Wochenend-WalkmanDiesmal mit Julia Brown, Federico Albanese und Daughter

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Drei Alben, drei Tipps, drei Meinungen. In unserer samstäglichen Filter-Kolumne wirft die Redaktion Musik in die Runde, die erwähnenswert ist. Weil sie neu ist, plötzlich wieder relevant, gerade entdeckt oder nie vergessen. Und im Zweifelsfall einfach ein kurzweiliger Zeitvertreib ist.

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Julia Brown – An Abundance of Strawberries

Ji-Hun: Bei diesem Namen bleibt man gezwungenermaßen hängen, wenn doch wie in meinem Fall ein guter Freund und Musikkollege den fast identischen Namen trägt. Dabei ist Julia Brown gar nicht Julia Brown, sondern die Band eines gewissen Songwriters mit dem Namen Sam Ray aus Maryland und ist nicht zu verwechseln mit einer klassischen Bach-Interpretin gleichen Namens. Dieser Tage ist das zweite Album von Julia Brown mit dem wundervollen Namen „An Abundance of Strawberries“ erschienen. Ein fantastisches LoFi-Indie-Folk-Kammerkino-Album, das zeitgemäß wolkig-verhallt klingt und trotzdem stets auf der Suche nach dem Orchestralen ist, wenn auch mit teils bescheideneren Mitteln. Dennoch immer dabei, diese notwendige leichte Verstimmung, die großen Indie so liebenswert macht. Wirklich hübsch.

Album bei Bandcamp

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Daughter – Not To Disappear

Thaddeus: Vor genau einem Jahr war ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich mich mit Daughter wirklich würde anfreunden können: Die Platte lief dann noch mehrere Monate immer und immer wieder in meinem Ohr. Die vergangenen Wochen dann Vorfreude: ein neues Album. Dass das auf dem letzten aufbaut, merkt man schon bei der Titelwahl. Auf „If You Leave“ folgt “Not To Disappear“. Ist das versöhnlich? Die neue Song-Sammlung scheint mir kohärenter, weniger brüchig, besser, weil konsistenter zusammengefügt. Dadurch zeigt sich die brüchige Melancholie noch heller und nachhaltiger. Und weil die gesamte 4AD-Fan-Welt immer noch nach einer würdigen Nachfolgerin Elisabeth Fraser sucht, nehmen wir das Angebot von Elena Tonra gerne an, auch wenn es zwei Oktaven tiefer pulst und sie über Dinge singt, die Madame Fraser nie über die Lippen gekommen wären. Das ist weder gut noch schlecht, einfach nur eine Feststellung. Die Zeiten sind andere. Der Wunsch, was Musik mit einem anstellen soll, ist immer noch der gleiche. Danke für diese wundervolle Platte.

Album bei iTunes

Albanese

Federico Albanese – The Blue Hour

Jan-Peter: Den Namen kannte ich nicht, bis kürzlich die Aufgabe der redaktionellen Track-Premiere an meinem Schreibtisch hängenblieb. Dabei klingt er so, als hätte man – ich – ihn schon mal gehört. So klingt auch dieses Album: vertraut. Das mag vielleicht an der am Kitschigen kratzenden Gefälligkeit liegen: Es ist durchweg schönes Piano, Synthesizer und Celli dazu, romantisch, cosy. Aber es ist auch recht antizipierbar, wie das bei Musik eben so ist, die brav in der Kadenz bleibt, nicht ausbricht. Ludovico Einaudi hatte ich seinerzeit schon als „wem das gefällt, dem gefällt das auch“ angeführt, dabei bleibe ich. Den mag ich auch. Aber nur in eingeschränkter Dosis. Irgendwann möchte ich, wie mein kleiner Sohn es tut, mit voller Handfläche auf Ebony and Ivory kloppen und so mehr Disharmonie einfordern und, da bin ich wieder bei Albanese, der blauen Stunde ein paar mehr blue notes geben. Ein zweifellos schöner Auftakt des neuen Berlin-Classics-Sublabels „Neue Meister“, für das auch Matthew Herbert angekündigt ist. Da wird es vermutlich mehr Brüche geben.

Album bei iTunes

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