Leseliste 08. Januar 2017 – andere Medien, andere ThemenPutins Pläne, warum Technics DJs nicht mehr will, Journalismus 2017 und 10 Jahre iPhone

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Foto: tobiasbegemann reading newspaper via photopin (license)

Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

Moskau LL 08012017

photo credit: mariusz kluzniak classic view of moscow via photopin (license)

Was Putin wirklich vorhat

Für die amerikanische Plattform Politico hat Molly K. McKew einen umfangreichen und lesenswerten Artikel über die Politik von Vladimir Putin geschrieben. Für viele sind seine Aktivitäten in der Ukraine, Syrien globalpolitisch nicht nachvollziehbar, auch scheint den hiesigen Medien und vor allem Lesern oft nicht klar, was Russland auf lange Zeit wirklich vorhat und was die Motive sein könnten. McKew ist politische Beraterin für Regierungen und Parteien für strategische Kommunikation und Auslandspolitik. Von 2009-2013 gehörte sie zum Beraterstab des georgischen Präsidentin Saakashvili. 2014-2015 beriet sie den früheren moldauischen Premierminister Filat.

„The West must accept that Putin has transformed what we see as tremendous weakness into considerable strength. If Russia were a strong economy closely linked to the global system, it would have vulnerabilities to more traditional diplomacy. But in the emerging world order, it is a significant actor – and in the current Russian political landscape, no new sanctions can overcome the defensive, insular war-economy mentality that the Kremlin has built.“

Putin’s Real Long Game

Technics Plattenspieler LL 08012017

Foto: Das Filter

Der Technics und die DJs

Dass Panasonic den guten, alten 1200er-Plattenspieler wieder baut wurde so lange weltweit von Fans beklatscht, bis die Preis- und Modellpolitik durchsickerte. Teuer. Noch viel teurer als früher, ein Luxusobjekt, das man lieber mit Samthandschuhen anfassen und an die Slipmats und Ortofon-Bananen nicht mal denken sollte. Panasonic hat die DJs für den Neustart des Plattenspieler nicht im Blick. Ganz bewusst, wie Jonathan Soble in der New York Times erklärt. Allein das ist ja schon interessant und markiert die kulturelle Relevanz des legendären Plattenspielers. Column inches in der NYT für einen turntable? Bähm. Erst jetzt wird langsam klar, welchen Plan Panasonic mit der Wiederbelebung der Technics-Marke wirklich bezweckt: den wohlsituierten Audiophilen ein teures Gesamtpaket verkaufen. Der Plattenspieler ist nur eine Komponente des musikalischen Cocooning in den heimischen vier Wänden. Und in diesen vier Wänden leben keine DJs. Aus Marketing-Perspektive macht die Strategie von Panasonic Sinn. Auch wenn der Aufschrei damals, als die Produktion der Plattenspieler eingestellt wurde, groß war: Plattenspieler stehen beim DJing kurz vor der endgültigen Bedeutungslosigkeit, da können die Vinyl-Verkäufe sich noch so positiv entwickeln. Warum man die Fans der Turntable-Legende aber offenbar bewusst außen vor lässt und diesen Markt Pioneer, Numark oder Audio-Technica überlässt? Platten hören sei wie eine Tee-Zeremonie wird ein Panasonic-Manager im Text zitiert. Das erklärt vieles.

„We don’t want to sell the 1200 as the best tool for DJing.“

A Turntable Reborn Turns Its Back on Its Hip-Hop Legacy

Stefan Ploechinger Wiki Leseliste Januar 2017

By Alexander Svensson (Am Zug II) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Journalismus 2017: Neue Wege gegen Lügen

Die Wahrheit ist am Ende – so könnte man 2016 zusammenfassen, ganz ungelogen. Wir sprechen vom Postfaktischen und beschweren uns über Fake-News, deren Problematik schon in der Vokabel anfängt, handelt es sich doch in keinster Weise um „News“, sondern schlicht und ergreifend um Lügen. Der angehende US-Präsident scheute die Lüge nicht, die Brexit-Kampagne fußte quasi komplett auf einer Lüge (die etwas mit den Zahlungen in Richtung EU zu tun hatte). Auch hierzulande wäre die AFD schon in der Regierung, wenn Sitze im Bundestag nach Nasenlänge vergeben würden. Stefan Plöchinger, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, fordert einen neuen Umgang mit Lügen, Trump’schen Ausbrüchen und den digitalen, bzw. sozialen Medien im Allgemeinen. Kluge Worte.

„Es gibt in der Gesellschaft große Erwartungen in uns Journalisten, aber wenig Wissen über unsere Arbeit. Das ist keine gute Kombination. Wer Anti-Stimmung gegen alles mögliche „Etablierte“ machen will, kann solches Unwissen schnell ausnutzen. Wir müssen uns und die Welt besser erklären.“

Was 2017 zählt

10 jahre iphone

Foto: Das Filter

iPhone-Dekade

Kinder, wie die Zeit vergeht. Schnell, langsam? Gefühlssache. Situative Betrachtung. Doch fast kommt es einem heuer vor, als habe es nie eine Prä-Smartphone-Ära gegeben. Das Apple-Smartphone steht sinnbildlich für unsere Zeit. Zehn Jahre iPhone: Holm Friebe blickt zurück. Sein Fazit: Apple hat sich mit dem Gerät totgesiegt, sehen doch alle Geräte heute aus wie das iPhone. Doch Zeltplätze gibt es zum Release eines neuen Jahrgangs längst nicht mehr, das Statussymbol ist more-than-Mainstream, so wie Sushi längst in der Bahnhofsvorhalle verkauft wird. Apple gleich IKEA gleich Malediven-Urlaub. Kann jeder. Solange es die Malediven noch gibt jedenfalls. Klingt total logisch, aber – wie die Zeit vergeht – es mutete vor zehn Jahren ganz anders an, als die ersten iPhones in unseren Peergroups auftauchten.

„Das iPhone ist zum Prolo herabgesunken. Jeder Bewohner eines Plattenbaus, der sich einen 3er BMW als Statussymbol leistet, kann sich auch ein iPhone leisten.“

Zehn Jahre stehender Sturm

Wochenend-WalkmanDiesmal mit Slum Village, AtomTM und The KLF

Mix der Woche: Peanut Butter WolfR.I.P. 2016