Leseliste 15. Januar 2017 – andere Medien, andere ThemenSolange, Spyware für alle, Amerikas letzte Discoqueen und Zygmunt Bauman

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Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Solange

Solange und Beyoncé Knowles sind das zurzeit wohl schillerndste und größte Schwestern-Paar im Pop. Über die 20-fache Grammy-Gewinnerin Beyoncé muss kaum noch ein Wort verloren werden, im letzten Jahr schaffte es Solange aber auch mit ihrem Album „A Seat At The Table“ erstmalig auf die Nummer 1 der amerikanischen Album-Charts. Ein Liebling nicht nur der Kritiker, steht sie im Vergleich zu ihrer Schwester doch eher für die alternative, deepere Version von Soul. Auf der aktuellen Ausgabe des Interview-Magazin schmückt deshalb auch die jüngere Solange das Cover und das dazugehörige Gespräch führt – Überraschung – niemand anderes als Schwester Beyoncé. Ein Künstler-Interview zwischen zwei Schwestern. Über gegenseitige Bewunderung, eine gemeinsame Kindheit und Inspiration.

Beyoncé: Oh my God! Rock star. Well, it is a bit strange, because we're sisters and we talk all the time, to be interviewing you. But I'm so happy to interview you because, clearly, I'm your biggest fan and I'm super proud of you. So we'll start from the beginning. Growing up, you were always attracted to the most interesting fashion, music, and art. You were obsessed with Alanis Morissette and Minnie Riperton and mixing prints with your clothes ... when you were only 10 years old. You would lock yourself in a room with your drum set and a record player and write songs. Do you remember that? Of course you do.

Solange

Spyware Leseliste Januar 2017

photo credit: Christiaan008 Cyber attacks via photopin (license)

Reduziert im WSF, Spyware für alle!

Dass in regelmäßigen Abständen die E-Mail-Adressen, Passwörter und Kreditkarten-Daten von abertausenden Kunden großer Konzerne abgegriffen und/oder geleaked werden, ist wahrlich nichts Neues. Nahezu jeden hat es schon getroffen. Halb so schlimm: Kreditkarten kann man sperren, Passwörter ändern, Business as usual, ist ja nichts passiert. Anders sieht es aus, wenn Hacking nicht mehr zum Diebstahl von Zahlungsdaten eingesetzt wird, sondern zur politischen Einflussname. Und auch wenn man bei der Mail-Affäre im Hause Clinton noch zum Vorwurf der Selbstverschuldung neigt, und durch die beim Sony-Hack offengelegten Rassismen des Managements eine Art Genugtuung empfindet, ist Hacking zum Zweck der politischen Einflussnahme mittlerweile ein massives, weltweites Problem. Die Software dafür kommt zum Beispiel aus Deutschland oder Italien und wird als Mittel der Verbrechensbekämpfung verkauft. Nur lässt sie sich problemlos auch fürs Gegenteil einsetzen. Die New York Times widmet dem politischen Hacking eine große, spannende und erschütternde Geschichte:

„Customers emailed Hacking Team attachments with election-related content […] Rather than ask what these files had to do with fighting crime and drug trafficking, Hacking Team support-staff members simply emailed them back, as requested, with an embedded “exploit,” turning the document into a surveillance tool to be used against whomever it was sent on to.“

Cyberwar for Sale

Yolanda Baker LL 15012017

Foto: Michael Clevenger via courier-journal

Handarbeit Diskokugel

Das ist Yolanda Baker. Ihre Freunde nennen sie Yo Yo und Yolanda hat viele Freunde. Seit 47 Jahren stellt sie Diskokugeln her, beklebt die runden Bälle in Handarbeit mit kleinen Spieglein, damit die Party anderswo noch besser schimmert. Für Beyoncé hat sie Spezialanfertigungen gemacht, für Madonna und auch für das Studio 54 in New York. Auch das Filmset von „Saturday Night Fever“ hätte ohne ihre Expertise nicht so gut ausgesehen. Mittlerweile ist die heute 70-Jährige die letzte Discoqueen in den USA, will sagen: Außer ihr stellt die Diskokugeln niemand mehr in Handarbeit her. Jeffrey Lee Puckett portraitiert die ... tja: Handwerkerin? Künstlerin? Das mögen ihre Kunden entscheiden. Bis zu 160.000 Kugeln pro Jahr wurden in der Fabrik in Louisville, Kentucky pro Jahr hergestellt. Das ist lange her. Yolanda macht dennoch weiter. So lange sie noch kann.

„I don't have one, isn't that weird?"

Yolanda Baker: Last of the disco ball makers

bauman

Foto: Redaktion

Moderne-Denker

In dieser Woche starb Soziologe Zygmunt Bauman im hohen Alter von 91 Jahren im Kreise seiner Familie. Bis zuletzt schrieb Bauman über unsere Zeit. Die, wie er in diesem gut ein Jahr zurück liegenden Interview mit dem ORF sagt, aus den Fugen geraten ist. Die Erosion fester, verbindlicher Strukturen ist Kennzeichen unserer „flüchtigen Moderne“, wie es der Name seines Hauptwerks auf den Punkt bringt, einer Epoche, die aus Baumans Sicht eigentlich gar keine ist, sondern eher ein Dazwischen, ohne Horizont, der vermuten lässt, was kommen mag. Eine entsolidarisierte Zeit, die Gewinner und Verlierer, Profiteure und Abgehängte hervorbringt. Neben seinen klaren Gedanken, die auch für sich außerhalb der Academia bewegende Subjekte nachvollziehbar sind, zeichnet Bauman eine große Philanthropie aus. Der Welt wird dieser Humanist fehlen.

Wir müssen, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, bekennen, dass wir vor den Trümmern einer Ordnung stehen, die seit Jahrhunderten als Ideal verherrlicht wurde.

Die Zeit ist aus den Fugen
Ein weiteres, lesenswertes Gespräch mit Zygmunt Bauman hier

Wochenend-WalkmanDiesmal mit Dungen, Night Moves und The xx

Mix der Woche: MoiréEin Herz für Lo-Fi