Leseliste 19. Februar 2017 – andere Medien, andere ThemenKGB-Doppelleben, Fakenews-Schmiede, Hinterhof-Raven in L.A. und Erotik im Islam

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Man kann nicht alle interessanten Texte finden, die die ganze Woche über publiziert werden, geschweige denn lesen. Immer sonntags stellt die Redaktion an dieser Stelle vier bemerkenswerte Artikel vor, die über unsere Displays geflimmert sind und dabei zum Glück abgespeichert wurden.

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Doppelleben KGB-Agent

Albert Dittrich wurde 1949 in Ostdeutschland nahe der polnischen Grenze geboren, war überzeugter Kommunist und zeigte früh Talent für die Arbeit im Geheimdienst. Bald schon wurde er vom KGB rekrutiert und in den 1970er Jahren als Spion für ein supergeheimes Programm in die USA geschickt. Damals gab es weder Internet, noch Mobiltelefone, die man hätte abhören können. Spionage war in der Hochphase des Kalten Krieges daher harte Handarbeit. Dittrich verließ dafür seine Familie und einen Sohn in der früheren DDR. Als Jack Barsky baute sich der Spion ein Doppelleben auf. Auch in Amerika gründete er später eine Familie, bekam Kinder. Ein Leben, das so nicht lange aufrecht gehalten werden konnte und später katastrophal zusammenstürzt. Shaun Walker hat für den Guardian die spannende Geschichte des KGB-Doppelagenten nachrecherchiert.

„Barsky’s story is a timely reminder of the immense resources the Russians were willing to expend during the cold war in their bid to embed agents in enemy territory. Hacking was not an option, and casual travel between Moscow and the west was much harder. 'As I’m talking about this stuff, it feels unreal,' he says of his convoluted journey from East Germany to the US. 'It feels as if it wasn’t me. But it was.'“

'I thought I was smarter than almost everybody': my double life as a KGB agent

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Fake news made in Macedonia

Boris, so sein Name für diese Reportage, ist 18 und lebt in Veles in Mazedonien. Der kettenrauchende junge Mann braucht Geld, er will auch einen BMW wie der Typ aus seinem Kaff, der mit einer Healthy-Eating-Seite richtig Asche macht. Also fängt er an, Trump- und Clinton-Gerüchte an den Haaren herbeizuziehen und auf eigenen Wordpress-Seiten zu veröffentlichen. Er verdient damit binnen Wochen zehntausende von US-Dollar durch Google-Werbung. Und rüttelt damit ganz nebenbei den US-Wahlkampf durcheinander. Was im Rahmen der Berichterstattung allerdings mitunter wie eine gezielte politische Aktion dargestellt wurde, ist durch und durch apolitisch. Es geht einfach nur darum, Geld zu verdienen in einer Gegend der Welt, in der es sonst kaum noch Möglichkeiten gibt, das zu tun. Bei 24% Arbeitslosenquote und einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 371 Dollar. Ein ganz guter Deal, der am Ende wieder etwas Politisches hat. Wired hat die Story.

„These Macedonians on Facebook didn’t care if Trump won or lost the White House. They only wanted pocket money to pay for things—a car, watches, better cell phones, more drinks at the bar.“

Inside the Macedonian fake news complex

Backyard-Partys in L.A.

L.A. ist bekannt für seine Beatscene, Brainfeeder, Flying Lotus, John Tejada wohnt schon eine Weile dort, Bonobo ist mittlerweile nachgezogen. L.A. ist derzeit ziemlich angesagt und schon lange eine Größe in Sachen elektronischer Musik. Dass es dort in den 80ern allerdings schon eine ziemlich aktive, junge Rave-Szene mit lateinamerikanischen Wurzeln gab, die in den Hinterhöfen erst zu Disco, dann hi-NRG und schließlich zu House und Techno tanzte, wissen nur wenige. Resident Advisor widmet den Party-Crews der damaligen Zeit ein langes Feature, spricht mit Protagonisten und DJs für die Backyard-Partys vor allem eines bedeuteten: Eine kurze Pause von der alltäglichen Gewalt in L.A.s eher nicht so schicken Districts.

„The drama behind the decks reflected a chaotic scene that could explode into violence or transcendence, depending on the day. Meraz's thesis, written in 2004, names the various subcultures represented in east side backyards: ‚The Rebels, Wildstyle, Mods, GQs and The Cha Chas.‘“

East Side story: LA's backyard party scene

Sex und Erotik im Islam Leseliste Februar 2017

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Sex und Erotik im Islam

Erotik im Islam? Schwieriges Thema, allein die Diskussion darüber ist für viele schon unvorstellbar. Ali Ghandour, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Münster hat ein Buch darüber geschrieben. „Lust und Gunst: Sex und Erotik bei den muslimischen Gelehrten“ heißt das Werk, dessen Essenz er bei ZeitONLINE umreißt. Kernbotschaft: Sex und Erotik waren fester Bestandteil von Dichtkunst und Literatur, auch Knabenliebe war ein offenes Thema. Im Zuge der Kolonialisierung und Industrialisierung wurde der Islam immer mehr zum Instrument zur Herstellung gesellschaftlicher Ordnung, Sex und Erotik wurden aus der islamischen Lehre verbannt.

„Den Islam wie eine Ideologie zu behandeln, mit der man einen modernen Staat führen und regieren kann, hat dazu geführt, die zivilisatorische Seite des Islams zu kastrieren. Ein Gelehrter wie Al-Nabulsi (gestorben 1731) wäre im heutigen Saudi-Arabien oder Iran nicht in der Lage, sein Buch ‚Der edle Zweck der Liebe‘ zu veröffentlichen.“

Das muslimische Kamasutra

Finnische PropagandaBerlinale 2017: „Die andere Seite der Hoffnung“ von Aki Kaurismäki

Bill Gates fordert Roboter-SteuerGute, aber unpopuläre Gründe