Leseliste 18. Dezember 2016 – andere Medien, andere ThemenSchlafen, Bedingungsloses Grundeinkommen, Pebble und die Tat in Freiburg

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photo credit: masauve Florence via photopin (license)

Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Leseliste 18122016 SChlafen

Foto: patrikmloeff Agra 2005 via photopin (license)

Schlafen

Die vermeintlich einfachste Sache der Welt ist zu einer der komplexesten Angelegenheiten unserer Gesellschaft geworden: das Schlafen. Viele Menschen haben Schlafprobleme. Es gibt Menschen, die zu viel arbeiten und über Schlafmangel klagen, was bis zum Tode führen kann. In 2013 starb ein indonesischer Texter mit 24 Jahren, nachdem der 30 Stunden am Stück mit literweise Energydrinks durchgearbeitet hat. Der Autor James Hablin hat ein Buch geschrieben: in „If Our Bodies Could Talk: A Guide to Operating and Maintaining a Human Body.“ recherchiert er aktuelle Forschungen, ihre Geschichte und wie man wirklich mit dem Körper umzugehen hat. Bei The Atlantic gibt es einen Auszug des Buches zu lesen. „How To Sleep“ geht der Frage nach, was das überhaupt heißt, zu schlafen. Was unsere Kulturtechniken wie Kaffee trinken zum Wachbleiben oder Rotwein zu trinken zum Einschlafen wirklich anstellen. Und was Smartphones mit unseren Schlafproblemen zu tun haben.

„I can’t sleep. Is my phone really keeping me up? Should I seriously not be reading my phone in bed? That seems impossible.“

How To Sleep

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Timo Daum

Kommt die Lebenshaltungsflatrate?

Der Begriff „Digitalisierung“, er wirkt so alt, und doch ist er zurzeit allgegenwärtig in der Wirtschaftswelt. Der Begriff „Bedingungsloses Grundeinkommen“, er wirkt noch was älter, und doch folgt er dem Erstgenannten, denn im Zuge der Automatisierung und Computerisierung ganzer Branchen wird der Ruf nach einem Basisgehalt ohne Wenn und Aber lauter und lauter. Timo Daum, Autor unserer Reihe „Understanding Digital Capitalism“, hat für die „Berliner Gazette“ aufgeschrieben, wo die Idee herkommt und wo sich die Debatte um das Bedingungslose Grundeinkommen gerade steht – zwischen Rettung der durch Technizität Ausgemusterten, der Ziehung von Bedingungs-Losen und einer besseren Zukunft für alle nach dem Motto „lasst uns weniger arbeiten, es gibt genug zu tun“. Wir haben das Thema dieses Jahr schon mal in der Leseliste gehabt und zwar – immer noch lesenswert – hier.

„Wie wird das Grundeinkommen wohl aussehen, wenn es denn kommt?“

Sozialstaat durch Crowdfunding?

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Foto: getpebble.com

Outsmarted

Für ein paar Jahre war Pebble eine der großen Überraschungen im Silicon Valley. Das Unternehmen, von Eric Migicovsky aus einem Inkubator heraus gegründet, stand für smarte Technik – genauer Smartwatches –, die mit Hilfe der Crowdsourcing-Community zum Leben erweckt wurde. War Pebble die erste Smartwatch überhaupt? Natürlich nicht. Die erste ernstzunehmende? Vielleicht schon. Mit 600 Millionen US-Dollar wurde Pebble bewertet. Verkaufen wollte Migicovsky zu diesem Zeitpunkt nicht. Nun jedoch hatte er keine andere Wahl mehr. Nach sinkenden Verkaufszahlen und Entlassungen hat er seine Firma, oder das, was von ihr übrig ist, für – so wird angenommen – weniger als 40 Millionen Dollar an den Mitbewerber Fitbit verschachert. Er selbst geht leer aus. Die Produkte gibt es nicht mehr, der Kundendienst wird eingestellt. Fitbit will nur die Idee, die Software und einige wenige Mitarbeiter. Steven Levy hat Migicovsky nach der Übernahme getroffen und interviewt. Ein bemerkenswertes Porträt und ein interessanter Einblick, wie das Valley mittlerweile funktioniert. Die Startup-Kultur ändert sich rapide. Und wer auf Crowdsourcing setzt, macht sich keine Investor-Freunde.

„After the Kickstarter we tried to raise money and we were unable to.“

The Inside Story Behind Pebble’s Demise

Bundesrichter Thomas Fischer Leseliste Dezember 122016

By Ot (Own work) CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

11 Bemerkungen zu der Tat in Freiburg

Wieder hat es die Rechts-Kolumne von Bundesrichter Thomas Fischer aus der ZEIT in unseren sonntäglichen, digitalen Zeitungsständer geschafft. Diesmal geht’s um den Mord in Freiburg und vor allem um das Medien-Brimborium bezüglich der eigentlich absurden Frage: Berichterstattung, ja oder nein? Elf, mehr oder weniger in sich geschlossene Bemerkungen macht Fischer zum Geschehen, sprachlich bisweilen noch schärfer als sonst und wie immer inklusive der plötzlichen Abzweigungen und Einwürfe, die seine Gedanken- und Argumentationslinien manchmal nehmen. Aber am Ende hat man genau elf mal gedacht: Treffer – versenkt. Wenn zum Beispiel die Absurdität des eigentlichen Vorwurfs der Nicht-Berichterstattung und den (noch absurderen) Versuchen der Rechtfertigung so beschrieben wird:

„Da sie aber nicht gesprochen haben, also nicht dann, wann sie hätten sprechen sollen, und als sie dann sprachen, nicht so, wie sie hätten sprechen sollen, also nicht nur darüber, warum sie nicht gesprochen hatten, sondern auch darüber, warum sie jetzt sprechen würden – also zu spät sprachen –, war alles vergebens.“

Kein "Mord wie jeder andere"

Wochenend-WalkmanDiesmal mit John Beltran, Submerse und Little Simz

Review: Apple AirPodsPopelige Nöpsis als Technikwunder