wodurch es insgesamt fast unmöglich wird, sich zu Weizsäcker in Widerspruch zu setzen.“

Da tritt der ganze Mensch heraus

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Play it again, Sam!Segen und Fluch der Wiederholung