Vinyl-Talk: Die frühen Pink FloydHerrmann und Kim auf den Spuren des Progrock

Pink-Floyd-lead

Pink Floyd galten einst als allergrößte Band aller Zeiten. Für viele sind sie es noch immer. Ji-Hun Kim mag die Band seit Teenager-Zeiten. Für Thaddeus Herrmann handelt es sich um ein Buch mit allzu vielen Siegeln. Kürzlich sind die ersten vier Alben der britischen Sound-Pioniere – dem Schallplatten-Hype sei Dank – aufwendig remastered und auf edles 180-Gramm-Vinyl geschnitten worden. Ein guter Grund, sich durch das – den Rezensenten unbekannte – Frühwerk der Rock-Giganten zu hören. Ein Vinyl-Gespräch über offenkundige Unkenntnis von Rock-History, Westberlin-Nostalgien, Musik von Vätern und vermeintlich unnötige Reissues.

Pink Floyd - Piper At The Gates Of Dawn

The Piper At The Gates Of Dawn (1967)

Thaddeus Herrmann: Aha, das ist doch die Melodie des ARD-Brennpunkt. Schon gleich zu Beginn also ein Beweis dafür, dass ich mich überhaupt nicht mit Pink Floyd auskenne. Tolle Sache, wie dieser Track so dark startet und dann genau in die Ecke driftet und sich entwickelt. Ich verstehe diese Art Musik aus den 1960ern nicht. Oh, aber jetzt wird es so beatig. Mit Western-Einschlag.

Ji-Hun Kim: Wieso hasst du eigentlich Pink Floyd?

Thaddeus: Ich hasse die Band überhaupt nicht. Ich kenne sie einfach nicht und habe nie das Bedürfnis verspürt, mich mit ihr auseinanderzusetzen. Ich hatte meine erste Begegnung mit der Band zu Schulzeiten, also in der 2. Hälfte der 80er. Mein Banknachbar war großer Fan, und ich fand keinen rechten Zugang. Natürlich spielte er immer nur „The Wall“ und nicht das Frühwerk, also nicht diese Platte hier. „The Wall“ war für uns damals natürlich ein offensichtlicher Anknüpfungspunkt. Großes Thema, und dann noch in Westberlin, so die Mauer ja omnipräsent war. Auch wenn sie mich gar nicht gestört hat. Die Band spielte dann ja genau dieses Album vor dem Reichstag, im Sommer 1990, als der Teilungs-Drop gelutscht war. Aber ja, ich habe nie das Bedürfnis verspürt, bei Pink Floyd zu graben.

Ji-Hun: Du eher so New Wave oder was?

Thaddeus: Yoah.

Ji-Hun: Das ist ja auch die Ära Syd Barrett. Da kenne ich mich gar nicht aus. Ich kenne hauptsächlich die Sachen mit David Gilmour. Ich habe als Schüler sogar mal eine Bootleg-CD mit 60er-Sachen von denen geklaut. Da war aber nichts zu holen. Das hier gefällt mir aber gut.

Thaddeus: Ja, dieser Track hier, „Lucifer Sam“, der ist doch ganz nett.

Ji-Hun: Was halten wir denn von den ganzen 180-Gramm-Remaster-Deluxe-Vinyls, die man vielleicht auch einfach auf dem Flohmarkt schießen könnte?

„Das hier klingt schon sehr gut, fast wie CD.“ (Ji-Hun Kim)

Thaddeus: Natürlich nimmt das Überhand. Immer noch. Pink Floyd ist aber auch prädestiniert für solche Neuauflagen, diese Platte haben Geschichte und die Band hatte ja auch immer einen sehr speziellen Sound, der eine Neuauflage und einen neuen Umschnitt vielleicht sogar rechtfertigt. Ob man diese Platten so ohne weiteres auf dem Flohmarkt findet, weiß ich gar nicht. Man darf aber nicht vergessen, dass während der Goldenen Ära der Schallplatte mit ihr auch viel Schindluder getrieben wurde. Will sagen: Die italienische Pressung klingt vielleicht furchtbar, während die aus Mexiko brillant ist. Wenn man das jetzt mit einer Runde Neuauflagen harmonisiert und wirklich auf einen soliden Cut achtet, ist das eine gute Sache. Ich kann mich aber auch komplett irren und Pink Floyd klangen auf Vinyl immer hervorragend. Haben die nicht mit einem deutschen Cutter von der EMI in Köln gearbeitet?

Ji-Hun: Das klingt hier jedenfalls schon sehr gut. Sorry to say: fast wie CD. Dieses Stereobild gibt es heute ja nicht mehr so oft.

Thaddeus: Habe ich das richtig verstanden? Das ist die erste LP der Band überhaupt? Du kennst dich da aus.

Ji-Hun: Mal schauen, was Wikipedia sagt. Ja, bestätigt. Wie kurz die Songs sind im Vergleich zu den späteren Progrock-Sounds. Da gab es auch gerade mal die Beatles und die Byrds und Rock befand sich noch in den Kinderschuhen. Ich würde sagen, dass das hier generell schon besser klingen dürfte, als eine alte Flohmarkt-Platte. Ich sollte mal nach einer alten Platte gucken. (kramt eine Schallplatte aus dem Regal und legt sie auf)
So, das ist jetzt die „Atom Heart Mother“ in einer Pressung von 1974. Relativ gut erhalten. Kratzt zumindest nicht so richtig. Klingt jetzt aber auch nicht viel schlechter. Bisserl weniger Höhen vielleicht?

Thaddeus: Absolut. In der Gesamtheit dichter, mittiger. Drückt mehr. Kann aber auch von diesem orchestralen Grundsound herrühren. Man, ist das eine Klangorgie. Was interessiert dich an Pink Floyd überhaupt? Welche Platte war ausschlaggebend?

Pink Floyd 02

Ji-Hun: Wieso ich Pink Floyd mag? Der Vater eines guten Freundes hat mich, als ich 13/14 war, zu meinen ersten Konzerten überhaupt mitgenommen. ’93 war ich bei Genesis im Gelsenkirchener Parkstadion und ’94 dann auf der „Division Bell“-Tour, auch auf Schalke. Was ich damals auf dem Konzert gesehen habe, hat mich einfach total umgehauen und bis heute habe ich wenig Konzerte gesehen, die so toll ausproduziert waren. In den 90ern waren Pink Floyd ja alles andere als cool. Aber der Musikgeschmack des Freundvaters hat mich geprägt. Ich erinnere mich, wie in dem Jahr auf dem Pay-TV-Sender Premiere ein Konzert der Tour in London lief, ich habe die halbe Nachbarschaft nervös gemacht, bis ich jemanden gefunden hatte, der mir das auf VHS aufnimmt. Ich habe das Konzert ungelogen hunderte Male gesehen, meine Eltern und mein Bruder dachten, ich drehe jetzt total durch und irgendwie wollte ich dann auch selber Musik machen, so Gitarre spielen wie David Gilmour. „Dark Side of the Moon“ und „Wish You were here“ kam alles erst später. Wobei der erste Pink-Floyd-Song war wohl „Another Brick in the Wall“. Den hatte mein Vater auf einer Autokassette, lief im Hollandurlaub rauf und runter. Da waren auch „Heart of Glass“ von Blondie und „Funky Town“ drauf. Ich wusste aber nie, dass das Pink Floyd waren und als Kind fand ich den Song irgendwie doof. So zurück zu den Remasters?

Pink Floyd Saucerful of secrets

A Saucerful Of Secrets (1968)

Thaddeus: In welches Jahr wagen wir uns vor?

Ji-Hun: 1968. Jedes Jahr ein Album. Das macht heute auch keiner mehr. Dachte erst, das wäre das Bass-Sample von „Block Rocking Beats“ der Chemical Brothers.

Thaddeus: Der Soundtrack der Studentenbewegung. Sehr schön tüdelig in der Orgel.

Ji-Hun: Manchmal frage ich mich, ob ich nicht auch lieber Teenie in den 60ern gewesen wäre. Alles noch so neu, die ersten Joints überhaupt und so. Du?

Thaddeus: Nein danke. Lange Haare stehen mir nicht.

Ji-Hun: Glaub ich ja gar nicht. Hattest du nie eine Matte?

„Das war die Zeit, in der sich die Elektronik ganz langsam enthippisierte.“ (Thaddeus Herrmann)

Thaddeus: Ich habe von Natur aus „volles“ Haar. Ich versuch’s anders: Cordhosen stehen mir nicht. Ich war ganz zufrieden, in den 80ern aufzuwachsen. Das hat schon gepasst. Aber es ist interessant darüber nachzudenken, wie man diese Musik wohl in Echtzeit wahrgenommen hätte. Das war ja auch die Zeit, in der sich die Elektronik ganz langsam enthippisiert hat. Ob man da Interesse dran gehabt hätte und im schwer verqualmten Westberlin mit den Tangerine Dreams rumgehangen hätte? Ich kann mir das nicht so recht vorstellen. Die hier, die klingt übrigens auch ganz gut. Und das breite Stereobild ist auch immer noch präsent. Wer hat diese Platten eigentlich produziert?

Ji-Hun: Ein Norman Smith. Bei dem Album war Syd Barrett auch schon nicht mehr dabei. Der hat die Band wegen psychischer Probleme verlassen. Hat wohl zu viel LSD genommen. Heute gibt es ja eine Fraktion, die sagt, Pink Floyd mit Barrett wären die besseren gewesen, aber wenn man sich anschaut, dass es offenbar nur ein Album gab, spielt da auch viel Romantik und Nostalgie mit. Die späteren Epos-Pink-Floyds sind schon zu erkennen.

Thaddeus: Komisch, das sagt über das erste Album von Depeche Mode mit Vince Clarke niemand.

Ji-Hun: Haha, echt jetzt?

Thaddeus: Ich kenne niemanden. Um mal auf die Musik zu kommen. Dieser Track hier, „Remember The Day“ ist ziemlich stellvertretend für den Sound, den ich mit dieser Ära assoziiere. Mir will das nicht einleuchten. Eigentlich ganz kleine Songs, und auch gute Songs, nur sehr aufgeblasen produziert und ausufernd. Man! Die werden nie fertig da im Studio. Soll denn das!?

Ji-Hun: Total. Was hat deine Mutter für Musik gehört?

Thaddeus: Gar nichts. Leider. Bei meinem Papa im VW Golf lief immer Simon & Garfunkel. Das fand ich ganz cool.

Ji-Hun: Kann man auch machen. Aber ich finde es ja ganz hübsch, dass man sich 2016 überhaupt mal hinsetzt, um eine Schallplatte auf einer Stereoanlage zu hören. Macht man selbst als vermeintlicher Musikkenner ja immer seltener, was schade ist, aber irgendwie unvermeidlich, oder was sagst du? Du hörst ja wahrscheinlich viel Musik beim Laufen.

Thaddeus: Das ist auch mehr oder weniger die einzige Zeit am Tag, wo ich ungestört dazu komme. Ich bespreche das Thema aktuell mit einigen Menschen, die, wie wir, mit der Schallplatte aufgewachsen sind und Schritt für Schritt merken, dass sie trotz allem Respekt und Liebe zum Medium eben dieses eigentlich nicht mehr in ihrem Leben brauchen, bzw. es nicht mehr in ihrem Leben unterbringen können. Das ist sehr schade. Aber: Dein Expedit ist genau wie meins: Voll mit Platten und fragwürdiger Ordnung. Findest du noch was? Ich bei mir zu Hause immer seltener.

Ji-Hun: Hast du das mit Radiohead mitgekriegt? Die haben zur aktuellen Platte ja Listening Sessions in Kinos gemacht. Hier in Berlin zum Beispiel im Babylon. Dann treffen sich 200 Menschen, um zusammen eine Schallplatte zu hören und bezahlen auch noch fünf Euro dafür. Irgendwie liebenswert, aber auch strange, nicht?

Thaddeus: Ohne die fünf Euro wäre es besser, ja. Das Prinzip ist sehr charmant.

Ji-Hun: So lange man es nicht in Istanbul macht. Dort wurde die Listening Session von 20 Männern mit Eisenstangen und kaputten Flaschen gestürmt, weil dort Alkohol getrunken wurde. Merke: Vinyl hören ist heute sogar richtig gefährlich.

Pink Floyd More

More (1969)

Ji-Hun: Das ist jetzt ein Soundtrack. „More“ nennt sich der Film, hab aber keine Ahnung, was in dem Streifen vorkommt. Du?

Thaddeus: Keinen Schimmer. Das Vogelgezwitscher ist aber sehr nett. Ist es eigentlich despektierlich, so unwissend über eine so große Band zu schwadronieren? Ich fühle mich gerade ein wenig merkwürdig dabei.

Ji-Hun: Iwo. Ich fände es eher despektierlich, wenn man so eine Musik gänzlich ignorieren würde. So hat eine Reissue vielleicht dann doch was. Man muss sich ja damit abfinden, dass es unmöglich ist, jede Musik zu kennen. Das ging bis in die 70er vielleicht noch. Und wirst du noch zum Fan?

Thaddeus: Das Stück ist sehr toll. Aber gleich Fan? Ich weiß nicht.

Ji-Hun: Ich kann mir vorstellen, dass dieser Soundtrack für die Entwicklung der Band wichtig gewesen ist. Erstmalig wird es ambient, cineastisch, elegisch. Bis jetzt waren die Alben und Songs doch eher knackig und skizzenhaft. Mensch, jetzt würde ich aber auch gerne den Film laufen haben. Auf iTunes und Netflix kann man so was ja lange suchen.

Thaddeus: Was ich hier mag, ist die Eleganz. Die vermisse ich bei Rockmusik generell. Höre ich einfach nicht. Und wenn Musik nicht elegant ist, ist sie für mich nicht interessant. Das ist mein Grundproblem, warum ich mit solchen Bands nicht so recht klarkomme. Es ist einfach nicht meine Ästhetik und ich kann und will mich da nicht reindenken. Leider hält das Ambient-Versprechen dieser Platte nur einen Track lang. Doof.

Ji-Hun: Abwarten. Aber Rock war damals gerade im Kommen und auch einfach angesagt. Witzig, dass wenn man sich so einen Backkatalog vornimmt und die Platten historisch einordnet, wie dann plötzlich alles wieder Sinn macht. So wie meinetwegen Depeche Mode ihre ersten „Techno-Alben“ gemacht haben.

Thaddeus: Ich habe sie GEHASST! Und weiß genau, was du meinst. Oft ist die zeitliche Diskrepanz dann aber einfach zu groß, um sich das nachträglich draufzutun. Eine Episode aus der Reihe „Da muss man wohl dabei gewesen sein”. Es gibt immer Schnittmengen, Momente, in denen es dann plötzlich doch funktioniert, aber generell perlt dieser Sound an mir ab. Ich verstehe, dass das gut gemacht ist und historisch interessant, es kickt mich aber nicht.

Pink Floyd Breaker

Ji-Hun: Stell dir vor, wir sitzen da mit langer Mähne, Roth-Händle und Cordjacket kurz nach der APO-Demo und nerden ab: „Ey, Pink Floyd machen jetzt voll Rock. Urst modern!“

Thaddeus: Wo sitzen wir denn?

Ji-Hun: Neben Langhans auf der gammligen Matratze natürlich. Westberlin war doch bestimmt voll witzig zu der Zeit. Wenn ich jetzt rausschaue auf den Görlitzer Park: Hach, ich werde doch nostalgisch. Mir taugt die Zukunft gerade nicht so.

Thaddeus: Hier in der Gegend war ja auch nicht viel los. Grau und leer. Ganz geil eigentlich. Vielleicht sind die Neuauflagen dieser frühen Platten von Pink Floyd ja genau das: ein gezielter Anstupser, um sich an früher zu erinnern, die Musik ist lediglich ein Auslöser, die eigentliche Erfahrung geht aber weiter. Tiefer. Das klang doch jetzt ganz gut hingekifft, oder?

Ji-Hun: Jau. Ich finde das Drumming von Nick Mason gerade ziemlich geil, womit ich natürlich wieder stolz angeben muss, dass ich den mal getroffen habe. Und überhaupt, das klingt gar nicht so sehr nach Soundtrack, schon eher nach Album und einer Zäsur im Gesamt-Sound. Recht modern und komplex. Also nicht mehr so psychedelisch-trashig wie in den Alben zuvor, die wir gehört haben.

Thaddeus: Ha! Rewind! Da war ein Rewind! Keine üble Platte, da kann ich nur zustimmen. Und an alle da draußen: Der Ji hat sogar ein Autogramm von Mason!!

Ji-Hun: Sogar zwei! Aber dieser Akustiksong „Green is the colour”: Quasi die Blaupause zu „Wish You Were Here“, dem wohl größten Hit der Band.

Thaddeus: Jetzt wird es kosmisch. Warum hat Jean-Michel Jarre eigentlich nie was mit denen zusammen gemacht?

Ji-Hun: Ich glaube, der war denen einfach nur zu schlecht, ehrlich.

Thaddeus: Geht klar. Der Track hier, das „Main Theme”, ist wirklich toll. Das ganze Album scheint in der Tat eine Zäsur zu sein, wie du schon gesagt hat. Hier ist eine Band im Umbruch. Hin zum Guten. Gefällt mir!

„Ich breche hiermit eine Lanze für guten Progrock! “ (Ji-Hun Kim)

Ji-Hun: Ich gewinne ja auch gerade den Glauben an Progrock zurück. Da wurde viel gute, auch handwerklich gute Musik gemacht. Das hat alles nur leider den Charme eines schimmeligen Käsebrötchens, weil die Typen, die das damals gehört haben, so ein schlechtes Image haben. Aber auch die sterben ja langsam aus und als ich kürzlich Floating Points live gesehen habe, habe ich da auch viel Pink Floyd erkannt. Ich fange gerade auch wieder an, alte Genesis-Platten zu hören und finde die erstaunlich gut. Wenn ich das irgendjemandem erzähle, denken die nur an „Jesus he knows me“ und glauben, ich gebe jetzt vollends meinen Verstand ab. Ich breche hiermit eine Lanze für guten Progrock!

Thaddeus: Das lassen wir doch genauso stehen, würde ich vorschlagen. Hören wir jetzt noch ein bisschen Techno?

Ji-Hun: Ne, noch kurz die „Ummagumma“ anmachen.

Pink Floyd Ummagumma

Ummagumma (1970)

Ji-Hun: Eine Platte mit einem ganz hervorragenden Cover. Die Designs wurden ja immer von Hipgnosis gemacht. Sozusagen die Designers Republic von damals. Ist auch ein Live-Album. Den Song haben wir schon gehört. Aber live war die Band ja immer ein Spektakel, ich erinnere mich, wie der eingangs erwähnte Vater meines Freundes mal von einem Konzert aus der Zeit in Kopenhagen berichtet hat. Da haben Pink Floyd in einem Zirkuszelt gespielt und unter den Sitzen Lautsprecher verbaut, so dass ein epischer Rotary-Effekt unter den Ärschen der Zuschauer hinweg gedonnert ist. Wer macht so was noch?

Thaddeus: Haben die am Ende die Klanginstallation erfunden?

Ji-Hun: Klanginstallation wäre fast infam. Nee, das ist einfach die Speerspitze von Live gewesen und ist es heute noch immer. Ich habe in den letzten 20 Jahren ja einige Stadienkonzerte und noch viel mehr Festival- und Clubkonzerte gesehen. Aber das, was ich ’94 mit der Band erlebt habe, ist noch immer ein Ereignis, das will ich nicht missen. Das Ticket hat unfassbare 70 Mark gekostet. Heute kostet Beyoncé ein Zehnfaches.

PinkFloyd Closer2

Thaddeus: Ich mag Live-Alben ungemein. Aber nur dann, wenn man das Publikum auch hört. Fehlt hier. Schade.

Ji-Hun: Da geht es mir ja anders. Live-Alben haben nie einen großen Reiz auf mich ausgeübt. Aber wer will auch den Plebs bei solchen Alben gröhlen hören. Ist wohl eine Frage der Attitude. Aber sich durch den frühen Pink-Floyd-Katalog durchzuhören war alles in allem doch besser als erwartet. Eine gute Erfahrung. Vor allem mit dem alten Popper Thaddi.

Thaddeus: Bin nicht geflasht, aber auch nicht gelangweilt. Wenn sich die Chance ergibt, beschäftige ich mich vielleicht wirklich mal mit Pink Floyd. Gibt es ja hoffentlich auch beim Streaming-Anbieter meines Vertrauens.

Ji-Hun: Mittlerweile glaub ich ja. Dafür darfst du mir auch eine Band aufdrücken. Wer wird’s?

Thaddeus: Ich hab’s! Fields Of The Nephilim. So eine Gruft-Band der C-Liga. Die aber, und hier schließt sich der Kreis, 1990 ein Album namens „Elizium“ gemacht haben. Produziert von Andy Jackson, der auch viel mit Pink Floyd gearbeitet hat, und gemischt im Studio von David Gilmour.

Ji-Hun: Autsch. Da hab ich mir selber ein Ei ins Nest gelegt. Aber fair enough. Dann gibt’s aber Schnaps, ok?

Thaddeus: Immer.

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